Gedopter Wallach: Olympia ohne Michaels-Beerbaum - DER SPIEGEL
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Gedopter Wallach Olympia ohne Michaels-Beerbaum

Ein neuer Dopingfall bestürzt den deutschen Reitsport. Nur kurz nach Ablauf der Sperre von Dressurreiterin Ulla Salzgeber gibt es eine positive Doping-Analyse beim Pferd der Springreiterin Michaels-Beerbaum. Der Traum der 34-Jährigen, als erste deutsche Springreiterin bei Olympia dabei zu sein, ist damit geplatzt.
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Aachen - Noch am Freitag war die gebürtige Amerikanerin Meredith Michaels-Beerbaum die strahlende Heldin, die mit ihrem 13-jährigen Wallach Shutterfly der deutschen Mannschaft zum Sieg im Nationenpreis verhalf und der nichts anzumerken war. Lachend hatte sie erklärt: "Es macht mich superglücklich und superstolz, wenn ich die erste Frau im Olympia-Team bin." Zwei Tage später bestätigte das Deutsche Olympia-Komitee für Reiterei (DOKR), dass Michaels-Beerbaums Pferd Shutterfly mit einem Bestandteil des Beruhigungsmittels Acepromazin beim Weltcup-Finale in Mailand erwischt worden war. Das DOKR sah sich darauf zu einer Reaktion gezwungen. "Der Vorstand wird Meredith Michaels-Beerbaum zur Nominierung zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen nicht vorschlagen", hieß es in der Erklärung des DOKR am Sonntag.

"Das ist eine beschissene Situation", stellte Bundestrainer Kurt Gravemeier frustriert fest, wollte sich aber ansonsten ebenso wenig zu dem Fall äußern wie die Betroffene. Denn der nächste langwierige Rechtsstreit in der deutschen Reiterszene droht. Michaels-Beerbaum, die beim Weltcup-Finale in Mailand Zweite geworden war, als Nummer drei im Olympia-Team hinter ihrem Schwager Ludger Beerbaum (Riesenbeck) und Marcus Ehning (Borken). Die mögliche Schwächung der Equipe für die Olympischen Spiele in Athen ist jedoch angesichts der Leistungsstärke der übrigen Kandidaten nur gering.

Fall seit Anfang Juni bekannt

Michaels-Beerbaum war noch am Freitag in der Nationenpreis-Mannschaft in Aachen eingesetzt worden, obwohl der Fall zu diesem Zeitpunkt längst bekannt war. Die erste Mitteilung hatte es sogar schon am 8. Juni gegeben. "In der unsicheren Situation konnten wir Reiterin und Mannschaft nicht benachteiligen", begründete DOKR-Geschäftsführer Reinhard Wendt. Für die Olympischen Spiele wolle man das Risiko der Nominierung nicht eingehen. "Sonst stehen wir am Ende nur mit drei Reitern da."

Michaels-Beerbaum hat nun den Schweizer Rechtsanwalt Ulf Walz eingeschaltet, der zwischenzeitlich auch Salzgeber vertreten hatte und zum neuen Fall in einer Presseerklärung schreibt: "Angeblich soll eine im April bei Shutterfly entnommene Urinprobe Abbaustoffe des Beruhigungsmittels Acepromazin enthalten haben. Dies wird von Meredith Michaels-Beerbaum bestritten, denn ihres Wissens wurden dem Pferd noch nie acepromazinhaltige Medikamente verabreicht." Nach Ansicht von Walz liegt zudem ein Verfahrensfehler vor, da die B-Probe "in krasser Missachtung der Verteidigungsrechte" geöffnet worden sei. Auf Grund des drohenden Verfalls von Fristen war die B-Probe in einem offiziellen Doping-Labor in Hongkong geöffnet und untersucht worden.

Solidarisierung im Reiterlager

Immerhin erhält Michaels-Beerbaum Unterstützung aus dem eigenen Lager. Die Reiter des deutschen Olympiakaders solidarisierten sich mit ihrer Kollegin und teilten in einer eidesstattlichen Erklärung mit, dass sie nicht mit dem DOKR-Vorstandsbeschluss einverstanden sind. "Insbesondere sind wir nicht der Ansicht, dass die anderen Reiter in ihren Nominierungschancen unzulässig benachteiligt sind oder die Konzentration innerhalb der Mannschaft auf den bestmöglichen Erfolg in Athen gefährdet wäre, wenn Meredith Michaels-Beerbaum zur Nominierung vorgeschlagen wird", hieß es in der Erklärung.