Golf: Die USA triumphieren im Ryder Cup - DER SPIEGEL
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Golf Die USA triumphieren im Ryder Cup

Neun Jahre Warten haben ein Ende: Das US-Team hat sich im Prestige-Duell gegen Europas Topgolfer durchgesetzt. Nach drei europäischen Erfolgen sorgten frenetische Zuschauer, leidenschaftlich aufspielende Lokalmatadoren und ein Shooting-Star für den Sieg der USA.
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Vielleicht kann diesem 21. September 2008 ja nicht nur eine Sichtweise abgewonnen werden. In erster Linie ist dieser erste Triumph der USA nach acht langen Jahren, in denen der jahrzehntelange Außenseiter vom alten Kontinent den großen Favoriten dreimal düpieren konnte, ein großer Tag für die USA. Das 16,5:11,5 gegen ein europäisches Team, das besonders in der Spitze deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb, spricht eine deutliche Sprache. Doch auch für den Prestige-Wettbewerb ist dieses Ergebnis erfreulich.

Die Dominanz der Europäer hatte in den USA zuletzt für besorgniserregende Tendenzen gesorgt. Die erfolgsverwöhnten US-Sportfans sind lange Durststrecken nicht gewöhnt. Der Wettbewerb verlor in den USA an Strahlkraft. Mit dem Sieg kehrt der Ryder Cup wieder in den Fokus der US-Sportöffentlichkeit zurück. Der 38. Auflage 2010 in Wales kann das nur gut tun.

Vielleicht wirkten die europäischen Spieler auch deshalb weit weniger enttäuscht, als die US-Konkurrenz in den Jahren zuvor. Kurz nach Beendigung des finalen Einzels war man sogar fast geneigt, den eigenen Augen nicht zu trauen. Als sich die Spieler bei einer Gruppe irischer Fans für die Unterstützung bedanken wollten, wurde aus der gutgemeinten Geste ein überraschender Jubeltanz. Es war der leidenschaftlichste Auftritt des europäischen Teams. Leider kam er etwas zu spät.

Zuvor war es ein ständiges Hoffen gewesen. Eine Warten auf den entscheidenden "Swing", den Lee Westwood schon am ersten Tag so sehnsüchtig herbeizureden versuchte. Ein Piekser, der die Leidenschaft in den müde wirkenden Körpern wecken sollte. Doch vergeblich, sie kam nicht, die Wende. Sie kämpften, die Europäer, sie versuchten, sich gegenseitig auf ein höheres Level zu schreien. Ohne Erfolg. Das US-Team hingegen hatte die Zuschauermassen und damit die Leidenschaft auf seiner Seite. Ein europäischer Jubel wirkte wie ein Mückensummen gegen das donnernde Gebrüll des Gastgebers und seiner 40.000 Fans auf dem Valhalla Golfplatz von Louisville, Kentucky.

In dieser Atmosphäre ist es schwer, das grandiose Golf zu spielen, das es erfordert, um im Ryder Cup bestehen zu können. Besonders, da sich der erste Tag aus europäischer Sicht zu einem kleinen Debakel entwickelte. Drei Punkte lagen sie am Freitagabend zurück. Ein Fehlstart, der im Gegenzug dem US-Team den nötigen Anschub gab. Dort fanden riskante Schläge ihr Ziel, dort fielen die unfassbaren Putts.

Und auf den Grüns entschied sich diese 37. Ausgabe des Prestige-Duells. Die Amerikaner verpassten dem Kurs in Valhalla breite Fairways, wie geschaffen für die kräftigen Longhitter um Lokalmatador J.B.Holmes und Publikumsliebling Boo Weekley, die sich keine Sorge um die Richtung ihrer fulminant langen Schläge machen mussten. So kam jeder relativ mühelos aufs Grün. Dort sorgten dann - neben den sensationell konstanten Putts von Jim Furyk und dem erst 23-jährigen Anthony Kim - die Anfeuerungen für den nötigen Vorteil. Besonders Weekley, Holmes und der ebenfalls aus Kentucky stammende Kenny Perry versetzte der Jubel in eine Stimmung, in der sie unschlagbar schienen.

Diese Stimmung stellte sich im europäischen Team nie ein. Auch, weil die Mannschaft von Kapitän Nick Faldo der Konkurrenz nach dem Fehlstart nicht mehr wirklich nahe kam. Zwei Punkte fehlten nach dem Samstagvormittag, genauso wie am Abend. Mit diesem Rückstand in die abschließenden Einzel am Sonntag zu gehen - gegen die seit Jahren dominierenden Einzelspieler aus den USA nahezu aussichtslos.

Die Hoffnung nahm das Team dennoch mit in den Sonntag. Die Zuversicht, und dies verdeutlichte die lethargische Aura, die das europäische Wochenende prägte, war jedoch bereits am Freitag verloren gegangen.

Dieses kleine Bisschen fehlte, neben der erwarteten Leistung der Führungsspieler Sergio Garcia und Padraig Harrington, am Ende. Denn so früh und unspektakulär der entscheidende verfehlte Putt des Spaniers Miguel Angel Jimenez um kurz nach 17 Uhr Ortszeit am Sonntag den lange ersehnten Ryder-Cup-Triumph auch sicherstellte, so deutlich das Ergebnis scheint: Ein Gleichstand oder ein knapper Rückstand der Europäer hätte dem Verlauf der zwölf Einzel einen anderen Schwung geben können. Vielleicht sogar den erhofften "Swing". Wildcard-Starter Ian Poulter (England), der immerhin vier Punkte für die Europäer sammeln konnte, sowie die konstanten Graeme McDowell (Nordirland) und Robert Karlsson (Schweden) reichten dafür jedoch nicht aus.

Die US-Golfer spielten mit dem Vorsprung im Rücken inspirierter und zwingender. Teilweise schienen sie sogar vom eigenen Spiel berauscht in einem Tunnel zu verschwinden. Als der auch am Sonntag grandios aufspielende Debütant Kim sein Match gegen den fünf Jahre älteren Garcia, der Europa zuletzt dreimal zum Triumph geführt hatte, bereits am 14. Loch gewonnen hatte, winkte er kurz ins Publikum und verschwand in Richtung Abschlag Nummer 15. Dass er dort gar nicht mehr erwartet wurde, darauf musste er erst hingewiesen werden. So sehr war der Shooting Star des US-Teams in sein beeindruckendes Spiel versunken. "Ich wollte den Fans das geben was sie wollten. Ich hatte eine Gänsehaut", sagte Kim.

Genau diese Einstellung könnte US-Kapitän Paul Azinger gemeint haben, als er unmittelbar nach dem Sieg seinem Team ein Lob aussprach: "Meine Spieler haben ihr Herz und ihre Seele in diese Woche gesteckt." Auch der Engländer Faldo bediente sich dieser Worte, als er über seine Mannschaft sprach. Doch wie über den gesamten Ryder Cup hinweg, so wirkte auch im Fazit der Amerikaner lebendiger - und glaubwürdiger.