Flush Hour: Spaß mit "Frauen-Viagra" - DER SPIEGEL
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Flush Hour Spaß mit "Frauen-Viagra"

Machos, Karten und flotte Sprüche: Ist die Pokersendung "German Highroller" peinlich, weil sie nicht mit Vorbildern aus den USA mithalten kann? Lasse König hat sie sich angeschaut und findet: Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft. Eine Fernsehkritik mit Lob.
"German Highroller" im Sportfernsehen: Ambivalente Pokersendung
"German Highroller" im Sportfernsehen: Ambivalente Pokersendung

"German Highroller" im Sportfernsehen: Ambivalente Pokersendung

Foto: Z5456 Arno Burgi/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich wollte schon immer mal was über das DSF machen. Jetzt eilt es langsam, man darf ja bald nicht mehr über das DSF schreiben. Ab 11. April 2010 heißt das DSF nämlich "Sport1". Für die, die es nicht wissen: Das DSF ist ein Fernsehsender, ausgeschrieben heißt er "Deutsches Sportfernsehen".

Er will jetzt nur noch Sport zeigen.

Weil das nicht immer so war, gab es für das DSF auch schon mal auf die Mütze. Viele Menschen sahen im DSF nämlich die "Bild"-Zeitung unter den Fernsehsendern, und das war nur von den Sportteillesern der "Bild" als Kompliment gemeint. Die Sportteilleser der "Bild" liebten am DSF die Fußballspiele, die Fußballsendungen oder den Fußballstammtisch "Doppelpass". Der Rest hasste das DSF. Es gab dort neben Fußball nämlich hauptsächlich Dial-in-Shows und "Sexy Clips" mit viel Brust und wenig Anspruch.

Ja, so war das. Was man dem DSF zugute halten muss, ist, dass es dort auch schon sehr lange Poker zu sehen gibt. Zum Beispiel die Sendung "German Highroller". Seit drei Jahren setzen sich die angeblich besten deutschen Pokerspieler in einem Hotel in Österreich zusammen, und das DSF zeigt das alles ein paar Monate später. Aber weil es das DSF ist, kann man über die "German Highroller" genauso gespalten sein wie über den Sender, der sie ausstrahlt.

Die Liste der Kritikpunkte ist so lang wie leicht zu widerlegen. Es fange, heißt es, schon beim Namen an: Highroller. Eine Mogelpackung! Ein Paradoxon! Geht es nicht beim US-Vorbild "High Stakes Poker" um Hunderttausende und bei der deutschen Runde nur um 10.000 Euro Einsatz? Wo ist die Action? Und überhaupt: Die können doch alle nichts. All das sind Anmerkungen in Foren oder unter den Sendeschnipseln, die bei YouTube veröffentlicht werden.

Objektive Bewertungen sind nicht möglich - wie bei der Nationalmannschaft

Der Vergleich mit dem US-Vorbild ist deshalb unfair, weil er die deutschen Relationen aus den Augen verliert. Für 10.000 Euro muss eine alte Frau hier lange stricken und die Stricksachen dann auch noch verkaufen (und das bei der derzeitigen Binnenkonjunktur!). 10.000 Euro sind fast 30 Hartz-4-Regelsätze (noch). 10.000 Euro sind auch fast ein Ministergehalt, alles andere als anstrengungsloser Wohlstand also.

Mit der Bewertung der Qualität und Sendungsdynamik ist es wohl wie mit den Leistungen der Nationalmannschaft. Objektiv ist nicht. Man kann den Schauspieler Joram Voelklein arrogant nennen oder für sein unerschrockenes Spiel und seine frechen Bemerkungen feiern. Man kann den Kopf schütteln über den Macho-Proll Hermann Pascha ("Geld ist Frauen-Viagra"), aber sich auf die Schenkel klopfen ob seiner Authentizität und seinem Spaß am Poker. Und man kann Simon Münz langweilig nennen - oder außergewöhnlich.

Pokersendung als Spiegelbild der Gesellschaft

Wenn man will, kann man sogar die ganze Sendung langweilig nennen. Oder einen Spiegel der Gesellschaft.

  • Es gibt nur eine Frau in der ganzen Runde. Unterrepräsentiert sind die Damen hier wie auch in den deutschen Führungsetagen. Aber wen hätte man außer Sandra Naujoks auch ernsthaft nehmen sollen? Ein Trauerspiel.
  • Es gibt Leute wie Pascha, der eigentlich Hermann Müller heißt, mit Puffs reich und mit seinen Sprüchen zum Maskottchen der Sendung wurde. Originale wie Pascha, der den Flush "Flash" nennt und 9-3 "eine meiner Lieblingshände", gibt es nicht mehr viele in diesem Land. Und auch nicht an diesem Pokertisch.
  • Es gibt Markus Lehmann, der vielleicht deshalb konsequent als "Unternehmer" bezeichnet wird, weil man unbedingt einen braucht. Dabei ist das schade. Denn Lehmann, früher im schlecht beleumundeten Direktvertrieb aktiv, ist eigentlich einer der erfolgreichsten deutschen Pokerspieler überhaupt.

Wenn "German Highroller" sich nicht so verdammt ernst nehmen würde, wäre es eine tolle Sendung. So ist es keine schlechte, und selten langweilige. Das war in den vergangenen beiden Jahren manchmal anders. Was man wirklich ernsthaft kritisieren kann ist eigentlich nur, dass bei den "German Highrollern" ausgerechnet Markus Golser weit vorn liegt. Golser ist Österreicher.

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