French Open: Kuerten, der Sandkönig von Paris - DER SPIEGEL
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French Open Kuerten, der Sandkönig von Paris

Gustavo Kuerten hat zum zweiten Mal nach 1997 die French Open gewonnen. Der Brasilianer bezwang in Paris Magnus Norman in 3:44 Stunden mit 6:2, 6:3, 2:6, 7:6 (8:6) und übernahm von dem Schweden Platz eins in der Tennis-Weltrangliste.
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Paris - Marathon-Mann Gustavo "Guga" Kuerten hat in Paris alle Skeptiker eines besseren belehrt und zum zweiten Mal nach 1997 die French Open gewonnen. In einem dramatischen, hochklassigen und hart umkämpften Finale besiegte der 24 Jahre alte Brasilianer den Schweden Magnus Norman mit 6:2, 6:3, 2:6, 7:6 (8:6), eroberte den zweiten Grand Slam-Titel seiner Karriere und krönte sich damit zur neuen Nummer eins im neuen Champions Race. Zweimal stand Gustavo Kuerten während der French Open kurz vor dem Aus. Gegen den Russen Jewgeny Kafelnikow im Viertelfinale und Spaniens Jungstar Juan Carlos Ferrero im Halbfinale wandelte er jeweils im vierten Satz bereits am Rande des Abgrunds. Im Endspiel am Sonntag aber war er der bessere Mann, obwohl er am Ende noch gewaltig zittern musste.

Sage und schreibe zehn Matchbälle wehrte Norman im vierten Satz ab. Sieben Stück bis zum 6:6, und noch einmal drei im Tiebreak trotz 3:6-Rückstand. Dann aber flog seine letzte Vorhand ins Aus und Kuerten verwandelte nach 3:44 Stunden den elften Matchball gegen den vermeintlich so kühlen Magnus, der als erster Schwede seit seinem Vorbild Stefan Edberg 1989 das Finale erreicht hatte, und den großen Worten ("ich bin nicht überrascht, im Finale zu stehen, Paris war mein größtes Ziel in diesem Jahr") einen großen Kampf folgen ließ. Mann des Tages aber war Gustavo Kuerten. Erschöpft, aber glückstrahlend reckte der schlaksige deutschstämmige Brasilianer (1,91 m), den zu Hause alle nur Guga nennen, beide Fäuste in den bewölkten Himmel über Paris, ausgelassen tanzten seine Fans unter den 15.400 Zuschauern auf dem Court Central auf den Rängen "Samba do Brasil".

Ausgerechnet aus den Händen von Boris Becker, der in seinem Leben nie ein Sandplatz-Turnier gewonnen hatte, nahm der neue Sandkönig den goldenen Coupes de Mousquetaires entgegen. Becker war zwar als Zeremonienmeister auf dem berühmten Court Central nicht gerade prädestiniert, aber immerhin hatte auch er sich Verdienste um die French Open erworben: Dreimal (1986/89/91) stand er im Halbfinale des größten Sandplatz-Turniers der Welt. Als zusätzlichen Lohn gab es für Kuerten ein Preisgeld von 1,32 Millionen Mark und die Gewissheit, in der neuen Weltrangliste den bis dahin führenden Norman von Platz eins zu verdrängen.

Auch die Unterstützung seiner neuen Freundin Martina Hingis ("wir sind enge Freunde") half dem 23-jährigen Schweden nichts. Bis zum Endspiel hatte er nur im Viertelfinale gegen Feuerkopf Marat Safin einen Satz abgegeben, Kuerten hingegen musste gleich zweimal über fünf Sätze. Im ersten Grand Slam-Finale seiner Karriere aber wirkte Norman am Anfang seltsam blockiert. Schon im ersten Spiel gab er seinen Aufschlag ab, von da an dominierte Kuerten klar das Geschehen. Der kühle Norman ("Ich bin ein Durchschnitts-Junge, der sich den Arsch aufgerissen hat, um so weit zu kommen") versuchte alles und gab nie auf, gewann sogar den dritten Satz und führte im vierten gar mit 4:2, aber es half nichts. Sogar seinen Schläger warf er nach dem ersten Break zum 0:2 im zweiten Satz wütend auf den Boden. Eine ungewöhnliche Aktion für ihn, genauso ungewöhnlich wie sein Spiel.