Golf Cejka haarscharf am Triumph vorbei
Castle Rock - Nachdem er den letzten Putt versenkt hatte, wusste Alex Cejka zunächst nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Mit 29 Punkten hatte der 33-Jährige beim nach modifiziertem Stableford-System gewerteten "International" in Castle Rock mit Platz zwei hinter Sieger Rod Pampling (31/Australien) sein bestes Saisonergebnis erreicht. Doch im Nachhinein ärgerte sich der gebürtige Tscheche über die verpasste Gelegenheit, seinen ersten Triumph auf der US-Tour klarzumachen.
"Es sind schon verrückte Dinge passiert, mit denen keiner rechnen konnte", stellte Cejka nach dem dramatischen Finale auf dem in 1900 Meter Höhe gelegenen Par-72-Kurs am Fuße der Rocky Mountains fest. Mit sechs Birdies hatte er sich auf der dritten Runde am Samstag in Position gebracht und lag am Finaltag zwischenzeitlich sogar in Führung, weil fast alle Spieler mit den wirbelnden Winden in der dünnen Höhenluft zu kämpfen hatten. Das selten gespielte Stableford-Format, das nicht nach Zahlspiel, sondern nach Plus- und Minuspunkten ausgetragen wird, sorgte für zusätzliche Dramatik: Dabei ist ein Birdie (eins unter Par) zwei Punkte wert, ein Eagle (zwei unter Par) fünf Punkte. Ein Bogey (ein Schlag über Par) bringt einen Punkt Abzug, ein Doppelbogey und/oder mehr Schläge drei Strafpunkte. Mit diesem Format soll die Angriffslust der Golfprofis gestärkt werden.
Selbstvertrauen für das letzte Major
So ergab sich in der Schlussrunde eine wilde Achterbahnfahrt auf dem Leaderboard, bei der Cejka lange die besten Karten zu haben schien. Doch am 16. Loch, einem Par-3, zeigte der inzwischen in Florida lebende Golfprofi mit einem Mal Nerven, als er nach drei Putts mit einem Doppelbogey vom Grün ging. Zwar konterte Cejka unmittelbar danach mit einem Birdie am 17. Loch, doch der hinter ihm spielende Pampling zog nach einem Eagle am selben Loch an Cejka vorbei. "Man musste irgendwie versuchen dranzubleiben", beschrieb der Australier seinen ersten Karrieresieg auf der US-Tour. Pampling und Cejka werden nun mit zusätzlichem Selbstvertrauen zu den PGA-Championships reisen. Das letzte Major-Turnier der Saison beginnt am Donnerstag auf dem neu gebauten Whistling-Straits-Kurs am Lake Michigan.
"Normalerweise schießt zumindest ein Spieler im Finale eine Superrunde, aber das ist nicht mal geschehen", ärgerte sich Cejka, der für seinen zweiten Rang immerhin noch ein Preisgeld von 540.000 Dollar einstrich und sich gleichzeitig in der Weltrangliste von Platz 72 auf 48 verbesserte. Auf der US-PGA-Tour hat Cejka in dieser Saison bereits 1.120.218 Dollar eingespielt und sich vom 83 auf den 46 Platz verbessert. Um seine Spielberechtigung für die kommende Saison braucht er sich keinerlei Sorgen mehr zu machen.
Auch Langer stark
In der Sonderwertung für das europäische Ryder-Cup-Team, das aus zehn direkt qualifizierten Spielern plus zwei Wild-Card-Plätzen vom europäischen Kapitän Bernhard Langer zusammensetzt wird, liegt Cejka allerdings nur auf Platz 19 und damit so gut wie außer Reichweite für die direkte Qualifikation. "Wenn ich mich bei der PGA Championship oben hineinspielen kann, sehe ich noch eine kleine Chance", hofft Cejka. Im Hinterkopf hat er noch eine der beiden Wild Cards. Allerdings hatte Langer schon erklärt, ohne Rücksicht auf die Nationalität die beiden freien Plätze zu vergeben: "Nur die Besten sollen spielen. Alex muss schon sehr, sehr gut sein, wenn er das noch schaffen will." Nach der BMW-Open in München (26.-29. August) wird Langer sein Ryder-Cup-Aufgebot bekannt geben.
Langer konnte sich beim "International" ebenso in den Vordergrund spielen. Nach seiner auskurierten Handgelenksverletzung verbuchte der 46-Jährige mit dem neunten Platz (23 Punkte) sein zweitbestes Saisonergebnis und verbesserte sich in der Geldrangliste mit 857.000 eingespielten Dollar auf den 62. Platz. Somit dürfte der zweimalige Masters-Champion auch keinerlei Probleme haben, die Spielberechtigung für die kommende Saison auf der US-PGA-Tour zu erhalten.