Gehen: Der König kommt aus Polen - DER SPIEGEL
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Gehen Der König kommt aus Polen

Mit der Goldmedaille über 50 Kilometer hat sich Robert Korzeniowski als der überragende Athlet in seiner Disziplin erwiesen und nebenbei auch noch ein Stück Olympiageschichte geschrieben.
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Sydney - Bei Robert Korzeniowski ging's, bei den Deutschen lief nichts. Der 32-Jährige schnappte sich eine polnische Fahne und genoss bei seiner Ehrenrunde im Olympiastadion das Bad in der Menge. Der Pole hatte als erster Geher das historische Doppel über 20 und 50 km bei Olympischen Spielen geschafft. "Das ist der größte Tag in meinem Leben. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen", jubelte Korzeniowski. Er wiederholte damit seinen Erfolg von Atlanta über 50 km und schloss mit drei Olympiasiegen zu Sprinterin Irina Szewinska auf.

Profitierte der Geher-König über 20 km noch von der nachträglichen Disqualifikation des bereits als Olympiasieger gefeierten Mexikaners Bernardo Segura, so war er über 50 km in einer Hitzeschlacht bei weit über 30 Grad der Dominator. Korzenowski sorgte mit Tempoeinlagen dafür, dass eine neun Geher starke Spitzengruppe immer mehr auseinander bröckelte. Nachdem er sich ein kilometerlanges Kopf-an- Kopf-Duell mit dem späteren Dritten Joel Sanchez geliefert hatte und der Mexikaner eine Verwarnung erhielt, strebte der clevere Pole nach etwa 42,5 km allein einem sicheren Sieg entgegen.

Beim deutschen Trio ging dagegen nichts. Dennis Trautmann auf Rang 21 konnte sich nur bis zum 15. Kilometer in der Spitzengruppe aufhalten. "Danach wurde das Tempo zu schnell", erzählte der deutsche Meister, der sich nach etwa 30 Km übergeben musste und erstmals das Duell gegen seinen knapp zwei Jahre jüngeren Bruder Mike verlor, der zwei Plätze vor ihm lag. Was die Zeiten anbelangte, verfehlte Denis sein Ziel um etwa zehn Minuten. "Trotzdem bleiben die Trautmänner über die lange Strecke unsere erste Wahl", sagte Bundestrainer Hans- Joachim Pathus. Der WM-Sechste Robert Ihly (Offenburg) gab zum Abschluss seiner Karriere nach 35 km wegen Knieproblemen auf.

Pathus bilanzierte nüchtern, dass es mit dem Olympia-Fünften Andreas Erm aus Berlin nur einen deutschen Weltklasse-Geher gibt. "Er hat die Möglichkeit weit nach vorne zu kommen und wird seinen Weg machen. Ich hatte schon in Sydney eine bessere Platzierung erwartet", meinte Pathus, der zum Jahresende ausscheidet. Die letzte Olympia- Medaille wurde 1992 in Barcelona durch den Dritten Ronald Weigel über 50 km gewonnen. Bei den Frauen, wo Beate Gummelt (Berlin) den 19. Rang belegte, müsse ein "Schlussstrich gezogen werden und ein Neuanfang beginnen", so der Coach.

Insgesamt hat das Gehen in Sydney durch das Disqualifikations- Destaster viel an Kredit verloren und bleibt umstritten. Beide 20- km-Wettbewerbe haben dazu beigetragen. Segura kam als erster ins Ziel und wurde erst danach "abgesetzt", die Australierin Jane Saville zum Entsetzen ihrer Landsleute als Spitzenreiterin 120 Meter vor dem Ziel aus dem Rennen genommen.

Von Peter Juny, dpa