Golf Langer muss noch zulegen
Augusta - "Ich war heute im wahrsten Sinne des Wortes schwach auf der Brust", erklärte Deutschlands bester Golfer, der auf dem Par-72-Kurs 73 Schläge benötigte und nach der ersten Runde gemeinsam mit zwölf anderen Spielern auf Platz 43 liegt.
Der zweimalige Masters-Sieger (1985 und 1993) quälte sich bei der 65. Auflage des ersten Majors des Jahres von Loch zu Loch und war nach seiner fünfstündigen Runde sichtlich frustriert: "Eigentlich habe ich gar nicht so schlecht gespielt, doch manchmal spiegelt das Ergebnis halt nicht das wider, was man auf dem Platz leistet."
"Ich hatte nur vier schlechte Schläge"
Mehrmals hatte der 43-Jährige ("Ich hatte nur vier schlechte Schläge, das liegt im normalen Bereich") Pech beim Putten, als die weiße Kugel auf den berüchtigten, aber vom Regen der letzten Tage noch aufgeweichten Grüns des "Augusta National Golf Club" nur um Millimeter am Loch vorbeirollte.
So war es kein Wunder, dass dem gerade in die Hall of Fame aufgenommenen Golfprofi bei seiner 19. Masters-Teilnahme nur zwei Birdies glückten - am so genannten "Amen Corner" (12. und 13. Loch). Demgegenüber standen jedoch drei Bogeys (7., 10. und 18. Loch)
"Ich weiß, wo ich auf diesem Platz angreifen kann"
Als frühes Ende seines Traums vom dritten Masters-Erfolg wollte der Anhausener den misslungenen Auftakt - nur 1996 und 1999 war er als 57. und 65. noch schlechter ins Turnier gestartet - allerdings nicht bewerten: "Ich weiß, wo ich auf diesem Platz angreifen kann. Am Freitag werde ich aggressiv zu Werke gehen."
Vor allem aber wolle er seine Grippe, die ihn seit vier Tagen quält, in den Griff bekommen, schließlich "leide die Konzentration darunter". Langers Programm: "Antibiotika, Physiotherapie und dann auf die Driving Range zum Üben."
Chris DiMarco führt das 92-Spieler-Feld an
Gänzlich fit war hingegen Chris DiMarco. Der US-Amerikaner übernahm mit 65 Schlägen die Führung des 92 Profis umfassenden Feldes. "Ich bin nicht als Tourist hier. Keiner traut mir den Sieg zu, ich schon", prahlte der Masters-Debütant, der mit einem Schlag vor seinem Landsmann Steve Stricker und dem Argentinier Angel Cabrera liegt.
Der 32-Jährige war bislang vor allem durch seinen so genannten "Psycho-Griff" beim Putten aufgefallen. Während seine linke Hand ganz normal den Schläger umfasst, greift er mit der Rechten den Schaft so, als würde er mit einem Besen kehren wollen. "Daduch kann ich den Ball sanfter spielen, besser streicheln, einfach flüssiger bewegen."
Seit fünf Jahren praktiziert der New Yorker diese Griffvariante, nachdem er zuvor wegen seiner katastrophalen Putts derart verzweifelt war, dass er sich schon als Profi von der PGA-Tour verabschieden wollte. "Er ist seitdem ein extrem guter Putter", lobt Langer seinen Konkurrenten, der im Vorjahr seinen bislang einzigen PGA-Tour-Sieg gefeiert hatte.
DiMarcos Siegchancen sind jedoch nicht allzu hoch. Seit 1984 hat der Führende des ersten Tages nicht mehr gewonnen. "Es gibt 500 DiMarcos, die am ersten Tag sieben unter Par spielen. Man kennt den Druck dieses Platzes beim ersten Mal noch nicht", warnte der frühere Weltranglistenerste Greg Norman aus Australien, der mit 71 Schlägen an 21. Stelle liegt.
Tiger Woods liegt in Lauerstellung
Trotz seines verhaltenen Starts mit 70 Schlägen und Rang 15 ist Tiger Woods weiterhin der Topfavorit. "Mein Ziel war es mindestens unter Par zu bleiben. Deshalb bin ich auch zufrieden mit dem Anfang", sagte der US-Star, der noch hinter dem elftplatzierten Titelverteidiger Vijay Singh, der 69 Schläge benötigte, liegt.
Vor vier Jahren hatte Woods ebenfalls mit 70 Schlägen begonnen und triumphierte schließlich mit der noch heute gültigen Rekord-Schlagzahl von 270.