Flush Hour: Wasserwerfer gegen Pokerspieler - DER SPIEGEL
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Flush Hour Wasserwerfer gegen Pokerspieler

Die Pokerkarriere unseres Kolumnisten Lasse König lässt sich traumhaft an. Doch so gut sich der Anfänger an den Tischen schlägt, so schwer tut er sich mit dem Gegner in den eigenen vier Wänden - der Ehefrau. Die hat für Poker nichts übrig, schon gar nicht, wenn es ums Haushaltsgeld geht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich gebe zu: Eigentlich wollte ich auch mal was zur Finanzkrise machen. Die Finanzkrise ist dermaßen populär, dass selbst unsere Putzfrau Sabine über nichts anderes mehr redet. Die Finanzkrise hat die Rolle des Fußballs übernommen, Sabine war bis vor ein paar Monaten eine von Millionen Bundestrainern und hätte Tim Borowski immer spielen lassen. Weil der ja so gut aussieht.

Wasserwerfereinsatz: "Poker, nein danke!"

Wasserwerfereinsatz: "Poker, nein danke!"

Foto: DDP

Jetzt ist sie Wirtschaftsministerin und hat auch schon Pläne, wie die Finanzkrise zu bewältigen sei - die "Reichen müssten viel mehr abgeben". Sie guckt dabei so, als würde sie gern das nächstbeste Millionärskonto persönlich mit dem Wischmob säubern. Ich habe vorsorglich nicht erwähnt, dass ich jetzt pokere.

Frauen scheinen in dieser Krise allgemein sehr emotional zu werden, außer meiner eigenen. Als ich ihr neulich sagte, dass ja jetzt auch wir den Gürtel enger schnallen müssten, hat sie auf meinen Bauch geschaut und gefragt, wie ich das machen will.

Sie ist jetzt schon seit ein paar Wochen immer mal wieder in diesem Galgenhumor-Modus. Schuld sind meine Pokerpläne.

Es fing damit an, dass ich die ersten Andeutungen machte, irgendwann mit Poker Geld verdienen zu wollen.

Ich: Ich habe mich mehr als ein Jahr lang vorbereitet! Was soll denn schiefgehen? Poker ist ein Geschicklichkeitsspiel. Ich bin nicht suchtgefährdet. Und ich werde reich.

Sie: Poker ist ein Glücksspiel. Du hast mal geraucht. Und Poker kostet Geld. Unser Geld!

Und natürlich musste sie mich auch noch an jenen Tag vor 18 Jahren erinnern, an dem ich als naiver 16-Jähriger auf dem Berliner Alexanderplatz 50 Mark an einen Hütchenspieler verlor. Frauen können sehr gemein sein. Leider haben sie oft Recht.

Ich bin seither in einer Rolle, die früher Atomkraftwerke hatten. Meine Frau hält meine Leidenschaft für eine potentielle Gefährdung des Familieneinkommens und mich für eine gigantische Geldverbrennungsanlage. Hätten wir die frühen Achtziger, sie würde mit einem "Poker, nein danke!"-Sticker auf die Straße gehen und gegen mich demonstrieren.

Ich konnte mir ungefähr ausmalen, was wohl passieren würde, wenn ich von meinem ersten Auftritt in einem Casino ohne Geld nach Hause kommen würde. Auf der Fahrt schossen mir Bilder von Wasserwerfern und auf Gleisen angeketteten Menschen ins Gedächtnis.

Zum Glück ging alles gut.

Ich gewann an diesem Abend 167 Euro, und irgendwer schien nicht zu wollen, dass meine Pokerkarriere nach diesem einen Mal beendet sein sollte. Gleich in der ersten Hand im Big Blind mit 8 und 2 traf ich auf dem Flop (8-2-2) ein Full House. Ich gewann mit zwei Damen gegen zwei Asse und mit zwei Assen gegen zwei Damen. Am Ende wurde ich Fünfter - und als ich zurückfuhr, war aus dem Wasserwerfer ein Karnevalswagen geworden. Oben drauf saß meine Frau und winkte. Sie hatte neue Schuhe an.

Aber es ist noch lange nicht ausgestanden. Nächste Woche melde ich mich bei einem Online-Anbieter an, und Poker wird in unsere Wohnung einziehen. Es wird sicher kein Triumphmarsch, aber immerhin steht meine Verteidigungsstrategie schon: 1. Es geht nur um Spielgeld. 2. Poker ist ein Geschicklichkeitsspiel. 3. Ich werde abnehmen, versprochen! 4. Neue Schuhe?

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