Flush Hour: Nur Bares ist Wahres - DER SPIEGEL
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Flush Hour Nur Bares ist Wahres

Die Finanzkrise schärft die Sinne für unwirtschaftliche Engagements. Lasse König hat sich deshalb an einen Spruch der Oma erinnert und seine Pokerstrategie geändert - am Horizont türmen sich schon die Preise. Wenn nur die Dealer nicht wären.
Gefälschter 300-Euro-Schein: Turniere sind unwirtschaftlich
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Foto: Z1003 Jens Büttner/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich suche ja seit Jahren nach einem Tattoomotiv, finde aber keines. Mittlerweile glaube ich, dass das eigentlich gar nicht so schlecht ist. Spätestens 2015 werden Nicht-Tätowierte die neuen Bosch-Kühlschränke sein. Kult. Weil es nur noch wenige gibt und sie einfach gut aussehen. Vielleicht tragen sie Tattoofreie auch in Sänften durch die Gegend oder schreiben über uns.

Ändern kann meine Einstellung nur noch etwas Ausgefallenes. Ein Ass auf dem Unterarm geht nicht mehr, Kai Havaii von Extrabreit hat das ja schon gemacht, damit er immer ein Ass im Ärmel hat. Ich denke eher an ein Zitat, das ich bisher als Post-it zu Hause am Rechner hängen habe. Es ist ein Spruch von meiner Oma. "Nur Bares ist Wahres." Deutsch klingt er vielleicht ein bisschen oberflächlich, außerdem könnten sie mich später als Kapitalistenschwein verfolgen, wenn es die Linke mal an die Macht schafft.

Aber in Hindu? Chinesische Schriftzeichen sehen bestimmt auch nicht schlecht aus. Außerdem wäre das Tattoo eine Investition in die Zukunft. 2015 werden die Chinesen ohnehin die Welt beherrschen. Ganz abgesehen davon könnte mich der Spruch auch täglich daran erinnern, dass ich jetzt vornehmlich Cash Games spiele. Ich habe gerade eine Aversion gegen Turniere.

Und außerdem brauche ich endlich einen iPod.

Alles fing mit einer simplen Rechnung an. Im aceclub in Hamburg, wo ich regelmäßig spiele, gibt es eine eigene Währung: aceclub-Punkte. Und für aceclub-Punkte gibt es Sachpreise. Die "Pokerschule" von Jan Meinert kostet 8000 Punkte, ein iPod 150.000. Bei einem Turnier mit 30 Teilnehmern kann ich maximal 45.000 Punkte gewinnen, muss mich dafür aber gegen 29 Spieler durchsetzen und gegen ständig steigende Blinds. Cashgames starten mit 3000 Chips, die 3000 Punkten entsprechen. Und die Blinds steigen nicht.

Dass Cashgames grundsätzlich wirtschaftlicher sind, haben mir schon einige Leser geschrieben. Ich wollte es eben nur nicht glauben. Vielleicht hatte ich einfach zu viele Länderspiele der DFB-Elf gesehen. Von der heißt es ja immer wieder, sie sei eine Turniermannschaft. Jetzt bin ich Brasilianer.

Und es funktioniert.

Erster Versuch vor zwei Wochen: Was für ein herrliches Gefühl, mit 6-8 offsuit zu raisen, sechs Caller zu bekommen und 6-8 auf dem Flop zu sehen. Fünf Caller? Nun ja, der Tisch stellte sich im Verlauf als zweigeteilt heraus. Die Hälfte, an der ich saß, war extrem zurückhaltend, die andere das genaue Gegenteil. Es war wie Klosterschule gegen Hauptschule in der großen Pause - aber mit guten Händen kann das auch ein Vorteil sein. Mein Twopair erhöhte meinen Stack auf 5500.

So ging das den ganzen Abend. Ein Mix aus tight und aggressiv war die richtige Wahl, am Ende ließ ich 13.000 Punkte anschreiben. Das Tagesend-Turnier war wie zur Bestätigung ein Desaster. Ich schied als Siebter mit K-10 gegen A-2 aus.

Der zweite Versuch vor einer Woche: Ich wollte das Positionsspiel trainieren und ansonsten so zurückhaltend wie möglich agieren. Wieder funktionierte es. Dank eines getroffenen Sets Sechsen gegen einen Flush-Draw konnte ich schnell verdoppeln und schaute mir dann erstmal gemütlich den weiteren Verlauf an. Bei 9000 Chips wechselte dann der Dealer.

In Casinos hat man ja manchmal den Eindruck, dass die Veränderung einer Kleinigkeit schon das große Ganze ins Wanken bringt. Ein neuer Croupier. Neue Karten. Ein neuer Nachbar. Ich glaube leider an solchen Mist - und deshalb war es sicher auch nur eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass fortan nichts mehr klappte. Dreimal hintereinander gab mir die Dealerin 9-4 offsuit. Dann folgten 3-8 und 2-7. Ich fragte sie irgendwann, ob sie was gegen mich hätte oder vielleicht die Bilder wieder ins Deck tun könnte. Sie lächelte nur.

Dann hieß es plötzlich: "Letzte Hand". Ich schaute auf meinen Stack, 5000 Chips lagen da immer noch. Kein großer Gewinn, aber immerhin überhaupt einer. "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" war auch so ein Spruch von meiner Oma. Aber der ist einfach zu lang.

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