Golf Dier behauptet seine Spitzenposition
Hilversum - Tobias Dier, 25, hat mit einer 67er-Runde am Samstag seine Führung bei der "TNT Dutch Open" verteidigt. Auf dem "Hilversumsche Golfclub" (Par 70) liegt der Nürnberger nach Runden von 60, 67, und 67 Schlägen drei Schläge vor dem Iren Padraig Harrington (66+67+64) und dem Engländer Mark Roe (67+64+64). Einen Schlag dahinter rangieren der Schwede Pierre Fulke (68+65+65) und der Australier Peter Lonard (67+63+68) gemeinsam an vierter Stelle. Mit dem vorläufigen Ergebnis von 16 Schlägen unter Par liegt Dier damit auf Rekordkurs für das beste Ergebnis, das in diesem Jahr auf einem Turnier der European Tour gespielt wurde.
Nervenstärke auf dem 18. Grün
Dier verzeichnete am Samstag drei Bogeys, vier Birdies und ein Eagle auf seiner Scorekarte. Besonders mit seinem Eagle auf der 18. Spielbahn zeigte der Franke Nervenstärke, als er vor gefüllten Tribünen einen Putt aus sieben Metern eiskalt verwandelte. "Ich glaube, ich habe den einen oder anderen Schlag da draußen liegen lassen, aber insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Spiel", lautete Diers Fazit.
Vorjahressieger Bernhard Langer ist dagegen weiter von seiner Bestform entfernt und liegt nach einer 69er-Runde auf dem geteilten 62. Platz. Besser präsentierte sich der Kölner Jungprofi Marcel Siem, der am dritten Tag 66 Schläge benötigte und auf den geteilten 19. Platz vorrückte. Sven Strüver hatte am Freitag nach Runden von 70 und 72 Schlägen den Cut um zwei Schläge verpasst.
Dier winkt am Sonntag der zweite Sieg auf der European Tour, nachdem er im vergangenen August die North West Ireland Open gewonnen hatte. Doch bis dahin wird es noch ein hartes Stück Arbeit, denn am Samstag, dem berüchtigten "Moving Day", bei dem die größten Verschiebungen auf dem Leaderboard stattfinden, setzten vor allem die europäischen Ryder-Cup-Spieler Harrington und Fulke die Ausrufezeichen. Harrington ist seit drei Jahren der beständigste Spieler der European Tour, und man darf gespannt sein, wenn der alte Hase mit dem jungen Fuchs am Sonntag zusammen in einem Flight spielen. Dier liegt an 459. Stelle der aktuellen Weltrangliste der Profigolfer, Harrington ist Achter.
"Zum Schluss wurde es eng, aber mit dem Eagle am 18. Loch habe ich mir wieder etwas Luft verschafft", gab Dier anschließend einen Einblick in die Taktik für den Schlusstag. "Ich werde heute Abend nicht allzu viel über die letzten Runde nachdenken, denn meine Strategie steht bereits fest: Genauso spielen wie an den ersten drei Tagen."
Weniger ist mehr
Dier unerwarteter Formansteig mag er vielleicht seinem Kollegen Sven Strüver verdankt haben. Der hatte ihn kürzlich dazu angehalten, etwas weniger zu trainieren und sich etwas mehr zu entspannen. Nach 12 verpassten Cuts in seinen letzten 15 Starts lagen die Nerven im Lager von Tobias Dier blank. Zurückgefallen auf den 182. Rang der europäischen Geldrangliste war sogar die Tourkarte für die kommende Saison für den Jungprofi in Gefahr.
"Normalerweise trainiere ich sechs bis acht Stunden am Tag auf dem Platz und gehe anschließend noch Gewichte stemmen", so Dier. "Aber Sven hat zu mir gesagt, ich sollte das Programm ein bisschen zurückschrauben. Das habe ich dann gemacht und nur mit meinem Trainer nur etwas an meiner Haltung gearbeitet. Ich habe sogar auf die erste Übungsrunde in Hilversum verzichtet, weil ich erst am Montag mit dem Auto nach Holland gefahren bin. Es war ein ziemlich komisches Gefühl, so wenig für ein Turnier getan zu haben, aber so wie es bisher gelaufen ist, kann ich mich beschweren. Vielleicht werde ich das zukünftig öfter machen."
Sollte Dier am Sonntag siegen, würde er den bislang höchsten Scheck (300.000 Euro) seiner Karriere einstreichen und die Spielberechtigung für die kommenden zwei Jahre auf der European Tour erhalten. Ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt.