Fuentes-Affäre Radprofi Basso gesteht Doping
Hamburg - Der 29-Jährige gestand, Blutdoping betrieben zu haben. "Basso hat ausführlich seine Verantwortung in Bezug auf die Operation Puerto zugegeben und seine volle Zusammenarbeit zur Klärung seiner Verwicklung in der Affäre garantiert", hieß es in der Presseerklärung nach der Anhörung vor Staatsanwalt Ettore Torri.
Der Sportler hatte Torri, den Chef der Coni-Antidoping- Kommission, heute von sich aus um ein zweites Treffen gebeten. Basso hatte am vergangenen Mittwoch erstmals in Rom aussagen müssen und war dort offenbar mit einer erdrückenden Beweislage konfrontiert worden.
Bassos Anwalt Massimo Martelli gestand eine anfängliche Nervosität seines Klienten ein: "Er hat sich nicht gut gefühlt und war nicht ruhig. Er wollte sein Gewissen erleichtern. Während des Verhörs zitterte er anfangs, aber erlangte dann seine Fassung wieder."
Durch die umfassende Kooperation will der 29-jährige eine Strafminderung erreichen. Ihm droht eine zweijährige Sperre, die jedoch durch die Zusammenarbeit mit der Justiz um ein Jahr reduziert werden könnte. In einer ersten Stellungnahme deutete der Präsident des italienischen Radsportverbandes, Renato Di Rocco, die Bereitschaft dazu an: "Basso hat genau das getan, was alle von Marco Pantani gefordert haben und was er nicht getan hat: Seine Verantwortung zugeben. Jetzt bitte ich im Namen des Radsports: Lassen wir Ivan Basso nicht allein."
Für den Präsidenten des Radsport-Weltverbandes UCI, Pat McQuaid, ist eine solche Regelung allerdings undenkbar. "Zwei Jahre sind zwei Jahre. Das sind die Regeln der Wada für ein Erstvergehen", sagte der Ire zu den Bestimmungen der Welt-Anti-Doping-Agentur, begrüßte aber den Schritt des Italieners: "Auf der einen Seite macht es mich traurig, dass ein talentierter Fahrer wie Basso auf illegale Praktiken zurückgegriffen hat. Andererseits sehe ich seine Aussage in einem positivem Zusammenhang." Basso war schon vor einigen Tagen von den Organisatoren der Tour de France zur unerwünschten Person erklärt worden.
Für T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag sollte das Basso-Geständnis "Schule machen und vielleicht Vorbild für andere Verdächtige sein", sagte der Ex-Profi mit einem Seitenblick auf seinen ehemaligen Mannschafts-Kapitän Ullrich. "Der öffentliche Druck hat sicher auch dazu beigetragen, dass Basso kooperiert", so Aldag weiter. Ullrich droht eine lebenslange Sperre durch den Schweizer Verband auch für etwaige Tätigkeiten als Sportlicher Leiter und zwei Strafgerichts-Prozesse.
Die spanische Polizei hatte im Mai des Vorjahres im Rahmen der "Operación Puerto" Hauptverdächtige verhaftet. Im Zentrum des Dopingrings stand der frühere Kelme- und Once-Teamarzt Fuentes. Bei dem Mediziner hatte die Guardia Civil große Mengen an Dopingmitteln (Epo, Anabolika, Wachstumshormone) sowie 223 eingefrorene Blutkonserven entdeckt, die zum Blutdoping benutzt werden sollten. Bisher wurde lediglich Ullrich als Kunde von Fuentes identifiziert.
Ein DNA-Test der Bonner Staatsanwaltschaft hatte ergeben, dass die bei Fuentes unter dem Codenamen "Jan" gelagerten Blutbeutel von Ullrich stammen. Auf diese Weise war Jan Ullrich als erster aus der Puerto-Zielgruppe überführt worden. Der Toursieger von 1997, der inzwischen seine Karriere beendet hat, streitet aber weiterhin Doping ab.
Rund 50 weitere Radprofis werden verdächtigt, in den Skandal verwickelt zu sein. Basso und Ullrich waren am Tag vor dem Tourstart 2006 von ihren Teams aus dem Aufgebot gestrichen worden. Basso war im letzten Herbst vom Coni aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden und danach vom dänischen Team CSC zu Discovery gewechselt. Am 30. April hatte sich der US-Rennstall nach neuen Anschuldigungen jedoch auch von dem Italiener getrennt.
Basso wurde in Italien als legitimer Nachfolger von Marco Pantani betrachtet. Er war bei der Tour de France 2004 Dritter (hinter Andreas Klöden) und 2005 Zweiter (vor Ullrich) geworden; der Sieger hieß jeweils Lance Armstrong. Nach seinem überlegenen Giro-Triumph 2006 wurde Basso vor Ullrich als Favorit für die Frankreich-Rundfahrt gehandelt.
fpf/sid/dpa