Golf Boris Becker trifft Tiger Woods
Alveslohe - Es regnete, und Tiger Woods war genervt. Zehn Minuten wartete er am Mittwoch auf der Anlage Gut Kaden bei Hamburg auf seinen Spielpartner beim Pro-Am-Turnier der mit 5,2 Millionen Mark dotierten Profi-Europameisterschaft. Dann ging der Golfstar aus den USA bei heftigen Regengüssen zunächst in Gesellschaft von Hasso Plattner (Handicap 21), Chef des Software-Unternehmens SAP, und dem Deutsche-Bank-Manager Christian Strenger (2) auf die Runde. "Wo ist denn der Tennisspieler", fragte der mehrmalige Golf-Amateurmeister Strenger zum Fehlen des vierten Team-Mitglieds verblüfft.
Doch nicht einmal Turnierdirektor Harald Hartmann wusste eine Antwort: "Boris wird gerade gesucht." Alle hatten zwar gesehen, dass er anderthalb Stunden vor Spielbeginn auf der Anlage erschienen war, doch von seinem heimlichen Abgang hatte niemand etwas mitbekommen.
Mit halbstündiger Verspätung schließlich tauchte Becker urplötzlich dann am zweiten Abschlag auf - und versenkte seinen Ball gleich zweimal im Teich. Über seine kleine Eskapade wurde eifrig spekuliert. Becker blieb eine Entschuldigung zunächst schuldig. Am Ende klärte er auf: Ihm sei gesagt worden, der Start sei um 30 Minuten verschoben worden.
Mit der offiziellen Turniermütze auf dem Haupt riskierte der Tennisstar dann den Gang zur Driving-Range und wusste die wartenden Reporter und Fotografen durch gefühlvolle Schläge zu beeindrucken. Allerdings wird Tiger Woods ein leichter Draw (Linkskurve) bei den längeren Schlägen nicht verborgen geblieben sein.
Beim Einspielen auf dem Putting-Green bekam Becker wertvolle Hinweise und einen aufmunternden Klaps auf die Schulter vom Golf-Wunderknaben Sergio Garcia (Spanien), der bei dem am Donnerstag beginnenden Turnier als größter Konkurrent von Woods gehandelt wird. Auch Jewgenij Kafelnikow, am Vortag am Hamburger Rothenbaum ausgeschieden, und Jesper Parnevik, Schwedens Golf-As, wechselten ein paar Worte mit dem Tennis-Baron. Der "Tiger" hingegen schlenderte an Boris vorbei und würdigte ihn keines Blickes. Dafür hatten die beiden Superstars des Sports zuvor bei einem lockeren Mittagessen erste Kontakte knüpfen können. Worüber sie sich anschließend auf der Runde unterhalten haben, wird wohl auch ihr Geheimnis bleiben.