Fotostrecke Comeback Kid
Toulouse - Die französische Presse schwärmte schon fast wieder so überschwänglich wie 1997. "Die Rückkehr des Wunderkindes", titelte die "L'Equipe" am Samstag über einem ganzseitigen Bild des Helden, nachdem Jan Ullrich die Konkurrenz, einschließlich Lance Armstrong, beim 47-Kilometer-Zeitfahren "zermalmt" hatte, wie "Le Figaro" eher martialisch registrierte.
Volle Kraft voraus: Jan Ullrich beim ersten Einzelzeitfahren der Tour 2003
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Lunch: Eine Helferin des Bianchi-Teams reicht Jan Ullrich ein Verpflegungspaket
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Klartext aus der Fankurve: "Jan - ohne Dich war die Tour voll Scheiße"
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Überholmanöver: Ullrich lässt beim Zeitfahren den US-Postal-Fahrer Roberto Heras stehen
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Blumige Aussichten: Ob Ullrich Augen für die Schönheit der Landschaft hatte?
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Der siebte Etappensieg seiner Tour-Karriere: Nach dem Zeitfahren präsentierte Ullrich am Freitag strahlend den Siegerpokal
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Konzentration: Wenige Minuten vor dem Start zum Zeitfahren geht Ullrich noch einmal in sich
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Den Sieg im Blick: Ullrich kurz vor dem Start des Einzelzeitfahrens
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Ready, steady, go: 47 hügelige Kilometer galt es beim Zeitfahren zu überwinden
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Kraftmaschine: Höchstleistung bei 38 Grad im Schatten
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Geschafft: Ein Küsschen für die begeisterten Fans
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Plötzlich ist Jan Ullrich aus eigener Kraft nach zwei Knieoperationen, Führerschein-Entzug, Doping-Sperre und 14 Monaten Rennpause wieder ganz groß. Vor genau einem Jahr bei seiner im Fernsehen live übertragenen Drogen-Beichte fühlte er sich ganz klein. Das Wunder von Cap Découverte, wo Ullrich am Freitag den ersten Tagessieg bei der Tour seit fünf Jahren gefeiert hatte, würdigte der viel Gelobte und Umschwärmte im bescheidenen Rahmen in seinem Hotel mit einer kleinen, überschaubaren Feier. Am Abend gab es mit der Mannschaft, die sechs Wochen vor der Tour aus der Konkursmasse des Essener Coast-Mannschaft zusammengestückelt worden war, ein Glas Champagner. Danach ging es um halb zehn ins Bett.
"Jetzt ist alles möglich", hieß es nach dem Zeitfahren aus dem Bianchi-Lager und gemeint war das, was vor Tour-Beginn kaum einer laut zu sagen wagte. Obwohl der vierfache Tour-Sieger Armstrong mit 34 Sekunden Vorsprung in die Pyrenäen ging, ist Ullrich, der den Texaner auch bei den olympischen Spielen in Sydney im Zeitfahren und auf der Straße bezwang, plötzlich Favorit auf den Tour-Triumph. "Jan oder ich können die Tour gewinnen", sagte sein alter Team-Kollege und Freund Alexander Winokurow (Kasachstan), neben Ullrich die derzeit zweite große Tour-Überraschung. Schon in Sydney hatten sie gemeinsam erfolgreich Armstrong bekämpft. Die Allianz in den Pyrenäen ist programmiert.
"Jan ist jetzt meine Nummer eins für den Tour-Sieg. Wenn es bei ihm im Zeitfahren läuft, wird er auch auf jedem anderen Terrain marschieren. Ich glaube nicht an einen möglichen Leistungseinbruch", sagte selbst Ullrichs alter Telekom Teamchef Walter Godefroot, der ihm nach dem Drogen-Geständnis im Herbst 2002 kühl den Rücken kehrte.
Was der vier Tage vor Tour-Beginn zum ersten Mal Vater gewordene Ullrich mit "ich bin reifer geworden" umschreibt, hat viele Facetten. Er hat sein Training umgestellt und sich damit gleichzeitig immer mehr von seinem alten Betreuer und Vertrauten aus DDR-Zeiten, Peter Becker, abgenabelt. Im neuen Bianchi-Team lebt er viel von der Improvisation. Nichts erinnert an den reibungslosen Mechanismus der perfekt funktionierenden Telekom-Mannschaft. Das färbt offensichtlich auf Ullrich ab. Er wirkt lockerer und selbstbewusster denn je, und das hat weniger mit seinem aktuellen Tour-Erfolg zu tun.
Improvisations-Talent der Teamleitung war am Freitag vielleicht auch mit ausschlaggebend für den unerwartet deutlichen Erfolg Ullrichs in seiner Spezialdisziplin. Obwohl er die Hitze im Gegensatz zu Armstrong liebt, wurde für ihn zum Warmfahren auf der Rolle kurzerhand ein klimatisierter Raum angemietet. Ullrich strampelte - ganz passend - zwischen vielen von der Decke hängenden Rädern in einem Fahrrad-Fachgeschäft bei etwa 20 Grad. Draußen war das Thermometer am Startort in Gaillac auf 38 Grad im Schatten geklettert und ließ den "Thron von Armstrong wackeln", wie die "L'Equipe" am Samstag schrieb.