Ganz oder gar nicht: Nackte Haut fürs Trainingslager - DER SPIEGEL
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Ganz oder gar nicht Nackte Haut fürs Trainingslager

Sieben junge Leichtathletinnen aus den Niederlanden präsentieren sich nackt im Internet. Wer die Fotos sehen möchte, muss zahlen. Mit den Erlösen wollen die Sportlerinnen die Kosten für Trainingslager decken.
Von Christina Stefanescu
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Sich auszuziehen, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen und neue Sponsoren anzulocken, ist für Athleten in Randsportarten mittlerweile zu einer Disziplin gereift, auf die viele nur noch mit einem genervten Stöhnen reagieren. So bat die "Süddeutsche Zeitung" Anfang der vergangenen Woche die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen, sich jetzt bitte nicht auch noch hüllenlos zu zeigen.

Gut möglich, dass sich Birgit Prinz und Co. daran halten, immerhin zahlte der DFB ihnen pro Kopf 15.000 Euro Siegprämie. Der Niederländische Leichtathletikverband dagegen hat die Unterstützung seiner Sportler in diesem Jahr gekürzt. "Wir haben weniger Geld vom Ministerium bekommen", verteidigt Patrick Aris, im Verband zuständig für Marketing und Kommunikation, die Maßnahme. Die Kosten für Trainingslager im Ausland und Physiotherapeuten müssen einige Athleten jetzt selber tragen.

Posen auf der Tartanbahn

Die Idee zu den Nacktaufnahmen als Einnahmequelle hatte Coach Joop Tervoort. Einen Kalender mit Fotos junger Leichtathletinnen wollte er herausgeben. Die Bilder der deutschen Kugelstoßerin Astrid Kumbernus, die sich vor drei Jahren für den "Stern" freizügig fotografieren ließ, hatten ihn auf die Idee gebracht.

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Hüllenlose Leichtathleten: Haut zeigen fürs Trainingslager

Foto: Alex Boer

Frenke Bolt, Siebenkämpferin und niederländische Meisterin im Hochsprung, sagte ihm nach längerem Nachdenken zu. "Ich treibe seit 15 Jahren Sport. Mir gefiel die Idee, mich auf der Hochsprungmatte fotografieren zu lassen", so die 23-Jährige, die vom Verband schon vor den Kürzungsmaßnahmen kaum finanzielle Unterstützung erhalten hatte. Vielleicht könne sie so ein bisschen Geld verdienen, um Trainingslager zu finanzieren.

Sechs weitere Tervoort-Schützlinge ließen sich im Sommer in erotischen Posen auf der Tartanbahn fotografieren. Weil aber kein Sponsor für den Druck gefunden wurde, sind die Aufnahmen jetzt im Internet zu sehen. Alle Einnahmen, heißt es auf der Startseite von sportmeiden.nl, gehen direkt an die Mädchen. Die Seite solle ihnen helfen, Geld zu verdienen, um ihre internationale Karriere voran zu treiben. Dass die Leute nun dafür bezahlen, um sie nackt zu sehen, findet Bolt allerdings etwas merkwürdig: "Das war mir vorher gar nicht so bewusst."

Der Traum von Olympia


Geld hat sie bisher zwar noch nicht erhalten, doch Sorgen macht sie sich deshalb keine. Der Betreiber der Seite sitze im Ausland, da müsse man eben etwas Geduld haben. Mehr als eine Million Besucher hatte die Seite bisher, sagt Fotograf Alex Boer. Etwa Zehntausend hätten jeweils die Gebühr von 19,95 Dollar bezahlt, um die Athletinnen nackt zu sehen.

"Das Trainingslager ist auf jeden Fall kein Problem mehr", glaubt Bolt. Vielleicht könne sie sogar noch einen Physiotherapeuten engagieren, sagt sie, und hofft auf eine Leistungssteigerung, die sie bis nach Peking fliegen lässt. "Die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen im kommenden Jahr schaffe ich nicht. Da müsste ich 1,90 Meter überspringen - meine Bestleistung ist 1,78 Meter", erklärt Bolt. "Aber vielleicht kann ich mich für die Spiele 2008 qualifizieren."

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