Fecht-Hoffnung Kleibrink: Power auf der Planche - DER SPIEGEL
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Fecht-Hoffnung Kleibrink Power auf der Planche

Bei den Junioren wurde Benjamin Kleibrink Weltmeister. Auch im Herren-Bereich will der 20-Jährige für Furore sorgen. Der Bundestrainer traut seinem Schützling einiges zu. Schon bei der Fecht-WM in Leipzig könnte heute der nächste Coup gelingen.
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"Benjamin hat eine überragende Saison gefochten. Ich sehe keinen Grund, warum er nicht im Kampf um die Medaillen eingreifen sollte", urteilt Ralf Bißdorf. Der aktuelle Weltranglisten-Dritte und Olympia-Zweite von Sydney 2000 muss es wissen, hatte er doch im April gegen Kleibrink das Finale bei den deutschen Meisterschaften verloren.

Innerhalb einer Saison hat sich Kleibrink bei den weltbesten Florettfechtern einen Namen gemacht. Vor seinem Triumph bei den nationalen Titelkämpfen hatte er schon das Weltcup-Turnier in Seoul gewonnen, hinzu kamen dritte Plätze bei den stark besetzten Veranstaltungen in Paris und Bonn. "Benjamin ist ein Shootingstar", lobt Florett-Bundestrainer Ulrich Schreck seinen Schützling.

Inzwischen steht Kleibrink auf Platz 9 der Weltrangliste. Deshalb blieb ihm gestern die Vorrunde erspart, er ist direkt für das 64er-Hauptfeld qualifiziert, in dem das K.o.-System gilt. Frechheit, Zielstrebigkeit und Professionalität zeichneten Kleibrink aus, sagt Schreck. "Dank meiner guten Grundausbildung bin ich sicherlich technisch schon versiert", gibt sich Kleibrink bescheiden.

Zudem sei ihm die Umstellung nach der Regeländerung beim Florettfechten besser gelungen als anderen. "Ich habe seltener Wurfstöße angesetzt, deshalb hat mir das nicht so viel ausgemacht", sagt Kleibrink. Um für deutlichere Treffer zu sorgen, wurden die Kontaktzeiten verlängert. Die blitzschnellen Wurfstöße, bei denen die Spitze bei durchgebogener Klinge auf die Schulter oder den Rücken des Gegners trifft, führen nun kaum noch zu Treffern.

Obwohl er selbst mit der neuen Regel klarkommt, unterstützt Kleibrink die Kritik vieler anderer Fechter an der vom Verband gegen die Athleten durchgesetzte Neuerung. "Die Dynamik beim Florett ist von einem auf den anderen Tag flöten gegangen. Demnächst sollen bei uns auch noch die ungültigen Treffer abgeschafft werden, dann können wir eigentlich gleich mit dem Fechten aufhören", schimpft Kleibrink.

Zu den körperlichen Riesen gehört Kleibrink nicht, seine geringe Größe mache er aber durch seine starke Technik mehr als wett. "Benjamin ist defensiv wie offensiv gleich stark, ficht sehr konservativ, das kommt ihm auf jeden Fall zugute. Zudem ist er ein unglaubliches Bewegungstalent", staunt Schreck.

Vor sechs Jahren nahm der Bundestrainer Kleibrink in Bonn unter seine Fittiche, die vorigen zwei Jahre kam dessen Schützling neben der Schule regelmäßig aus Krefeld zum Training. Nach dem Abitur im vergangenen Sommer schloss er sich der Sportfördergruppe an, wohnt aber weiterhin in Krefeld. "Er fühlt sich halt wohl dort", sagt Schreck. Deshalb habe Kleibrink die Doppelbelastung von Schule und Sport geschafft. Nach der Bundeswehr will er Maschinenbau studieren.

Nur selten schaffen Fechter in ihrem letzten Juniorenjahr den reibungslosen Übergang in die Herrenklasse, der letzte war Trainingspartner Peter Joppich, der holte mit 20 Jahren den Weltmeistertitel 2003 in Havanna. "Benjamin hat zwar eine riesige Entwicklung hinter sich, aber er ist jetzt schon so professionell, dass ich keine Gefahr sehe, dass er abhebt, auch wenn er mal frech in seinen Äußerungen ist", sagt Schreck über Kleibrink.

Mit Sprüchen hält sich die Nachwuchskraft vor dieser Weltmeisterschaft aber zurück. "Ich will einfach nur von Gefecht zu Gefecht schauen. Von mir erwartet keiner etwas, die Augen ruhen vor allem auf Bißdorf und Joppich, das kommt mir doch zugute", so Kleibrink, "wenn man älter wird, dann darf man seine Ziele schon mal laut äußern."

Möglichst viele starke Gegner

Eine Medaille setzt sich Schreck als Ziel für seine Florett-Jungs, bei den Damen hatte Anja Müller am Sonntag ja überraschend Silber gewonnen. "Es ist Benjamins erste Herren-WM. Er kann frei nach Lust und Laune fechten und soll zeigen, was er drauf hat. Mit Nicolas Limbach ist er das größte Talent, das der deutsche Fechtsport hat. Solche Leute brauchen wir", sagt Schreck. Limbach, Juniorenweltmeister im Säbel, hatte jedoch Pech. Er verpasste gestern knapp den Einzug ins Halbfinale, war aber immerhin bester Deutscher.

Heute will es Kleibrink besser machen. "Er wünscht sich sogar vermeintlich stärkere Gegner, um denen zu zeigen, wo es langgeht", weiß Schreck. Kleibrinks Klasse lernten in dieser Saison schon viele Topfechter kennen, der Jungstar weiß fast jedes Ergebnis seiner Gefechte auswendig. "Den Italiener Simone Vanni oder Olympiasieger Brice Guyard aus Frankreich habe ich allerdings noch nicht geschlagen", räumt Kleibrink ein, "aber gegen die habe ich auch noch nie gefochten."