Golf Der Tiger lässt das Mausen nicht
St. Leon-Rot - Zum Finale herrschte Ryder-Cup-Atmosphäre in St. Leon-Rot. In einer dramatischen Finalrunde bei den Deutsche Bank/SAP Open, in der sich Tiger Woods (USA) in einem Stechen gegen Colin Montgomerie (Schottland) durchsetzen konnte, bekamen die 20.000 Zuschauer, die an einem sommerlichen Pfingstmontag erschienen waren, schon das geboten, was sich die Golffreunde für den September beim brisanten Kontinentalvergleich zwischen den besten Golfern Europas und der USA erhoffen: Nervenkitzel gepaart mit großen sportlichen Leistungen.
Insgesamt dreimal mussten die beiden Kontrahenten in der Verlängerung die 18. Bahn - ein 405 Meter langes Par ´vier - spielen, ehe eine Entscheidung gefallen war. Während Woods mit seinem Abschlag stets sicher mit dem Eisen auf die Spielbahn landete und von dort aus jeweils ein Par spielte, verzog Montgomerie beim letzten Anlauf seinen Drive in den Bunker, was schon so etwas wie eine Vorentscheidung war.
"The end is nigh, the end is nigh", signalisierte der BBC-Radioreporter in das Londoner Funkhaus, denn er wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Montgomeries Ball lag schlecht im Sandhindernis, und nachdem Woods seinen zweiten Schlag auf das hintere Vorgrün legte, musste der Schotte alles riskieren. Mit unschönem Ergebnis: Sein Ball landete im Wasser. Strafschlag, Annäherung und zwei Putts folgten und ergaben insgesamt sechs Schläge, dem ein Par vier von Woods gegenüberstand.
Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen
Sowohl Woods als auch Montgomerie waren nach vier gespielten Runden mit 20 Schlägen unter Par gleichauf gelegen und hatten sich zuvor ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Mit einem wahren Feuerwerk
hatte "Monty", beeinträchtigt von starken Rückenschmerzen, seine Abschlussrunde begonnen. Drei Birdies auf den ersten drei Löchern, solange wirkten offensichtlich die Schmerztabletten, sollten Woods einschüchtern. Der Stargast aus Florida zeigte sich auch zunächst beeindruckt, doch am dritten Loch konterte er mit einem Eagle. Von da an führte mal Montgomerie, mal Woods, ehe sie ab dem 15. Loch, als dem Schotten ein Birdie gelang, gleichauf lagen.
"Es war ein sehr anstrengender Tag", musste Woods anschließend zugeben. "Monty hat sich reingehängt, trotz der Schmerzen. Er war sehr tapfer, und wir haben uns bis zum Schluss einen großen Kampf geliefert." Besondere Nervenstärke bewies die Nummer eins der Weltrangliste auf dem 72. Loch, als er einen Vier-Meter-Putt einlochen musste, um das Playoff zu erzwingen. "Ich habe mir gesagt: Du hast den ganzen Tag gute Putts gemacht, stell' dich hin und trau dich wie immer. Egal ob er vorbei geht oder nicht, sei nicht ängstlich", gewährte Woods sogar anschließend ein seltenen Einblick in sein Gefühlsleben.
Lohnender Ausflug der Woods-Entourage
Bei seinem insgesamt vierten Auftritt in Deutschland, jeweils zu diesem Turnier, hat er nun bereits zum dritten Mal den Siegerscheck einstreichen dürfen. Nur vor zwei Jahren, als das Turnier in Gut Kaden bei Hamburg ausgetragen wurde, wurde er vom Engländer Lee Westwood bezwungen. In St. Leon-Rot wurde Woods' sportliche Leistung mit 450.000 Euro belohnt. Zusammen mit den geschätzten zwei Millionen Dollar
Antrittsgeld, dem gestellten Maserati, dem Wiedersehen mit seiner schwedischen Freundin, die von einem Griechenland-Urlaub nach Heidelberg gekommen war, darf von einem erfolgreichen Ausflug der Tiger-Woods-Entourage gesprochen werden.
