Golf: "Es war ein geiles Gefühl" - DER SPIEGEL
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Golf "Es war ein geiles Gefühl"

Während Alexander Cejka durch seinen sensationellen Auftritt bei den British Open neues Selbstvertrauen gefunden hat, schlägt auch Bernhard Langer in Sachen Ryder Cup forsche Töne an.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

St. Annes - Als am Finaltag der 130. British Open die Sonne über der Dünenlandschaft von Royal Lytham and St. Annes im Meer verschwand, blickte Bernhard Langer voller Zuversicht nach vorne. Mit seinem dritten Rang hat der Hall-of-Famer in dieser Saison zum wiederholten Male bewiesen, dass auf ihn Verlass ist, wenn es darauf ankommt. "Ich hoffe, das war die richtige Nachricht für Kapitän Sam Torrance und den Ryder Cup. Die Ergebnisse zeigen, dass ich in das Team gehören könnte", erklärte Langer nach seinem beeindruckenden Auftritt beim dritten Major-Turnier des Jahres.

"Genügend Gründe geliefert"


Vorsichtig, aber bestimmt formulierte der neunmalige Veteran des sagenumwobenen Kontinentalvergleichs zwischen den jeweils besten zwölf Golfern aus den USA und Europa seinen Anspruch auf die Teilnahme beim diesjährigen Ryder Cup im englischen "The Belfry" (28. bis 30. September) nahe Birminghams. "Ich war bester Europäer beim US Masters, zweitbester hier bei den Open, und beim Players Championship ebenfalls bester aus Europa. Ich glaube, ich habe genügend Gründe geliefert, mich mitzunehmen", fasste Langer die Argumente für eine Wildcard-Nomierung zusammen. Allerdings, wenn Langer am Sonntag gegen Duval im Ryder Cup gespielt hätte, hätte er 4 auf 3 verloren. Natürlich sollte man die British Open und den Ryder Cup nicht miteinander vergleichen.

Langers forsche Töne erleichtern die Aufgabe für Torrance in den nächsten vier Wochen bis zur Nominierung des Ryder-Cup-Teams am Schlusstag der BMW-Open in München-Eichenried (30.8. bis 2.9.) nicht gerade. Mit Jesper Parnevik (Schweden), Sergio Garcia (Spanien), Bernhard Langer und Ian Woosnam (Wales) kämpfen bereits seit einigen Wochen vier Spieler um die zwei besagten Wildcards. Mit dem Spanier Miguel Angel Jimenez, der bei der British Open ebenso wie Langer und Woosnam Dritter wurde, ist nun sogar ein Fünfter hinzugekommen. Glaubt man den Worten von Torrance ist eine der beiden begehrten Plätze bereits an Garcia ("Sergio ist auf jeden Fall dabei") vergeben.

Langers und Parneviks Problem ist, dass sie in dieser Saison bevorzugt auf der amerikanischen PGA-Tour ihre Turniere spielen und dort keine Punkte für die europäische Ryder-Cup-Wertung sammeln können. Langers Turnierplan sieht bis auf das Turnier in München-Eichenried keine weiteren Auftritte auf der European Tour vor. Eventuell spielt er in dieser Woche noch die Dutch Open in Noordwijk - einem ähnlichen Linkskurs wie in Royal Lytham - mit. Aber ob diese zwei Veranstaltungen reichen, um in der Ryder-Cup-Wertung unter die Top Ten zu kommen, die eine automatische Qualifikation mit sich bringen, bleibt abzuwarten. Langer liegt derzeit an 14. Stelle in der Ryder-Cup-Wertung.

Triumphmarsch auf dem 18. Fairway


Dennoch, seinen guten Auftritt bei der British Open, wollte sich Langer durch die immer wieder aufkeimende Wildcard-Diskussion nicht verderben lassen. Seite an Seite mit der späteren Sieger David Duval genoss der 43-Jährige am Sonntag den Triumphmarsch über das 18. Fairway in Royal Lytham. Vor 50.000 Zuschauern und einem Millionenpublikum am Fernsehen hatte Langer zum wiederholten Male beweisen können, dass er auch nach 25 Jahren in der Golf-Weltspitze noch lange nicht müde ist. "Dieses wundervolle Gefühl kann man einfach nicht beschreiben, bei diesen Majors vorne mit dabei zu sein", schwärmte Langer, "vor allem, wenn man im letzten Flight auf dem letzten Fairway vor diesem Publikum den Dank un die Anerkennung für die harte Arbeit einer so langen Zeit genießen kann." Rund 455.000 Mark hat Langer für den dritten Platz verdient, noch mehr wird ihn freuen, dass er am Montag in der Weltranglisten von Rang 34 auf 29 vorgerückt ist.

Cejkas Überraschungs-Coup


Ähnlich zufrieden dürfte auch der zweite Deutsche im Spielerfeld, Alexander Cejka, gewesen sein. Der gebürtige Tscheche war zweifellos eine der großen Überraschungen dieser traditionsreichen Veranstaltung. Mit dem 13. Rang in Royal Lytham erreichte Cejka sein bestes Saisonergebnis und konnte vor allem beweisen, dass er das Golfspielen noch nicht verlernt hat. Ein Gedanke, den man besonders nach zehn verpassten Cuts in der laufenden Saison hegen musste. Obwohl er als Spitzenreiter in die letzte Schlussrunde gegangen war und schließlich bis auf Rang 13 abrutschte, wollte Cejka anschließend auch keine Enttäuschung über seine Schlussergebnis aufkommen lassen. "Es war ein geiles Gefühl, ganz vorne auf dem Leaderboard zu stehen. Immerhin bin ich jetzt für das nächste Jahr automatisch qualifiziert", freute sich der 30-Jährige über seinen Coup, den er sich erst über die Qualifikation über 36 Löcher Anfang letzter Woche sichern konnte.