Frischer Fisch: Einmal hinter dem Dicken sitzen - DER SPIEGEL
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Frischer Fisch Einmal hinter dem Dicken sitzen

Gesundheit, Glück und viele Fische: Anglervorsätze sind in jedem Jahr dieselben. Wie wäre es, mal in ein paar andere Sportarten reinzuschnuppern? Es gibt so viele, die zu Unrecht unterschätzt werden. Ein paar heiße Tipps für 2008.
Von Horst Köder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Doppelsitzer-Rodeln
Wird außer bei Olympia sträflich vom Fernsehen missachtet, weil es, nun ja, doch ein wenig seltsam aussieht, wenn zwei erwachsene Kerle dicht aneinander geschmiegt und in Wurstpellen auf einem winzigen Schlitten den Eiskanal runterrauschen. Aber wie es im Sport so ist: Zuerst verziehen alle das Gesicht, und sobald die Deutschen mal wieder gewonnen haben und eine Goldmedaille winkt, brechen alle in Jubel aus. Muss ich deshalb unbedingt mal ausprobieren, um vor allem die Fragen zu klären, die mich schon seit frühester Kindheit beschäftigen: Warum liegt der Dicke immer oben? Hat sicherlich was mit Physik zu tun. Warum sind die Deutschen immer so gut? Und warum gibt es kein Frauen-Doppelsitzer-Rodeln? Das kann ich wahrscheinlich nur herausfinden, wenn ich es selbst mal ausprobiere. Zumal ich schon immer mal hinter dem Dicken sitzen wollte.

Bogenschießen
Wenn es ein Sport in Sachen Entspannung, meditative Eigenschaften und dem schmalen Grat zwischen Erfolg und Misserfolg mit dem Angeln aufnehmen kann, dann das Bogenschießen. Eigentlich sollten Pfeil und Bogen ja nach diesem Robin-Hood-Schnulzenwerk mit Kevin Costner und Titelsong von Bryan Adams in der ewigen Mottenkiste verschwinden, aber ausgerechnet Hollywood hat uns dann eines Besseren belehrt und uns über die wahre Bedeutung dieser Sportart aufgeklärt. So ist Nicolas Cage in "The Weather Man" als Wettervorhersager ein psychisches Wrack: Sein Vater missachtet ihn, seine Frau hat sich von ihm getrennt, ihr neuer Kerl ist ein Schmierlappen allererster Güte, und die Leute bewerfen ihn aus dem fahrenden Auto heraus mit Schokomilchshakes. Erst als seine lustlose Tochter den Bogenschießkurs sausen lässt und er selbst Stunden nimmt, gerät er wieder in die richtige Bahn. Bogenschießen ist nichts anderes als eine Metapher für das Leben, es entspannt, gibt Kraft, übt einen in Geduld, man bekommt die nötige Gelassenheit und Ruhe und kann sich in kritischen Situationen konzentrieren. Wie Angeln halt. Mein Tipp: In zwei Jahren geht kein Mensch mehr zum Yoga, alle wollen sie Angeln und Bogenschießen. Eine herrliche Vorstellung.

Curling
Die nächste Sportart mit hohem Entspannungsfaktor. Stress haben wir im Beruf ja schon genug, da müssen wir uns nicht noch bei den Freizeitaktivitäten abhetzen. Zumal die Ausrüstung schnell beisammen ist: Den Besen zum Schneefegen braucht in Zeiten des Klimawandels eh keiner mehr, und die ersten Steine zum Üben kann man sich schön aus den neuen Alu-Felgen von Nachbars BMW und ein wenig Sand als Füllung zusammenbasteln. Zumal mit Curling auch der Putztrieb der eigenen Frau endlich in vernünftige Bahnen gelenkt werden kann. Die fegt ja sonst immer gerade dann durchs Zimmer, wenn man beim wöchentlichen Sortieren der Angelsachen nicht gestört werden will. Oder Doppelsitzer-Rodeln im Fernsehen schaut. Ein weiterer Vorteil von Curling: Bislang schneiden die Deutschen im internationalen Vergleich eher mäßig ab. Wer ordentlich schrubbt, darf sich also auch in fortgeschrittenem Alter durchaus noch Hoffnungen auf Olympia machen.

Apnoe-Tauchen
Der Traumsport für jeden, der als Kind immer in der Badewanne so lange unter Wasser geblieben ist, bis er rot anlief und der später zu oft "Im Rausch der Tiefe" von Luc Besson gesehen hat. Hat ja auch was, das Freitauchen: Man braucht kaum Ausrüstung, es weht der Hauch von Abenteuer und es macht Eindruck auf Frauen. Vor allem der letzte Punkt ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber dem Angeln. Doch Vorsicht: Wer jetzt denkt, er könne am Karpfenteich mal eben nebenbei für eine Minute den Kopf unter Wasser halten und würde es dann bald mit den Besten der Zunft aufnehmen können, der sei gewarnt: Erstens ist gerade in den Wintermonaten das Wasser arschkalt, und zweitens benötigt man spezielle Atemtechniken, um nicht schon nach wenigen Sekunden wieder japsend emporzuschnellen. Für die Wassertemperaturen empfiehlt sich ein Urlaub auf den Malediven, für die Atemtechniken Bogenschießen. Oder noch besser: Doppelsitzer-Rodeln. Als unterer Mann.

Einen guten Rutsch und viel Glück im neuen Jahr wünscht
Euer Horst Köder