Doch auch die ansteigende Form in Anbetracht der in drei Wochen stattfindenden US Open stellte den Champion zufrieden. "Ich habe auf 72 Löcher nur fünfmal das Grün verfehlt, was beweist, dass ich den Ball
derzeit gut treffe." Auf den letzten 52 Löchern, die er spielte, unterlief Woods nicht ein einziges Bogey. "Golf ist ein Spiel von Fehlern; wer am wenigsten macht, gewinnt am Ende das Turnier", hatte Woods am Vortag noch gesagt. Sein bereits 43. Turniersieg als Profigolfer in seiner noch jungen Karriere - seit 1996 spielt Woods
hauptberuflich - bestätigt dies. Wer auf Aussetzer des Weltranglistenersten wartet, hofft vergeblich.
Montys Start war in Gefahr
Montgomerie, der auch in St. Leon-Rot seine Statistik in Stechen nicht verbessern konnte (acht Niederlagen in acht Versuchen), war trotz der Niederlage einigermaßen gefasst. "Trotz meiner Rückenprobleme war das
eine gute Vorstellung", sagte Montgomerie, der sich mit seinem beherzten Auftritt inzwischen auch in Deutschland einige Freunde gemacht haben dürfte. Dabei war zunächst nicht sicher, ob der 38-Jährige überhaupt zur vierten Runde antreten würde.
"Am Morgen noch, auf der Driving Range, dachte ich, es geht nicht", sagte Montgomerie, "deshalb bin ich unter
diesen Voraussetzungen auch sehr stolz auf meine Leistung. Am Ende im Stechen machte der Rücken einfach nicht mehr mit, deshalb habe ich meinen Abschlag nach links verzogen. Tiger war der Bessere, deshalb hat
er verdient gewonnen."
"Ich möchte gerne wiederkommen"
Ob Tiger Woods auch im nächsten Jahr den Ausflug nach Deutschland machen wird, um seinen Titel zu verteidigen, ist noch unklar. Dann soll das Turnier wieder in Gut Kaden stattfinden, wo die Deutsche Bank einen Golfplatz unterhält. Da sich bisher die Termine der traditionsreichen Byron Nelson Classics in Texas und die Veranstaltung in Deutschland überschneiden, dürfte es nicht einfach werden, den Superstar aus den USA zu einem weiteren Start bei der DB/SAP Open zu überreden.
"Ich möchte gerne wiederkommen", sagte Woods zwar höflich bei der abschließenden Pressekonferenz, doch die Chancen auf ein Wiedersehen stehen nicht allzu gut. Möglicherweise wird der bisher angesetzte Termin verlegt, um es Tiger Woods recht zu machen. Zu wünschen wäre es, denn mit offiziell 78.000 Zuschauern an vier Tagen ist in St. Leon-Rot ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt worden.
Gemischte Gefühle bei den deutschen Teilnehmern
Aus deutscher Sicht verlief die Veranstaltung in der Nähe des Firmensitzes des Software-Riesen SAP ein wenig enttäuschend. Zwar überzeugte Alexander Cejka mit einem Gesamtergebnis von zehn Schlägen unter Par und dem Rang 16, doch vor allem der 60. Platz (Even Par nach vier Runden) von Bernhard Langer muss als Enttäuschung verbucht werden.
"Die ganze Woche war mein Putter kalt, und es waren bei meinen Runden auch einige schlechte Schläge dabei", klagte Deutschlands inzwischen 44-jähriger Vorzeigegolfer nach seinem ersten Auftritt in der Heimat in diesem Jahr. "Wenn man so spielt wie ich diese Woche, kommen schnell 12 bis 15 Schläge zusammen, die ich mir hätte sparen können."
Sven Strüver, dritter von insgesamt elf deutschen Startern, die den Cut nach zwei Runden schafften, blieb mit seinem 42. Rang (vier Schläge unter Par) im Rahmen seiner derzeitigen Möglichkeiten. Da blickt man voller Neid auf das Ergebnis der dänischen Golfer, die mit sechs Mann in St. Leon-Rot antraten, allesamt den Cut schaffen und mit Thomas Björn (minus 13) und Anders Hansen (minus 12) sogar zwei Vertreter in den Top Ten platzieren konnten.