Federer-Bezwinger Djokovic Komiker und Kämpfer
Dem starken Auftritt auf dem Platz folgte ein souveräner, fast schon frecher auf der Pressekonferenz. "Ich bin bereit für das Finale und fühle mich nicht zu müde und erschöpft", sagte Novak Djokovic. Es scheint so, als sei es für den 20-Jährigen ganz normal, dass er wenige Minuten zuvor Roger Federer glatt in drei Sätzen nach Hause geschickt hatte. Federer, der in den vergangenen zehn Grand-Slam-Turnieren im Finale stand und der seit 208 Wochen ununterbrochen Rang eins der Tennis-Weltrangliste belegt. Zeit, dass damit Schluss ist - zumindest nach Meinung Djokovics. "Mein Lebensziel ist es, die Nummer eins zu werden. Die Dominanz von Federer und Nadal war erdrückend in den letzten Jahren. Es ist gut für unseren Sport, dass es jetzt mal andere Gesichter und einige neue aufstrebende Stars gibt." Tatsächlich hat im Halbfinale der Australian Open in Melbourne eine kleine Revolution stattgefunden. 7:5, 6:3, 7:6 entzauberte Djokovic heute Federer, bereits gestern hatte Jo-Wilfried Tsonga (22) den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal vom Platz gefegt. Auf dem Zettel hatte das Finale Djokovic gegen Tsonga wohl niemand.
Einmal war es Djokovic bereits gelungen, Federer zu schlagen. Beim Masters-Turnier in Montreal im vergangenen Jahr besiegte er zunächst Andy Roddick und Nadal, ehe er im Finale gegen Federer die Oberhand behielt. Heute legte er nach.
Seine Karriere wurde von den Eltern gut geplant. Bereits mit vier Jahren schlug "Nole", wie die Fans ihn nennen, Filzbälle an die Wand des Familienrestaurants. Mit zwölf Jahren schickten sie ihn nach München in der Tennisakademie von Niki Pilic. Dort soll er wenig später, als Pilic mit dem damals 13-Jährigen beim Essen saß, 20 Minuten vor der Übungseinheit vom Tisch aufgestanden sein. Auf Pilics Frage, wo er denn hinwolle, erklärte Djokovic: "Ich muss mich vorbereiten. Ich will meine Karriere nicht aufs Spiel setzen."
Kein Wunder, dass er mit bereits 16 Jahren Profi wurde. Der junge Serbe musste allerdings lange um finanzielle Unterstützung von Sponsoren kämpfen. Als Spieler aus einem Land, das als Anstifter des Balkan-Krieges galt, einen Vertrag zu bekommen, gestaltete sich schwierig. "Wir wurden mit Krieg, mit Hass und Verwüstung identifiziert", sagte Djokovic, "dabei ist das Einzige, womit ich kämpfen will, mein Tennisschläger."
Inzwischen ist er Dritter der Weltrangliste, Sponsorenverträge hat er genug - nicht zuletzt wegen der hohen Sympathiewerte. Die Fans lieben ihn; wegen seiner Spielweise, aber auch weil er ein Spaßvogel ist. So parodiert er vor oder nach Matches gerne seine Kolleginnen und Kollegen. Besonders brillant macht er die Aufschlagbewegung der Russin Maria Scharapowa nach. Aber auch das typische Hemdzupfen von Roddick oder das Hosenrichten von Nadal beherrscht er hervorragend (siehe Video).
"Wenn er mal das Tennisspielen verlernt, kann er auf der Bühne immer noch Karriere machen", sagt Ex-Champion John McEnroe über Djokovic. Der Serbe hört sich das gerne an. Er ist ein Showman.