Fechten: Debakel der Florett-Herren - DER SPIEGEL
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Fechten Debakel der Florett-Herren

Dem Jubel um den silbernen Coup der Degen-Damen folgte der Absturz der Florett-Herren. Nachdem Claudia Bokel, Imke Duplitzer und Britta Heidemann den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) nach der Pleite im Einzel mit der ersten Medaille erlöst hatten, scheiterten die Florett-Herren schon zum Auftakt im Viertelfinale.
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Athen - Mit leerem Blick und gesenktem Haupt schlich das deutsche Trio aus der nur spärlich gefüllten Hellenkikon-Halle nach der überraschenden 43:45-Niederlage gegen die USA. "Das ist der bitterste Tag in meinem Trainer-Leben", gestand Bundestrainer Jochen Behr seine Enttäuschung offen ein: "Die USA muss man schlagen. Ich wundere mich, dass wir es nicht geschafft haben, das Ding herumzureißen. Normal ist das unsere Stärke."

Um Gold kämpfte am Abend im Finale Weltmeister Italien gegen den Olympiazweiten China, der die USA im Halbfinale souverän mit 45:35 bezwang. Italien setzte sich noch überlegener mit 45:27 gegen Russland durch. Die deutschen Herren besiegten in der Platzierungsrunde Südkorea immerhin mit 45:40, unterlagen aber anschließend gegen den gestürzten Olympiasieger Frankreich im Kampf um Platz fünf mit 38:45.

Nur Weltmeister Peter Joppich brachte gegen die Amerikaner Normalform. Nach einem 26:35-Rückstand riss der 21-jährige Koblenzer im vorletzten Gefecht gegen den Amerikaner Jedediah Dupree das schon verloren geglaubte Match noch einmal herum und brachte die deutschen Herren mit 40:39 in Führung. Dann aber schenkte Andre Weßels, Vize-Weltmeister von 2002, mit einer indiskutablen Leistung den Vorsprung wieder her. 3:6 verlor er das letzte Gefecht gegen Dan Kellner.

"Ich habe überhaupt nicht hinein gefunden ins Gefecht. Ich gehe mit Vorsprung rein und verliere, das darf nicht passieren", stellte Weßels zerknirscht fest und wirkte dabei ziemlich ratlos: "Wir haben uns einfach unterbuttern lassen. Ich bin in meine alte Lethargie verfallen. Arme und Beine haben nicht mehr so reagiert, wie sie sollen. Wir waren wahnsinnig motiviert, aber ich habe schlecht gefochten."

Nach Ralf Bißdorfs Einzel-Silber in Sydney gingen die Florett-Herren wie schon 1996 in Atlanta leer aus. Im Einzel war Weltmeister Joppich als Bester im Viertelfinale gegen den späteren Olympiasieger Brice Guyart (Frankreich) ausgeschieden.

"Ich weiß auch nicht, was da heute passiert ist. Das Ziel war eine Medaille, jetzt fühle ich nur noch eine große Leere und Riesenenttäuschung", meinte Bißdorf, der wie Weßels nie zur Normalform fand, "nach dem Ausgleich durch Peter habe ich gehofft, dass wir dem Fechter-Tod nochmal von der Schippe springen. Aber leider ist uns das nicht mehr gelungen."