French Open Ivanovic holt ersten Grand-Slam-Titel
Hamburg - Ivanovic hat ihren Aufstieg zur neuen Nummer eins der Tenniswelt mit dem Gewinn der French Open gekrönt. Die 20-Jährige gewann in Paris durch einen 6:4, 6:3-Erfolg über Safina und war damit in ihrem dritten Grand-Slam-Finale erstmals erfolgreich. Schon nach ihrem Endspieleinzug am Donnerstag war klar, dass Ivanovic ab Montag Maria Scharapowa an der Spitze der Weltrangliste ablösen würde. Sie kassiert ein Preisgeld von einer Million Euro.
Im Anschluss an den Matchball nach 1:38 Stunden schlug Ivanovic die Hände vors Gesicht und ging kurz in die Knie. "Mir fehlen die Worte, meine Gefühle zu beschreiben", sagte sie, "es ist einfach wunderbar."
Anschließend kletterte sie über einen Schiedsrichterstuhl in die Ränge und umarmte herzlich ihren Bruder und die Eltern. "Ich bin froh, dass ich am Ende ruhig geblieben bin", sagte die Siegerin, "das Finale letztes Jahr war eine gute Erfahrung für mich."
Die unterlegene Safina stand in ihrem ersten Endspiel bei einem der vier wichtigsten Turniere. "Ich bin trotz der Niederlage sehr froh über das Turnier", sagte die 22-Jährige, "ich hoffe, ich kann daraus viel für das nächste Jahr lernen. Je t'aime, Paris." Safina, die auf dem Weg ins Endspiel nacheinander Scharapowa und Jelena Dementjewa jeweils nach Abwehr eines Matchballs ausgeschaltet hatte, lag schnell mit 1:4 zurück. Ihre eigentlich präzisen und harten Grundschläge fanden nur selten das Ziel zu direkten Punkten. Ivanovic war immer wieder in der Lage zu kontern und selbst von der Grundlinie zu punkten.
Erst etwa nach 20 Minuten hatte sich Safina freigespielt. Ihre Schläge wurden genauer, die Aufschläge besser. Auf einmal sahen die zuvor eher gelangweilten Zuschauer ein ausgeglichenes Match, in dem Safina mit zwei Breaks zum 4:4 ausgleichen konnte. Als ihr ein vermeidbarer Fehler mit der Rückhand unterlief, schrie sie ihren Frust laut hörbar heraus. Ivanovic breakte erneut und brachte den Satz nach Abwehr von zwei Breakbällen mit dem zweiten Satzball nach Hause.
Den spektakulärsten Ballwechsel konnten die Zuschauer im dritten Spiel des zweiten Satzes bejubeln. Nach zahlreichen Ballwechseln mit mehreren Schmetterschlägen auf beiden Seiten und Abwehraktionen mit Mondbällen spielte Safina schließlich einen Stop, den Ivanovic erlief und mit einem Gegenstopp punktete. Die Szene war typisch für das Match, in dem Ivanovic oft das bessere und glücklichere Ende für sich hatte. Sie breakte in diesem Spiel bereits vorentscheidend zum 2:1 und beendete die Partie schließlich mit ihrem ersten Matchball.
Safina verpasste durch die Niederlage die Chance, ein Stück Tennisgeschichte zu schreiben. Noch nie konnte ein Bruder-Schwester-Paar jeweils einen Grand-Slam-Titel gewinnen. Ihr Bruder Marat Safin war 2000 bei den US Open in New York und 2005 bei den Australian Open in Melbourne erfolgreich. Safina rückt in der neuen Weltrangliste vom 14. auf den neunten Platz vor und kann sich mit einem Preisgeld von 530.000 Euro trösten.
mig/sid