Flensburger Knudsen: Einmal Europa und zurück - DER SPIEGEL
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Flensburger Knudsen Einmal Europa und zurück

Er ist einer der dänischen Handball-Helden: Europameister Michael Knudsen will mit seinem Verein SG Flensburg-Handewitt die Champions League gewinnen. Zum Auftakt der Zwischenrunde trifft der Kreisläufer auf den HSV Hamburg und einen Nationalmannschaftskollegen.
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Flensburg - Das Duell steigt im Norden, doch die Kampfansage kommt aus dem Süden: "Wir gewinnen, weil wir als Kollektiv viel besser sind als Hamburg." Die selbstsicheren Worte stammen von Michael Vestergaard Knudsen, dänischer Handball-Nationalspieler und Europameister im Dienste der SG Flensburg-Handewitt. Der Kreisläufer sitzt am Stuttgarter Flughafen, als er diese Ansage an den HSV Handball abgibt. Es ist Donnerstagvormittag, knappe zwölf Stunden nach Flensburgs Bundesliga-Sieg bei HBW Balingen-Weilstetten (35:28) und vier Tage vor dem Nordduell zum Auftakt der Champions-League-Zwischenrunde (Heute, 15 Uhr) gegen den HSV.

Es ist hektisch um Knudsen herum. Hinter ihm wird ein neues Café gebaut und der Lärmpegel, den die Handwerker mit Bohrern und Hämmern verursachen, könnte es ohne Probleme mit den 6500 Fans aufnehmen, die am Sonntag in der Flensburger Campushalle die SG und den 28-jährigen Dänen nach vorne peitschen werden. Über die Lautsprecher ertönt eine Durchsage nach der anderen, Passagiere hetzen links und rechts an Knudsen vorbei, es sind nur noch 30 Minuten bis zum Abflug. Doch Knudsen bleibt ruhig. Er kennt diese Situation, sie ist vergleichbar mit dem, was ihn am Sonntag erwartet. Dann wird der Hallensprecher im Minutentakt die Torschützen ins Mikrofon schreien, Hamburgs Abwehrrecken wie Bertrand Gille oder Dimitri Torgovanov ihm links und rechts an Trikot und Armen hängen und die Zeit an der Anzeigetafel knapper werden.

Der 97-Kilo-Mann mit der Rückennummer 77 wird wieder die Ruhe bewahren, denn es liegt in seinem Naturell, sowohl auf als auch außerhalb des Platzes. Knudsen bewegt sich mit viel Bedacht, er spielt cleveren und eleganten Handball. Hinzu kommt, dass er derzeit nach eigener Aussage, "in der besten Form seines Lebens" ist. Wer ihn beobachtet, der sieht, dass Knudsen auf seinem ganz persönlichen Handball-Olymp angekommen und bis obenhin mit Selbstbewusstsein ausstaffiert ist.

"Durch den EM-Sieg bin ich darin bestätigt worden, einer der besten Handballer der Welt zu sein", sagt er SPIEGEL ONLINE. Dabei ist er in der Szene keineswegs als Lautsprecher bekannt. Ganz im Gegenteil. Knudsen besticht seit jeher durch Leistung: Junioren-Europameister 1998, -Weltmeister 1999, bei den "Großen" stand er 2007 im WM-All-Star-Team, holte Bronze und jetzt Gold bei der EM. Dazu ist er in Flensburg seit dem Sommer einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste.

Respekt vom und vor dem Gegner

Große Worte hat er bislang anderen überlassen. Doch der EM-Titel hat Knudsens Appetit geweckt, er ist hungrig und will mehr. Dabei wirkt es keineswegs arrogant oder hochnäsig, wenn der Däne vom Gewinn der Meisterschaft oder dem Champions-League-Titel spricht. Im HSV sieht er einen "starken Gegner", den "wir jedoch schlagen werden". Der neutrale Beobachter kauft es ihm in diesen Tagen ebenso ab wie der Gegner, der ihm mit viel Respekt begegnet.

"Knudsen ist ein toller Spieler, einer der besten Kreisläufer der Welt, der gut decken kann und einfach einen guten Eindruck macht", sagt Martin Schwalb, Trainer des HSV zu SPIEGEL ONLINE. Bertrand Gille, Hamburgs Pendant zu dem 1,91 Meter großen Dänen auf der Kreisläufer-Position, fügt hinzu: "Ein Weltklasse-Mann. Er ist einfach ein sehr guter Kreisläufer, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Umgekehrt bringt Knudsen dem Kontrahenten mindestens genauso viel Anerkennung entgegen und weiß, dass dieser sich allein durch seine Anwesenheit nicht kampflos ergeben wird: "Es wird ein Lokalderby zwischen zwei richtig guten Mannschaften, zwischen zwei Weltklasse-Teams."

"Wir kommen nach Flensburg um zu gewinnen", sagt Hans Lindberg, Rechtsaußen des HSV, der gemeinsam mit Knudsen in Norwegen EM-Gold gewann. "Damit es klappt, müssen wir in der Abwehr gut stehen und unser Konterspiel aufziehen", so der Däne weiter und: "Außerdem müssen wir bestimmte Spieler der SG in den Griff bekommen." Dazu zählt der 27-Jährige in erster Linie Keeper Dan Beutler und natürlich seinen Landsmann am Kreis.

"Michael ist einer der weltbesten Kreisläufer. Seine große Stärke ist es, dass er nahezu jeden Ball fängt und sich unglaublich viel und gut bewegt. Als Abwehrspieler weiß man nie, was er als nächstes macht", so HSV-Star Lindberg. Persönlich wäre dem Dänen Knudsen die Deutsche Meisterschaft zwar lieber ("Ich würde sie unglaublich gerne gewinnen"). Das bedeutet jedoch nicht, dass ihm der Europapokal egal ist.

"Der Champions-League-Sieg wäre auch schön, denn bei dänischen Vereinen hat man im Gegensatz zu deutschen nur selten die Chance dazu", so der Europameister. Fest steht jedenfalls: Die EM ist für ihn abgehakt und seine ganze Aufmerksamkeit gilt fortan der SG: "Es war eine schöne Zeit, doch jetzt konzentriere ich mich auf meinen Verein, denn wir wollen in diesem Jahr unbedingt einen Titel holen", so Knudsen.

"Wenn das Spiel am Sonntag erstmal läuft, gibt man sowieso alles und will gewinnen", fügt Knudsen hinzu. Auch dieser Satz passt zu seinem Naturell. Knudsen schont sich nie. Obwohl seine linke Achillessehne seit der EM-Hauptrunde bei jedem Sprung "unheimlich schmerzt" und es seitdem nur ein "wenig besser geworden" ist, geht er jedem Ball nach und hängt sich voll rein. Immer getreu dem Motto: Wer Titel holen will, muss leiden.

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