Golf Geballte Fäuste am letzten Grün
Melbourne - Im Feld der letzten acht Spieler, die noch bei der WGC-Matchplay-WM in Melbourne dabei sind, kämpft mit dem Südafrikaner Ernie Els nur noch ein Top-Ten-Gesetzter um die Lochwettspiel-Krone. Es hätte nicht viel gefehlt und auch "The Big Easy" hätte vorzeitig seine Koffer packen müssen. In der Partie gegen den Franzosen Jean Van de Velde benötigte er an Loch 17 und 18 jeweils ein Birdie, um wenigstens ein Play-off zu erreichen, aus dem er am ersten Extraloch letztlich glücklich als Sieger hervorging.
Bei erneut glühenden Temperaturen entwickelte sich zwischen Els und Van de Velde ein äußerst spannendes Duell, in dem kein Spieler den anderen dominieren konnte. Deshalb knisterte die Luft förmlich, als die beiden gleichauf die letzte Spielbahn entlang spielten. Als der Franzose einen Putt aus sieben Metern zum Birdie einlochte und der großgewachsene Südafrikaner noch einen schwierigen zweieinhalb Meter Putt vor sich hatte, schien sich das Blatt zu Gunsten des Mannes zu wenden, der seit seinem unfassbaren Einbruch bei der British Open 1999 in Carnoustie mit dem zweifelhaften Ruf leben muss, den größten Vorsprung der Major-Geschichte an einem letzten Loch verspielt zu haben. Doch obwohl zuvor die Fäuste geballt wurden, Emotionen hochkochten und strenge Blicke unter den beiden Spielern am 18. Grün ausgetauscht wurden, ließ sich Els nicht aus der Ruhe bringen und lochte seinen Putt sicher ein.
"Jungs, ihr werdet nichts aus mir herauskitzeln können"
In der Verlängerung hatte Turnierfavorit Els das Glück des Tüchtigen, als er sein Par dank eines guten Bunkerschlags retten konnte, während Van de Velde das Grün mit dem zweiten Schlag überflog und sich mit einem Bogey zufrieden geben musste. Sieg am ersten Extraloch für die aktuelle Nummer zwei der Weltrangliste.
Doch wer von den Augenzeugen geglaubt hätte, dass das spannende Schlussduell zwischen Els und Van de Velde möglicherweise den Rahmen der Golfetikette gesprengt hätte, wurde noch auf der Pressekonferenz eines Besseren belehrt. Els: "Wir haben uns sicherlich im Wettkampf nichts geschenkt. Aber ich kenne Jean schon viel zu lange, um die Situation eskalieren zu lassen. Wir wollten heute beide gewinnen. Wir haben alles gegeben und uns anschließend die Hand gegeben. Ich denke, so sollte es auch sein." Als die Reporter weiter nachbohrten, wurde sie von "The Big Easy" in die Schranken gewiesen. "Jungs, ihr werdet nichts aus mir herauskitzeln können. Jean hat einen wunderbaren Putt gemacht und anschließend seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Ich war aber noch nicht bereit, da schon aufzugeben und ihm zu gratulieren. Er hat mich angeschaut, ich habe zurückgestarrt, dann habe ich meinen Putt gelocht und noch einmal rübergeschaut. Das war alles."
Bier in der Hand und dumme Sprüche
Els trifft nun im Viertelfinale auf den Amerikaner Craig Stadler, 47, der derzeit, obwohl er nur als Ersatzmann zum Turnier eingeladen wurde, mit beeindruckenden Schlägen an die Form anknüpft, die ihn 1982 zum Masters-Champion machte. Das "Walross", wie Stadler von seinen Freunden genannt wird, besiegte in einer ebenfalls spannenden Partie den Schotten Andrew Coltart am ersten Extraloch. Der 110-Kilo-Mann scheint derzeit mit sich und der Welt im Reinen zu sein, nachdem er sich entschlossen hat, nicht mehr krampfhaft auf sein Gewicht zu achten. Stadler: "Früher habe ich mich beim Gewichtestemmen im Physio-Wagen abgequält. Heute gehe ich zwar auch noch hin, aber ich habe ein Bier in der Hand, schaue meinen Kumpels beim Schwitzen zu und ärgere sie mit dummen Sprüchen."
In den übrigen Partien bestätigte der Amerikaner Steve Stricker (6-auf-5-Sieger über Justin Leonard) ebenfalls seine derzeit gute Verfassung.
Achtelfinale:
Ernie Els (Südafrika/Nr. 1) - Jean van de Velde (Frankreich) am ersten Extra-Loch des Stechens
Pierre Fulke (Schweden) - Michael Campbell (Neuseeland/Nr. 5) 1 auf
Toru Taniguchi (Japan) - Stuart Appleby (Australien) 2 und 1
Shigeki Maruyama (Japan) - Mark McNulty (Simbabwe) 4 und 3
Brad Faxon (USA) - Tom Lehman (USA/Nr. 4) 1 auf
Nick O'Hern (Australien) - Dudley Hart (USA) 5 und 4
Steve Stricker (USA) - Justin Leonard (USA/Nr. 7) 6 und 5
Craig Stadler (USA) - Andrew Coltart (Schottland) am ersten Extra-Loch des Stechens
Damit im Viertelfinale: Els - Stadler, O'Hern - Stricker,
Fulke - Faxon, Taniguchi - Maruyama