Frischer Fisch Abgesoffen im Forellenpuff
Vergessen Sie, was Ihnen Angler erzählen, wenn Sie mal einen treffen. Vergessen Sie auch, was ich hier manchmal schreibe, um den Texten ein wenig Romantik und Nostalgie einzuhauchen. Angler wollen nicht die Natur genießen, Angler wollen auch nicht alleine am Wasser sitzen. Sie wollen viele und große Fische fangen, und sie lieben es, wenn ein Kollege in Sichtweite sitzt - natürlich nur einer, der weniger fängt als sie.
Das Konkurrenzdenken hat schon so manche Anglerkarriere zerstört. Meine hat es zunächst beflügelt. Die ersten Schritte als Angler machte ich am Rhein. Ich saß damals ständig neben meinem besten Freund und zuppte einen Ukelei nach dem anderen aus dem Hafenbecken. Er holte dann auch schnell seine Angel ein, "gucken, ob die Maden noch dran sind oder schon abgefressen wurden". Natürlich waren sie noch dran und heil, die Fische hatten sich alle auf meine gestürzt. Er hat dann irgendwann seine Angeln in die Ecke gestellt und nie mehr angerührt, ich war bereit für größere Taten und das nächste Duell in der Morgensonne.
Ich hielt mich nach den paar Ukeleien schon für einen ganz Großen der Zunft, schließlich schloss ich nebenbei auch noch ein "Blinker"-Abo ab, was sollte bei dieser theoretischen Unterstützung noch schiefgehen? Eines Tages lockte ein Wettangeln an einem dieser Forellenpuffs. So werden die Teiche genannt, in die vor den Augen der Angler kübelweise Fische gekippt werden, damit auch ja keiner leer ausgeht. Viele Angler rümpfen deshalb die Nase, aber ich war jung, hatte das Startgeld und lechzte nach Ruhm wie "Brigitte"-Leserinnen nach einer Strandfigur.
Es war ganz einfach: Für den Pokal musste ich nur die meisten Fische fangen. Jeder Starter bekam eine Nummer, die er immer dann in die Runde rufen musste, wenn er eine Forelle auf die Schuppen gelegt hatte. Unglücklicherweise verlebte ich persönlich einen sehr ruhigen Vormittag, während um mich herum ein Stimmen-Wirrwarr herrschte wie auf dem Großmarkt. Kurz vor Ende der Veranstaltung bewegte sich mein scheinbar festbetonierter Schwimmer in der Mitte des Teiches doch noch. Eine kleine Forelle erbarmte sich meiner, und ich schrie meine Nummer übers Wasser, als ob ich gerade den Pokal geholt hätte. Wahrscheinlich bin ich Letzter geworden, bei der Siegerehrung war ich schon längst weg. Abgesoffen im Forellenpuff.
Im - nostalgisch verklärten - Rückblick muss ich sagen: Dieser Fisch rettete meine Angler-Karriere. Sonst würde ich jetzt wahrscheinlich Wakeboarder sein - oder Walker. Eine furchtbare Vorstellung. Diese "Sportarten" sollen ja angeblich aus den USA kommen. Kann ich mir gar nicht vorstellen in einem Land, in dem Angler Stars werden können. Und vor allem viel Geld verdienen, wenn sie mehr fangen als andere. Wettangeln - bei uns selbstverständlich verboten - ist dort so verbreitet wie Baseball, aber viel aufregender. Für ein paar Tage versammeln sich die Stars der Szene an einem See, angeln Schwarzbarsche wie wild und wer am Ende die "Trophy" für sich entscheidet, darf dank zahlreicher Sponsoren schon mal 100.000 Dollar kassieren. Zu sehen ist das für die Fans alles live im Fernsehen.
Kein Wunder, dass ich manchmal nachts davon träume, dass ich dort gewinne, den Pokal in der einen, den Scheck in der anderen Hand - und die Groupies mit "Catch me"-T-Shirts kreischen schon am Ufer. Wenn doch dieses Trauma im Forellenpuff nicht gewesen wäre! Ich glaube, vor einem Wettkampf im Barschbordell brauche ich noch ein paar Therapiesitzungen am Wasser. Alleine. Nur um die Natur ein wenig zu genießen.
Leserbriefe
Hallo liebe Angelfreunde,
von Fischen mögt ihr ja Ahnung haben, aber die USA als
Vorreiter im Heavy Metal anzugeben, finde ich leicht unscharf recherchiert. Klar sind Machine Head und Slayer große Namen und "The Blackening" eine ziemliche Hammerscheibe, aber sollten wir doch auch Namen wie Iron Maiden, Motörhead, In Flames und andere nordeuropäische Größen nicht einfach unter den Tisch kehren. Ich würde auch diese Vormachtstellung nicht den Amerikanern zuschreiben.
Schöne Grüße, Hendrik Wolf
Lieber Horst,
beim Heavy Metal sind natürlich inzwischen die Europäer, allen voran die Skandinavier, führend. Die Amis haben nicht mehr allzu viel zu bieten außer ein paar alten Männern, die gelegentlich noch das eine oder andere Best-of-Album unter das Volk bringen, um nach überstandener Entziehungskur ihren Lebensabend gemütlich in Luxusvillen zu genießen. Es sei ihnen gegönnt!
Florian Klemenz