Godefroot-Interview "Lance war einfach der Stärkste"
Frage:
Herr Godefroot, die Tour ist praktisch entschieden. Wie groß ist die Enttäuschung?
Godefroot: Ich bin nicht enttäuscht. Ich habe in den vergangenen 40 Jahren so viel erlebt. Es gibt Höhen und Tiefen im Sport. Das Team hat alles gegeben, aber es gibt nun einmal einige Fahrer, die besser sind. Damit kann ich leben.
Frage: Was ist für die letzte Tour-Woche noch möglich?
Godefroot: Unser Ziel ist ein Podiumsplatz für Jan und der Gewinn der Mannschaftswertung. Wenn Jan gut drauf ist, kann er im Zeitfahren noch Plätze gutmachen. Die Frage ist nur: Wie stark sind Mickael Rasmussen und Ivan Basso? Von Basso weiß man, dass er sich im Zeitfahren stark verbessert hat. Fraglich ist aber, wie gut seine Form nach den Strapazen ist.
Frage: Wie beurteilen Sie die bisherige Mannschaftsleistung?
Godefroot: Ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft hat sich Mühe gegeben und alles versucht. Die Stimmung im Team ist gut. Wir sind auf Platz eins in der Mannschaftswertung. Das sagt alles. Nur in der Einzelwertung gibt es Bessere.
Frage: Ist Lance Armstrong bei dieser Tour nicht zu schlagen?
Godefroot: Wir haben es zweimal geschafft, Lance zu isolieren. Doch dann hatten wir keine Chance. Lance war einfach der Stärkste.
Frage: Wie sehr haben Ullrich die zwei Stürze beeinflusst?
Godefroot: Das kann ich nicht beurteilen, das weiß nur Jan selbst. Sicherlich gab es aber eine Beeinträchtigung. Wie groß diese war, ist schwer zu sagen.
Frage: Es wird stets behauptet, dass Ullrich mehr Talent als Armstrong hat. Muss diese These inzwischen revidiert werden?
Godefroot: Ich glaube nach wie vor, dass Jan und Lance nicht so weit auseinander liegen. Sie sind die Besten.
Frage: Hat Ullrich in der Vorbereitung Fehler gemacht?
Godefroot: Das glaube ich nicht. Es ist alles planmäßig gelaufen. Nach der Tour de Suisse hatte Jan noch Steigerungsmöglichkeiten. Das war im Vorjahr anders. Er war zum Start in einer guten Form und hatte alles unter Kontrolle.
Aufgezeichnet von Stefan Tabeling, sid