Fall Ullrich UCI-Chef warnt nationale Verbände
Hamburg - "Wir überprüfen jeden einzelnen Fall und geben die Informationen in den nächsten 10 bis 15 Tagen weiter", sagte McQuaid heute. "Sollte einer der Verbände versuchen, eine betroffene Person mithilfe geschickter Anwälte aus der Affäre herauszuboxen, werden wir den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen", warnte McQuaid. Er forderte zur Zusammenarbeit auf: "Verbände, Anti-Doping-Agenturen und Behörden müssen ihre Informationen teilen. Nur so können internationale Ringe, die die Sportler mit den entsprechenden Mitteln versorgen, zerstört werden."
Dass genauere Informationen erst jetzt weitergeleitet würden, führte McQuaid vor allem auf die umfangreichen Ermittlungsakten der spanischen Polizei zurück. "Es geht um 58 Fahrer, und hinter den Namen steht nicht einfach, welche verbotenen Substanzen sie genommen haben. Wir mussten 500 Seiten durcharbeiten", so der UCI-Boss.
Er verteidigte die Rolle seines in der Vergangenheit für einen angeblich zu laschen Kampf gegen Doping kritisierten Verbandes: "Wir gehen härter gegen Doping vor als jede andere Sportart. Der Grund, warum es bei uns mehr positive Proben gibt, resultiert daraus, dass wir schärfer kontrollieren."
Um der Problematik entgegenzuwirken, stellte McQuaid zudem eine Änderung der Streckenprofile in Aussicht: "Wir werden diese in puncto Schwierigkeit und Länge prüfen und in den kommenden Wochen ein Statement abgeben."
Unterdessen forderte Rudolf Scharping, Präsident des Bund Deutscher Radfahrer, im Kampf gegen Doping einen weiter reichenden Maßnahmenkatalog. "Es müssen alle Kräfte zusammenwirken. Wir beschäftigen uns mit dieser Problematik schon seit längerem. Was Deutschland betrifft, denke ich, dass wir uns bis Ende September auf einen Katalog geeinigt haben", erklärte Scharping.
Am Samstag wird es zu einem Gespräch zwischen Scharping, den deutschen Pro-Tour-Teams, Sponsoren, Medizinern und Veranstaltern kommen, in dem die künftige Marschroute im Kampf gegen die Einnahme verbotener leistungssteigernder Substanzen festgelegt werden soll. "Solange wir keinen Maßnahmenkatalog haben, wird der Gesetzgeber nicht tätig werden. Wir brauchen ihn aber", erklärte Scharping bei einer Pressekonferenz zu den im Hamburg stattfindenden Cyclassics.
Das Weltcup-Rennen muss in diesem Jahr auf namhafte Stars verzichten. Weder Tour-Sieger Floyd Landis (Phonak) noch Andreas Klöden (T-Mobile) und Weltmeister Tom Boonen (Quick Step) stehen auf der Teilnehmerliste. Offen ist der Start von Jens Voigt (CSC), wie Projektleiter Frank Bertling erklärte. Der Start des 243,4 Kilometer langen Rennens, das vom NDR Fernsehen und der ARD live übertragen wird, erfolgt am Sonntag um 11.20 Uhr.
pav/sid/dpa