Flush Hour: Der Million-Dollar-Junge - DER SPIEGEL
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Flush Hour Der Million-Dollar-Junge

Ist Schlauheit eine Stärke der Engländer? Wohl kaum, das bestätigt sogar das britische Parlament. Stephen Chidwick ist eine Ausnahme. Er pokerte sich schon als Jugendlicher zu viel Geld. Außerdem qualifizierte er sich mehr als 60 Mal für die WSOP. Auch ohne Teilnahme wurde Chidwick reich.
Von Lasse König
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt sie also auch in England, die schlauen Kinder. England hat ja eher den Ruf einer Intelligenz-Diaspora, die Pisa-Studie sieht es genauso. 2006 waren die Briten die einzige Nation, die es fertigbrachte, bei den 15-Jährigen in den Kategorien Lesen und Mathe mal eben ins untere Mittelfeld  durchgereicht zu werden.

Chips, Flush: Über eine Million Dollar gewonnen

Chips, Flush: Über eine Million Dollar gewonnen

Foto: ROBERT SULLIVAN/ AFP

Wer ein bisschen im Netz surft findet sogar Statistiken , die manifestieren, dass 75 Prozent der Briten nicht richtig Rechnen können. Beim Schreiben und Lesen sollen es 50 Prozent sein! Abgesehen davon, dass es verblüffender Weise nur die Hälfte ist - haben wir das nicht schon immer gewusst? Doch allerspätestens seit David Beckhams Tattoo-Experiment.

Also, schlaue Kinder in England.

Stephen Chidwick war vor ein paar Jahren so ein kluger Jugendlicher, jetzt ist er zwanzig und hat jede Menge Geld. Was hat er angestellt? Richtig, er hat gepokert. Seine Geschichte ähnelt der meinen verblüffend, mit einem kleinen Unterschied: stevie444 ist heute einer der erfolgreichsten Online-Spieler weltweit, ich wäre es gern. Stattdessen sitze ich vor dem Computer und schreibe über stevie444, während er vor dem Computer sitzt und sich die Taschen vollmacht. Es ist so ungerecht.

Chidwick fing, so viel ist gesichert, auf dem Account seines Vaters mit dem Pokern an. Die Skeptiker werden jetzt natürlich sagen: Bestimmt hat Daddy ihm auch Zigaretten angeboten und zum Nachspülen einen doppelten Whiskey? Dabei ist nicht mal klar, ob der Vater überhaupt davon wusste. Heute wird er sich sicher nicht ärgern. Chidwick spielte Freerolls, gewann dort ein paar Dollar, spielte Cashgames, spielte seine Bankroll auf 100 Dollar. Und spielte dann Turniere.

Chidwick selbst sagt, er tat nichts anderes als das. Nebenbei kaufte er "jedes Buch von Harrington, ich trieb mich in Foren herum, analysierte Hände" - und es funktionierte. Seine Eltern unterstützten ihn fortan, "und meine Großeltern fragten sogar, wie ich mich in den Rankings entwickelte".

Omi konnte zufrieden sein, stevie444 wurde immer besser und das hält bis heute an: Im Mai gewann er bei einem Online-Turnier 142.000 Dollar, bei einem anderen im Juni 45.000. Bis heute hat er Datenbanken zufolge 1,5 Millionen Dollar online gewonnen.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er sich 2008 60 Tickets für die World Series im Wert von jeweils mindestens 10.000 Dollar erspielte - und sie alle verkaufte.

Er war schlicht noch zu jung, um an der WSOP teilzunehmen, er war es auch in diesem Jahr. Chidwick ist noch keine 21. Das schließt ihn zwar von dem renommiertesten Turnier der Welt aus, aber es ärgert ihn keinesfalls. Er hielt sich bei der European Tour schadlos und wurde in Barcelona Fünfzehnter.

Fünf Milliarden hat die britische Regierung ins Schulsystem gepumpt und heraus kommt ein Desaster. Stephen Chidwick macht aus nix ein paar Millionen - mit Fleiß, Hingabe und Zeit. Er hat sogar die Schule abgeschlossen!

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