Golf Ein Maserati für den Tiger
Alveslohe - Ab Dienstag ist es mit der behäbigen Ruhe im idyllischen Holsteiner Dörfchen Alveslohe vorbei. Ein Preisgeld von knapp 5,3 Millionen Mark, das höchste auf dem europäischen Festland, lockt sogar Golf-Megastar Tiger Woods aus den USA nach Norddeutschland. Der Weltranglisten-Erste will bei seinem zweiten Deutschland-Auftritt den im Vorjahr in St. Leon-Rot bei Heidelberg gewonnenen Titel verteidigen und wertet die offene Europameisterschaft vor den Toren Hamburgs erneut deutlich auf.
"Tigers Auftritt ist natürlich der Höhepunkt der achtjährigen Geschichte unseres Turniers. Realistisch betrachtet, wird er aber eine Ausnahme bleiben, denn jeder Veranstalter reißt sich um ihn und bietet unglaubliche Summen", sagt Turnierdirektor Harald Hartmann.
Leicht gemacht wird der Sieg dem 24 Jahre alten US-Amerikaner nicht. Neun der 20 weltbesten Golfprofis haben für das Turnier gemeldet, darunter der Weltranglisten-Dritte Colin Montgomerie aus Schottland, sein Landsmann Paul Lawrie, im vergangenen Jahr Gewinner der British Open, und das erst 20 Jahre alte Supertalent Sergio Garcia aus Spanien.
Doch selbst diese Topathleten sind nur Staffage, wenn der dunkelhäutige Kalifornier die Szene betritt. Jede Minute des "Tigers" ist verplant, sobald er am Dienstag um 09.30 Uhr auf dem Hamburger Flughafen gelandet ist. Pressekonferenz, Shoot-Out, Pro-Am, dazwischen ein kurzes Training - bis zum eigentlichen Turnierbeginn am Donnerstag kommt Woods kaum zum Durchatmen.
Bei Laune gehalten wird der millionenschwere Crack mit einem Maserati, den die Veranstalter rund um die Uhr für eine Spritztour bereithalten, sowie einem spektakulären Hole-in-One-Wettbewerb am Ende des ersten Turniertages. Mitten in der Hamburger City gilt es, den Golfball über 125 Meter vom Dach eines Kaufhauses zu einem anderen Dach zu schlagen - quer über die bekannte Mönckebergstraße, die eigens von der Polizei aus Sicherheitsgründen abgeriegelt wird. Woods: "Bei sowas habe ich noch nie mitgemacht, ich bin sehr gespannt."
Ein solches Ballyhoo hat Deutschlands Vorzeigegolfer Bernhard Langer selbst zu seinen erfolgreichsten Zeiten nie erlebt. Der Alveslohe-Sieger von 1992 und 1995 gehört schon seit längerem nicht mehr zu den Topfavoriten auf der PGA-Tour, führt aber nach wie vor die kleine Armada von elf deutschen Spielern auf Gut Kaden an.
Den Glauben daran, immer noch gut genug für einen Turniersieg zu sein, hat der Anhausener noch längst nicht verloren: "Ich muss dann allerdings mein Leistungspotenzial voll ausschöpfen. Tiger Woods beispielsweise kann sich hier und da einen Fehler erlauben und trotzdem gewinnen, weil er einfach mehr Länge in seinen Schlägen hat."