French Open Der erste Tango von Paris
Paris - 27 Jahre nach dem letzten Triumph von Guillermo Vilas 1977 wird der Sieger der French Open wieder aus dem Land der Gauchos kommen.
Allerdings musste Coria lange zittern, ehe er am Freitag zum ersten Mal in seiner Karriere ein Grand-Slam-Finale erreichte. Nach einer engen Partie besiegte der an Nummer drei gesetzte Argentinier im Halbfinale den britischen Rasen-Experten Tim Henman 3:6, 6:4, 6:0, 7:5.
Eineinhalb Sätze lang schien der Serve- und Volley-Spieler aus Oxford, der schon viermal im Halbfinale von Wimbledon stand, auf dem besten Weg zum Sieg und führte schon 6:3, 4:2, ehe Coria doch noch die Wende gelang.
Nach 2:47 Stunden verwandelte der Weltranglisten-Dritte seinen zweiten Matchball zum Sieg. Sichtlich erleichtert streckte der kleine Argentinier, der seit seiner Halbfinal-Niederlage vor einem Jahr in Paris gegen den Holländer Martin Verkerk auf Sand nur eines von 37 Spielen verloren hatte, seine Hände in den grauen Himmel über Paris.
"Ich bin überglücklich, aber noch nicht am Ziel", sagte Coria: "Ein Sieg fehlt mir noch."
Gaston Gaudio tat sich gegen sein Vorbild David Nalbandian deutlich leichter. Nach einer fehlerlosen Vorstellung gewann der ungesetzte Außenseiter gegen den an Nummer acht gesetzten Landsmann mit 6:3, 7:6, 6:0 und zog zum ersten Mal in ein Grand-Slam-Finale ein.
Gaudio ließ seinen Tränen freien Lauf
Nach 2:25 Stunden verwandelte Gaudio vor 16.000 Zuschauern auf dem Court Central seinen zweiten Matchball gegen den Favoriten - und war am Ziel aller Träume. Strahlend vor Glück streckte der Mann mit der weißen Mütze beide Hände in den Himmel, dann setzte er sich auf einen Stuhl, begrub sein Gesicht unter einem Handtuch und ließ den Tränen freien Lauf.
"Es ist unglaublich. Das ist das Turnier meines Lebens, mein größter Sieg", sagte Gaudio nach seinem Meisterstück: "Das ist der Lohn für all die harte Arbeit der letzten Jahre." Schon vorher hatte er sich kleiner gemacht als er ist: "Nalbandian und Coria sind die Genies, ich komme erst weit danach."
Noch nie war der Sandplatz-Spezialist bei einem Grand-Slam-Turnier über die Runde der letzten 16 hinausgekommen. Nun hat er die große Chance, als erster Argentinier seit Guillermo Vilas 1977 die French Open zu gewinnen.
Von Beginn an bestimmte Gaudio auf dem Court Central überraschend das Spiel. Nach einem schnellen Break sicherte er sich den ersten Satz mit 6:3, nur im zweiten Durchgang verlor er kurz seine Ruhe. Doch selbst eine 5:1-Führung konnte Nalbandian nicht nutzen.
Der Wimbledon-Finalist von 2002, der zuvor den Russen Marat Safin und im Viertelfinale den dreimaligen Parissieger Gustavo Kuerten ausgeschaltet hatte, vergab bei 5:4 noch zwei Satzbälle - von da an spielte nur noch Gaudio.
Nach 6:2-Führung im Tiebreak nutzte er den vierten Satzball zum 7:5, der Rest war nur noch Formsache. Im letzten Satz scheuchte Gaudio den resignierenden Nalbandian mit starker Vor- und Rückhand über den Platz - und verhängte mit 6:0 die Höchststrafe.