Frischer Fisch: Fangmaschine mit eingebautem Echolot - DER SPIEGEL
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Frischer Fisch Fangmaschine mit eingebautem Echolot

Der Mensch hält sich ja gerne für die Krone der Schöpfung, bei uns Anglern ist das nicht anders. Dumm nur, wenn wir dann erfolglos am Wasser sitzen, und uns dann ein paar Tiere vormachen, wie man einfach Fische fängt - und viele noch dazu.
Von Horst Köder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vorsicht vor Ardea cinarea! Der Kerl hat es einfach drauf. Taucht plötzlich irgendwo am Ufer auf, meist nahe des Schilfs. Lautlos. Elegant. Steht oft regungslos da. Verfällt nie in Hektik. Und stakst dann stolz durch das seichte Wasser. Und schießt plötzlich mit seinem Kopf herab, zack! Wenn er ihn dann wieder hebt, steckt oft ein Fisch in seinem Schnabel. Und wir Angler gucken verdutzt. Vom Graureiher lernen heißt Angeln lernen. Nicht umsonst wird er auch Fischreiher genannt.

Auch wenn er nicht bei jedem Versuch erfolgreich ist, so eine Erfolgsquote hätte jeder Angler gern. Und auch die Eigenschaften wie Eleganz, Ruhe, Stolz. Seien wir doch mal ehrlich: Es gibt kaum etwas Würdeloseres als einen Angler, der gerade bemerkt hat, dass genau einen halben Meter neben seinem Schwimmer ein Fisch kurz aus dem Wasser gesprungen ist. Panik macht sich dann breit, unfassbare Hektik, schnell einkurbeln, Köder kontrollieren, schnell wieder auswerfen, mit dem Ergebnis, dass er wahrscheinlich genau deshalb keinen Fisch mehr an diesem Tag fangen wird. Viele Angler würden ihre Quote erheblich erhöhen, wenn sie denn mal ein Seminar "Gelassenheit in kritischen Situationen" belegten. Am besten bei einem Fischreiher.

Überhaupt kann man bei Mutter Natur nicht oft genug sagen: Schauet und lernet! Gerade bei Vogelarten zeigt sie uns oft, wie einfach man Fische fangen kann. Einfach in aller Ruhe auf den richtigen Moment warten und dann zuschlagen. Der Eisvogel, einer der schönsten Exemplare seiner Klasse, führt uns das immer wieder vor Augen. Er sitzt schön auf einem Ast über dem Wasser und stößt irgendwann senkrecht nach unten. Zu aller Ästhetik, die ihm allein seine türkisblaue Farbe verleiht, gesellt sich der Erfolg. Der größte Unterschied zu uns Anglern: Er sieht selbst dann verdammt gut aus, wenn er keinen Fisch fängt.

So richtig majestätisch wird es dann beim Fischadler, der aus Höhen von bis zu 30 Metern auf seine Beute herabstößt und dabei auch bis zu einem Meter unter Wasser gerät. 30 Meter! Wir Angler sind froh, wenn wir überhaupt dank technischer Hilfsmittel mal einen vagen Blick unter die Spiegelungen der Wasseroberfläche werfen können (bevor wir dann beim Anblick der Fische in Panik ausbrechen), und diesem Gesellen fällt es auch in luftigen Höhen kreisend oder rüttelnd auf, wenn ein Hecht da tief unten allzu sorglos ist. Eine Fangmaschine mit eingebautem Echolot. Kann man Fischadler eigentlich zu eigenen Zwecken abrichten?

Eine der skurrilsten Fischjäger auf Erden ist jedoch die asiatische Fischkatze. Sie kennen das vielleicht von ihren Haustigern: Sobald diese mal Wasser sehen, das nicht zwingend zum Trinken vorgesehen ist, nehmen sie reißaus, bringen dabei vorzugsweise bei der Flucht noch ein paar teure Erbstücke zu Fall und versuchen verzweifelt, irgendwie die Gardinen mit der Goldkante hochzuklettern. Oder den frisch polierten Wohnzimmerschrank zu erklimmen. Mit exzessivem Kralleneinsatz.

Nicht so die Fischkatze. Die wird erst richtig lebendig, wenn sie in die Nähe von Wasser kommt. Sie ist sozusagen die Franzi van Almsick unter den Tieren, mit Fell und ohne den Speck der späten Karriere-Tage. Schwimmen ist ihr eine Freude, denn im Wasser findet sie ihre Nahrung, bevorzugt Fische, die sie mit Schlägen ihrer Pfoten aus dem Wasser befördern will. So ein Tier hätte ich auch gerne an meiner Seite: Wenn's mal nicht läuft, schicke ich einfach meinen kleinen Tiger los und kann daheim immer noch behaupten, ich hätte die Fische gefangen. Leider stehen Fischkatzen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, ein Import aus Asien verbietet sich also.

Obwohl vierbeinige Gesellen auch oft der beste Freund des Anglers sind und auch treue Helferdienste leisten. So habe ich mal eine Geschichte gelesen, dass ein Ire seinem Hund das Apportieren von Fischen beigebracht hat. Wenn ein Hecht dann gebissen hatte, lief der Vierbeiner schon ganz unruhig am Ufer hin und her. Sobald der Fisch nur noch ein paar Meter entfernt war, stürzte sich der Hund ins Wasser, nahm den Fisch waidgerecht ins Maul und legte die Beute seinem Herrchen am Ufer vor.

Das Tolle daran: Der Kerl konnte immer noch behaupten, er habe den Fisch gefangen.