Godefroot-Kritik "Ullrich fehlt der Killerinstinkt"
Besancon - "Ein Champion wie Armstrong lebt für das Radfahren, Jan fährt Rad, um zu leben. Ich bezweifle, dass er von seiner Psyche her überhaupt in der Lage ist, so ein Leben zu führen. Er ist keine Bestie, kein Killer", sagte Godefroot der französischen Sportzeitung "L'Equipe".
Im Gespräch mit der Zeitung "Le Figaro" äußerte sich Goodefroot ähnlich. "Talent allein reicht nicht", sagte der T-Mobile-Manager. Er kritisierte direkt Ullrichs Trainingseinstellung, die in den vergangenen Jahren beim 30-Jährigen im Winter regelmäßig zu Formabbau und Übergewicht geführt hat. "Er braucht offenbar seine Freiheiten im Winter, um mit dem Wettkampf-Stress umzugehen. Das ist sehr schade", sagte Godefroot.
Nur mit der Berufseinstellung eines Erik Zabel, so Godefroot weiter, wäre Ullrich ein echter Siegertyp. "Würde man die Professionalität Erik Zabels und Jan Ullrichs Talent nehmen, ergäbe das einen Eddy Merckx." Zu Ullrichs persönlichem Berater Rudy Pevenage habe er weder "professionell noch persönlich" Vertrauen, gestand Godefroot, der zuvor noch behauptet hatte, mit Pevenage gut zusammenarbeiten zu können. Im T-Mobile-Team sei für Pevenage weiterhin kein Platz: "Mit 61 Jahren mache ich da keine Kompromisse mehr. Die Zusammenarbeit mit ihm bleibt Jans Sache."
Ullrich wieder einmal chancelos gegen Armstrong
Godefroot hatte sich mit seinem früheren Kollegen Pevenage überworfen, als dieser Ullrich im Winter 2002 mitten in der Saisonvorbereitung von Team Telekom erst zu Coast und dann zu Bianchi gefolgt war. Als Ullrich 2003 zum Bonner Rennstall zurückkehrte, ließ er sich in seinem Vertrag die Betreuung durch Pevenage, seinen Bruder Stefan als Mechaniker und eine persönliche Physiotherapeutin festschreiben.
Das Kompetenz-Durcheinander bei T-Mobile wird von vielen Beobachtern als ein Grund des insgesamt schwachen Abschneidens Ullrichs bei der 91. Tour de France angesehen. Vor der morgigen 20. und letzten Etappe liegt Ullrich als Vierter über neun Minuten hinter Armstrong, der seinen sechsten Tour-Sieg so gut wie sicher hat.
Ullrich, der zu Tour-Beginn eine durch Antibiotika behandelte Erkältung überstehen musste, war nach Frankreich gereist, um Armstrong im vierten direkten Duell erstmals zu schlagen. 1997 hatte Ullrich die Frankreich-Rundfahrt gewinnen können, damals war Armstrong jedoch nicht am Start. In den Jahren 2000, 2001 und 2003 war der Deutsche jeweils Zweiter geworden - hinter Armstrong.