Flush Hour: Heads up gegen die Grippe - DER SPIEGEL
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Flush Hour Heads up gegen die Grippe

Drei Wochen hat Lasse König nicht am Pokertisch gesessen - aber doch gepokert. Der Gegner war der schwerste bisher. Unberechenbar, tückisch und mit langem Atem ausgestattet. Protokoll eines Duells, das nur mit schweren Geschützen zu gewinnen war.
Die Grippe: Unberechenbar, tückisch und mit langem Atem ausgestattet
Die Grippe: Unberechenbar, tückisch und mit langem Atem ausgestattet

Die Grippe: Unberechenbar, tückisch und mit langem Atem ausgestattet

Foto: ddp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Lasse wo steckst? bitte melden! was passiert? dachte wir spielen rebuyurnier am sonntag casino esplanade. nächsten sonntag? oder bist wieder krank? gruß"

Typisch Killer. Statt sich orthografisch korrekt auszudrücken, verhunzt mein Lieblingspokerfeind lieber seine SMS, um nicht neue 145 Zeichen anfangen zu müssen. Es ist diese Kleinsparermentalität, die ihm nicht nur beim Pokern im Weg steht. Aber immerhin: Er meldete sich. Ich nicht.

Ich weiß nicht mehr genau, wann es anfing, dieses verdammte Duell. Es muss vor drei Wochen gewesen sein, die Kopfschmerzen kamen so schnell um die Ecke wie Maria Riesch um die Slalomstangen. Genauso erfolgreich. Okay, ab nach Hause, ins Bett, ausschlafen. Wird schon wieder.

Wurde nicht. Die Kopfschmerzen bekamen Gesellschaft. Trockener Hals, Husten, Müdigkeit, Fieber. Die ganze Grippe-Gang hatte sich heimlich Zutritt zu meinem Körper verschafft, jetzt feierte der Flashmob eine Abrissparty.

Die Grippe - Informatikergesicht und blau-gelbes Sakko

Manchmal hilft es, das Leiden auf eine Metaebene zu heben. Dem unsichtbaren Feind eine Gestalt zu geben, ihn personalisieren, um ihn greifen zu können. Ich machte die Grippe zu einem Heads-up-Gegner, was lag auch näher? In meiner Vorstellung hatte die Grippe ein Informatikergesicht, ungepflegte Fingernägel, verlauste Haare und ein blau-gelbes Sakko an. 18 Prozent stand drauf.

Es konnte losgehen.

Heads up gegen die Grippe, so viel war schon vorher klar, würde nicht leicht werden für einen tighten Spieler wie mich. Die Grippe erfordert aggressives, variables Spiel von Beginn an. Gegen die Grippe startet man zudem short. Wenn man anfängt, gegen sie zu spielen, hat sie in der Regel schon lange die Kontrolle übernommen. Und: Die Grippe foldet nie.

Mein erstes Blatt war Heiße Zitrone und Honig, vergleichbar mit kleinen suited one-gappers. Eine lächerliche Hand gegen die Grippe, ich gab nach zwei Tagen auf.

Der Whisky feiert sein Comeback

Dann bekam ich Heiße Zitrone, Honig und Jameson Blue Label gedealt. Der Jameson kann eine Menge, wie Taschen-Siebener. Aber sie hielten nicht. Die Grippe schlug mich nach drei Nächten mit Assen. Ich fand es am Ende auch schade um den Jameson.

Mein Stack schrumpfte und meine Moral auch. Ich hoffte auf bessere Karten, und sie kamen in Form von Aspirin und viel Obst. Eine Woche war rum, und ich fühlte mich nicht wirklich besser. Es musste was passieren. Würden die Buben die Wende bringen? Die Grippe hatte Könige und lachte mich nach drei Tagen aus.

Nach viel Schlaf, Aspirin, Obst und einem Jameson-Comeback wendete sich das Blatt endlich. Die Grippe verlor einige wichtige Pötte. Sie lachte ihr zahnloses Lachen, aber ich konnte schon wieder langsam um den Block joggen. Es war nur noch eine Frage der Zeit.

Mit Antibiotika ging ich schließlich All-in. Die Asse hielten.

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