French Open: Norman erteilt Squillari eine Lehrstunde - DER SPIEGEL
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French Open Norman erteilt Squillari eine Lehrstunde

Das ging wieder mal schnell beim schwedischen Weltranglistenersten Magnus Norman: Nur 117 Minuten benötigte er, um den ungesetzten Argentinier Franco Squillari zu schlagen und ins Endspiel des Grand-Slam-Turniers einzuziehen. Im Finale trifft er auf Gustavo Kürten aus Brasilien.
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Paris - Emotionslos wie einst sein Landsmann Björn Borg verwandelte der 24-jährige Norman am Freitag das Halbfinale gegen Franco Squillari in eine Tennis-Lehrstunde für den chancenlosen Argentinier. In einem neuerlichen Schnellgang von 117 Minuten fertigte er den Linkshänder aus Buenos Aires mit 6:1, 6:4, 6:3 ab und zog ins Endspiel der French Open ein, in dem er auf den 97-er Sieger Gustavo Kuerten aus Brasilien treffen wird, der den Spanier Juan Carlos Ferrero mit 7:5, 4:6, 2:6, 6:4 und 6:3 niederrang. Bei einem Erfolg wäre Norman der erste Schwede seit Mats Wilander, der vor zwölf Jahren in Paris triumphiert hatte.

"Das Finale wäre das größte Abenteuer meines Lebens", sagte Norman. Es wäre sein erster Grand-Slam-Titel. Vergleichsweise langweilig war dagegen die Herausforderung gegen den ein Jahr jüngeren Squillari. Nicht den Hauch einer Chance ließ er dem Argentinier.

In seinem ersten Grand-Slam-Semifinale konnte der zweifache München-Sieger Squillari nicht an seine großartigen Leistungen der vergangenen zwölf Tage anknüpfen. Norman erwies sich allerdings auch als die erwartet unüberwindbare Hürde. So schnell wie kein anderer war er in gerade einmal zehn Stunden und sechs Minuten durch die fünf Spiele in die Vorschlussrunde gestürmt und durfte sich auch hier auf seine unbändige Kraft und Kondition verlassen.

Dabei schien Normans Karriere vor drei Jahren schon vorbei zu sein. Kreideweiß musste er in Wimbledon aufgeben und vom Platz geleitet werden. Der Grund lag zwar auf der Hand, wurde aber erst Tage später zur Gewissheit. Wie seine Mutter litt der Blondschopf an einer Herzkrankheit, die zu schlimmen Rhythmusstörungen führte. Seine Mutter, eine bekannte Schwimmerin, musste deshalb auf Olympia '72 in München verzichten. Ihrem Sohn aber konnte durch eine Operation von einem Herz-Spezialisten geholfen werden. "Ich bin wieder kerngesund", erklärte Norman und verriet sogleich sein Erfolgsrezept: "Es ist meine körperliche Fitness. Dafür habe ich sehr hart gearbeitet."

Dass es nicht nur die ungeheure Fitness ist, die Norman zu einem Weltklasse-Spieler macht, musste Squillari gleich in den ersten Spielen bitter erfahren. Nervös und unsicher startend, geriet er rasch mit 0:3 in Rückstand und brachte fortan so richtig kein Bein mehr an Deck. Auch im zweiten Satz schien der Aufschlagverlust zum 1:2 schon die Vorentscheidung zu sein. Doch der Argentiner kämpfte und holte sich zumindest dieses Break zurück. Dem Druck der Nummer eins aus Schweden konnte er dennoch nicht standhalten.

Wann immer es darauf ankam, war sein Kontrahent ohne mit der Wimper zu zucken der Sieger. Während Norman 17 Breakchancen hatte, waren die des Südamerikaners an einem Finger abzuzählen. Deutlicher kann eine Statistik kaum sein. Auch die Fehlerquote war eindeutig. Squillaris lag doppelt so hoch wie die des Skandinaviers, dem der Sieg so nicht zu nehmen war und der in dieser Form auch im Finale Favorit ist.

Andreas Bellinger