Golf: Der Tiger gegen den Rest der Welt - DER SPIEGEL
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Golf Der Tiger gegen den Rest der Welt

Ab Donnerstag findet mit den British Open das dritte der vier Major-Turniere der Golfprofis im ehrwürdigen St. Andrews statt. In den schottischen Dünen will Tiger Woods einen weiteren historischen Meilenstein legen.
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St. Andrews - Auf dem Weg zur sportlichen Unsterblichkeit ist Tiger Woods zum mythischen "Old Course" im schottischen St. Andrews gepilgert. Der Superstar will bei den 129. Open Championships  nach dem "Grand Slam" des Golfsports greifen. Im häufig übergroßen Schatten des Weltranglistenersten greifen ab Donnerstag auch die deutschen Profis Bernhard Langer und Alexander Cejka im "Golfmekka" zu den Schlägern, alles andere als Statistenrollen bei den "Millenniums Open" wäre jedoch eine Sensation. "Je schlechter das Wetter am Wochenende ist, desto größer sind meine Chancen", gibt sich der 42 Jahre alte Langer vor seiner 22. Open-Teilnahme dennoch optimistisch.

"Es wird die Hölle, wenn es weht. Wir nehmen den Platz auseinander, wenn die Stille zwischen den Dünen einkehrt", prophezeit der Engländer Nick Faldo, der schon dreimal die British Open gewinnen konnte, der Konkurrenz von 156 Teilnehmern. Ob sich der wechselhafte Sommer an der schottischen Ostküste kurzfristig von seiner besten Seite zeigen sollte oder ob der gefürchtete Wind vom Firth of Forth über das Dünengelände am Rande der altehrwürdigen Universitätsstadt fegt, sollte auf den Ausgang des mit umgerechnet 8,5 Millionen Mark dotierten Turniers keinen Einfluss haben. "Den Grand Slam an dem Ort vollenden zu können, an dem Golf seinen Anfang nahm, ist eine tolle Ausgangsposition", gibt Topfavorit Woods als Parole aus. Die Leichtigkeit, mit der der 24-Jährige aus Kalifornien seine Konkurrenz zuletzt bei den US Open um 15 Schläge distanzierte, hat die Wettquoten der englischen Buchmacher auf unattraktive 13 zu 8 angehoben.

Nach Erfolgen in den anderen drei Major-Turnieren (US Masters, US-Open und US-PGA-Championship) wäre der "Tiger" mit einem Sieg auf dem 7115 Yards langen Par-72-Platz der jüngste Gewinner eines "career grand slam" und würde sich in eine illustre Ehrenliste einreihen. Bisher gelang dies nur seinen Landsleuten Gene Sarazen, Ben Hogan, Jack Nicklaus und dem Südafrikaner Gary Player. "Es wird für uns alle sehr schwer", mutmaßt Langer, der sein Lieblingsturnier 1981 und 1984 jeweils als Zweiter beendete.

"Ich würde sogar beide Masterssiege gegen einen bei der Open eintauschen." Fast verzweifelt klingt es aus dem Mund des besten deutschen Profis, der seit 1985 vom ersten auf den 68. Platz der Weltrangliste abgerutscht ist und im Vorjahr 18. wurde. Nach fast drei Jahren ohne Sieg hat sich der Schwabe, neben Alexander Cejka (München) am Donnerstag einziger Deutscher am Abschlag, als Minimalziel gesetzt: "Ich hoffe, dass ich wenigstens den Cut schaffe." In der Qualifikation für die letzten 44 Plätze, die am Sonntag und Montag in einem 36-Loch-Turnier vergeben wurden, scheiterten alle deutschen Golfprofis (Sven Strüver, Thomas Gögele, Erol Simsek und Heinz-Peter Thül).

Es gehört schon ein außerordentliches Talent dazu, diese "brütende Matrone" zu zähmen, wie Nicklaus den 1552 erstmals erwähnten "Links Course" (Dünenplatz) als Sieger von 1966, 1970 und 1978 beschrieb. Dennoch wurde der Platz nochmals zusätzlich erschwert: Um den bis zu 300 Meter weiten Abschlägen von Woods wenigstens etwas entgegen setzen zu können, wurde der Platz durch den Bau neuer Abschläge um insgesamt rund 150 Meter verlängert. Als einzige ernsthafte Konkurrenten von Woods werden der Südafrikaner Ernie Els, der Schwede Jesper Parnevik und der Engländer Lee Westwood gehandelt. Mit dem Selbstbewusstsein seines ersten Turniergewinns am letzten Wochenende am Loch Lomond nach 17 Monaten ohne Sieg, verstieg sich der auf Grund seines entspannten Schwungs "Big Easy" genannte Els trotz der Überlegenheit von Woods zu einer kühnen These: "Wir spielen erst einmal vier Runden Golf und am Donnerstag starten alle bei null Schlägen."

Bevor jedoch am Donnerstag um 7.00 Uhr früh das ernsthafte Turnier startet, betreten am Vortag 22 ehemalige Champions den ersten Abschlag. Neben dem 88 Jahre alten Doyen Sam Snead, der 1946 in St. Andrews die erste Open Championship nach dem 2. Weltkrieg gewann, sind unter anderen Jack Nicklaus, Peter Thomson, Lee Trevino, Tom Watson und Severiano Ballesteros dabei. Über vier Löcher wird Geld für wohltätige Zwecke eingespielt. Für Nicklaus, der seit zwei Jahren mit einer künstlichen Hüfte spielt, ist es übrigens der letzte Auftritt bei den "Open".