Fall Baumann "Haltlose Verleumdungen"
Berlin - Stèphane Franke und Damian Kallabis haben eidesstattlich erklärt, nichts mit der "Zahnpasta-Affäre" des unter dringendem Dopingverdacht stehenden Olympiasiegers Dieter Baumann zu tun zu haben. Über ihren Anwalt Arnd Böken ließen die beiden Langläufer vom SCC Berlin am Freitag aus dem Trainingslager in Kenia mitteilen, dass sie keinerlei Manipulationen an Zahnpasta mit dem anabolen Steroid Nandrolon vorgenommen hätten. Das Duo drohte strafrechtliche und zivilrechtliche Schritte gegen jeden an, der diese "haltlosen Verleumdungen" gegen sie vorbringe.
Unterdessen rechnet Baumann offenbar fest mit der Aufhebung der Sperre und hält seinen Sydney-Start für sicher: "Ich werde bei den Olympischen Spielen starten", sagte der Olympiasieger von 1992 in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). "Journalisten versuchen gern, logisch zu argumentieren, aber sie verlassen den Pfad der Logik, wenn sie mich belasten wollen. Einerseits unterstellen sie mir Genialität in der Vertuschung. Andererseits bin ich dumm genug, um ausgerechnet Nandrolon zu nehmen, wo es doch Mittel gibt, die nicht nachweisbar sind. Noch im September war ich bei der Sitzung einer EU-Kommission zum Thema Ethik und Doping im Sport. Da habe ich selbst noch die Nandrolon-Fälle angeprangert, und vier Wochen später soll ich es selbst genommen haben - ich müsste ja schizophren sein", erklärte Baumann weiter.
In dem Interview unterstrich er nochmals seine Meinung, "dass meine Suspendierung am 22. Januar vom Präsidium des DLV aufgehoben wird". Baumann weiter: "Ich will für mich nur, was für andere gegolten hat, mich durch eine Indizienkette und Gutachten von diesem Tatverdacht zu entlasten."
Franke und Kallabis waren vom Langstreckler Christian Thörner namentlich ins Spiel gebracht worden. Sie sollen im Juli 1999 zeitgleich mit dem vom DLV suspendierten Baumann, dessen Trainingskontrollen am 19. Oktober und 12. November in A- und B-Probe positiv waren, im Trainingslager in St. Moritz gewesen sein und wie weitere Personen Zugang zu dessen Unterkunft gehabt haben. Thörner hatte dabei selbst eingeschränkt, dass er keine Indizien dafür habe, dass Franke oder Kallabis das Bad von Baumann betreten hätten.
Rückendeckung erhielten die beiden Berliner vom Tübinger Staatsanwalt Hans Ellinger, der den Zahnpasta-Fall leitet, nachdem Baumann Strafanzeige gegen unbekannt gestellt hatte. "Nach dem Stand der derzeitigen Ermittlungen besteht gegen beide Personen kein begründeter Manipulationsverdacht im Fall Baumann", erklärte der Jurist.
Ellinger bestätigte indes, dass sich die Behörden bei den Ermittlungen ganz auf das Trainingslager in St. Moritz und das Haus von Baumann konzentrierten. Allein dort könne nach den vorliegenden Erkenntnissen die Zahnpastatube mit dem verbotenen Mittel versetzt worden sein. In der "Berliner Zeitung" hatte er von einem "relevanten Personenkreis von etwa zehn Leuten" gesprochen, die sich im nahen Umfeld von Baumann aufgehalten haben sollen. "Aber das haben wir schon vor drei Wochen gewusst", sagte Ellinger. Offenbar sei Thörner angesprochen worden, weil Franke und Kallabis in Opposition zu Baumann stehen.