Golf Aufstand der jungen Garde
Johannesburg - Adam Scott aus Australien und der Engländer Justin Rose, beide Jahrgang 1980, haben den Routiniers der European Tour gleich beim ersten Turnier des Jahres einen gehörigen Schrecken eingejagt. Bei den Alfred Dunhill Championship im südafrikanischen Johannesburg hat sich Scott mit 198 Schlägen bei Runden von 67, 66 und 65 an die Spitze gesetzt, dicht gefolgt von Justin Rose, der insgesamt 199 Schläge (66, 67, 66) brauchte.
Schlaggleich mit Rose liegt der 30-jährige Schotte Dean Richardson (62, 70, 67), der am ersten Tag mit 62 Schlägen den neuen Platzrekord auf dem Houghton Golf Club aufgestellt hat und an den ersten beiden Tagen die Führung der mit 1,5 Millionen Mark dotierten Veranstaltung innehatte. Auf Platz vier folgt der Altmeister Nick Faldo, der mit 201 Schlägen (68, 65, 68) noch nicht abgeschrieben ist und auf der letzten Runde am Sonntag seine Erfahrung einbringen wird.
Scott hatte einen nahezu fehlerfreien Tag: Kein Bogey, fünf Birdies und ein Eagle am fünften Loch (Par 5). "Normalerweise will ich immer einen Schlag besser sein, als alle meine Konkurrenten, aber wenn ich ehrlich bin, möchte ich morgen nur noch einmal so spielen wie heute", beschrieb Scott, der bei Butch Harmon zusammen mit Tiger Woods trainiert, sein einfaches Erfolgsrezept.
Ähnlich zufrieden gab sich auch Justin Rose im Clubhaus. Der Engländer, der nach seinem hervorragenden Auftritt bei der British Open 1998, wo er als 18-jähriger Amateur die Golfelite aufmischte und von der britischen Presse als die "europäische Antwort auf Tiger Woods" gehandelt wurde, scheint sich allmählich von der Last der Vorschusslorbeeren zu befreien. Sein Einstieg als Profi war alles andere als glücklich - 21 Cuts in Folge verpasst, Abstieg in die Challenge Tour und Nachsitzen in der Qualifying School -, deshalb kann man seinen beherzten Auftritt in Johannesburg durchaus als Überraschung betrachten.
"Ich bin zur Zeit sehr zufrieden mit meinem Spiel", sagte Rose. "Und das entspannt sein spiegelt sich auch in meinen Ergebnissen. Der Druck zu gewinnen ist weitaus angenehmer, als der Druck, den Cut zu schaffen." Vielleicht begründet sich Roses gute Laune auch darauf, dass er die letzten Wochen bei seiner Tante in Johannesburg verbracht hat, die nur einige Strassen entfernt vom Houghton Golf Club wohnt, und er sich gut auf den Par-72-Platz einstellen konnte.
Für die beiden noch im Feld verbliebenen Deutschen verlief der Samstagnachmittag in der südafrikanischen Metropole mit unterschiedlichen Ergebnissen. Während Tourneuling Erol Simsek nach starkem Beginn am Donnerstag, als er mit einer 67er Runde noch vorne mitmischte, kontinuierlich abbaute, scheint Sven Strüver seine Form in kleinen Schritten zu verbessern. Mit insgesamt 210 Schlägen (71, 70, 69) konnte er sich vom 68. Platz immerhin auf den 39. Rang verbessern. Simsek indes rutschte mit 212 Schlägen (67, 71, 74) auf dem 53. Rang ab. Dennoch muss sich der Bad Salzufelner nicht grämen. Im ersten Turnier des Jahres ist ihm ein Preisgeld gewiss, im Gegensatz zu anderen beiden Deutschen, Thomas Gögele und Tobias Dier, die nach verpassten Cut am Freitag enttäuscht und mit leeren Taschen abreisen mussten.
Die European Tour beginnt ihr Jahr mit zwei Turnieren in Südafrika, ehe sie für zwei weitere Turniere nach Australien weiterzeiht. Es folgen vier Wettkämpfe in Malaysia, Singapor, Dubai und Quatar, ehe der Tross Mitte März zum ersten Mal in Europa eintrifft.