Gewichtheben Doping heißt jetzt Durchfall
Sydney - Den überraschenden Rückzug von Katars Gewichtheber-Favoriten in der 77-Kilogramm-Klasse hat die Teamleitung in Sydney offiziell mit einer Durchfall-Erkrankung begründet. Weltmeister Saelem Nayef Badr und der WM-Fünfte Sulyan Abbas Nader hätten sich die Erkrankung bei einem Essen außerhalb des olympischen Dorfes zugezogen und wären deshalb nicht einsatzfähig gewesen.
Was harmlos, wenngleich unangenehm für die Betroffenen klingt, hat einen vermutlich deutlich ernsteren Hintergrund. Denn der "erkrankte" Badr war 1998 in Lahti unter seinem Gebrutsnamen Petar Tanew noch WM-Zweiter für Bulgarien. Und Nader nahm 1995 als Georgi Iwanow an der Junioren-WM teil. Vor zwei Jahren hatte Katar für angeblich 1,2 Millionen US-Dollar eine komplette bulgarische Gewichtheber-Auswahl "gekauft". Von dieser Transfersumme war die Olympia-Vorbereitung jener bulgarischen Heber-Mannschaft mitfinanziert worden, die nach drei positiven Doping-Fällen von den Spielen in Sydney ausgeschlossen wurde.
Die bulgarisch-stämmigen Katar-Heber hatten sich teilweise auch in ihrer Heimat vorbereitet. In Sydney sollen für Katar noch Said Saif Asad (früher Angel Popow) in der Klasse bis 105 Kilogramm sowie der WM-Zweite und Mitfavorit Saeed Salem Jaber, ehemals als Iani Martschokow dreimal WM-Dritter der Junioren, im Superschwergewicht an die Hantel treten. Man darf gespannt sein, welche Krankheit diese beiden in den nächsten Stunden heimsuchen wird.