Giro d'Italia startet mit dem Favoriten Vincenzo Nibali - DER SPIEGEL
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Fotostrecke: Erst Holland, dann die Dolomiten

Foto: Bryn Lennon/ Getty Images

99. Giro d'Italia Es geht tatsächlich wieder um Sport

Der berühmte Giro d'Italia startet in seine 99. Auflage - und erstmals seit Langem wird über Doping nur wenig gesprochen. Obwohl der große Favorit schon lange mit Gerüchten zu kämpfen hat.
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Nach den schlimmen 20 Jahren des Profiradsports gibt es Anzeichen auf Besserung. Erstmals vor einer großen Rundfahrt spielt das Thema Doping in der Vorschau keine große Rolle. Es gibt keine Garantie, dass dies beim am Freitag beginnenden Giro d'Italia auch so bleibt, aber zumindest im Vorfeld gehörten die Schlagzeilen eher dem deutschen Sprinter-Duell oder der Frage, ob Italiens Radsport-Idol Vincenzo Nibali den zweiten Giro-Erfolg feiern kann.

Nun sind Nibali und Dopinggerüchte keine zwei sich völlig Unbekannten. Der Kapitän des kasachischen Astana-Teams hat alle drei großen Rundfahrten, also den Giro, die Tour de France und die Vuelta in Spanien, gewonnen, und immer wurden er und sein Team von Spekulationen begleitet. Was nur zum Teil am Fahrer selbst, mindestens genauso an seinem umstrittenen Rennstall liegt. Die Erfahrungen mit Astana sind so, dass man zumindest gut beraten ist, immer auf der Hut zu sein. Nachgewiesen wurde Nibali nie etwas, auch das gehört zur Wahrheit dazu.

Seinem Status in der Heimat hat das Geraune ohnehin nie geschadet. Nibali hat den Giro zwei Jahre lang übergangen, um sich auf die Tour zu konzentrieren. Jetzt ist er wieder da, und der 31-Jährige aus Sizilien wird jetzt schon gefeiert wie einst Franceso Moser oder Giuseppe Saronni, die großen italienischen Fahrer aus der Zeit, als über Doping nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde. Also vor Marco Pantani, dem gefallenen Helden.

In den Niederlanden wird gestartet

3500 Kilometer, 21 Etappen bis zum Zielort Turin hat Nibali abzustrampeln, gestartet wird allerdings in dem denkbarsten unitalienischen Ort, in Apeldoorn in den Niederlanden. In dem Radfahrerland bleibt der Tross auch in den ersten drei Tagen der Rundfahrt, erst dann erfolgt der Transport ins Ursprungsland des Giro.

Diese ersten Tage im naturgemäß flachen Holland sind auch gleich die ersten Bewährungsproben für die zwei deutschen Stars im Peloton. Marcel Kittel und Andre Greipel streiten sich um das Etikett des besten Sprinters. Beide haben in ihrer Karriere zahlreiche Etappensiege auf den großen Rundfahrten gesammelt, jetzt stehen sie sich beim Giro erstmals seit Längerem wieder im direkten Duell gegenüber.

Kittel hat eine verkorkste Saison hinter sich: Verletzungen, Krankheiten, Zwist mit dem Rennstall - während Greipel Sieg um Sieg einfuhr, musste Kittel zugucken. Jetzt sind beide in guter Verfassung, ihr Zweikampf dürfte zu den Highlights der Flachetappen gehören.

Viele Top-Stars meiden den Giro

Wenn es in der Schlusswoche in die Berge geht, sind dann die anderen gefragt. Neben Nibali vor allem der Vorjahresdritte Mikel Landa aus Spanien, ehemals Weggefährte Nibalis bei Astana, jetzt Konkurrent im Sky-Team. Diesmal sind auch die zwei Kolumbianer Rigoberto Uran und Esteban Chaves in der Verlosung um die Favoriten. Ihr Landsmann Nairo Quintana, Sieger 2014 und derzeit einer der Dominatoren im Radsport, meidet die Italien-Schleife. Er will die Tour im Juli gewinnen.

Das gilt auch für Christopher Froome, den aktuellen Tour-de-France-Sieger und Giro-Vorjahresgewinner Alberto Contador. Der Giro hat immer schon das Problem gehabt, dass er im Schatten der Tour de France steht. In diesem Jahr, seiner 99. Auflage, mehr denn je. Nibali und die Tifosi wird das nicht stören.

So darf sich denn auch einer Chancen in der Gesamtwertung ausrechnen, der zwar Jahr für Jahr bei einer großen Rundfahrt auf dem Favoritenzettel steht, der den Giro aber bislang tunlichst gemieden hat. Alejandro Valverde ist mittlerweile 36 Jahre alt, er hat zehn Spanien-Rundfahrten und achtmal die Tour de France in den Beinen, aber Italien hat der Spanier regelmäßig umkurvt.

Und das hat eine Geschichte: Als die Tour de France 2008 einen Abstecher nach Italien machte, schlugen die italienischen Dopingermittler zu - ein DNA-Abgleich entlarvte ihn als Kunden des berüchtigten Dopingdoktors Eufemiano Fuentes.

"Was passiert ist, ist passiert", sagt Valverde heute, ein klassischer Satz aus dem Radsport-Repertoire der Vergangenheit. Jetzt ist er im gesegneten Radprofi-Alter zum ersten Mal bei einem Giro am Start - und auch mit ihm schleicht sich das Dopingthema durch die Hintertür dann doch wieder ein.