Golf Langers begründete Hoffnungen
Atlanta - Das vierte Major des Jahres ist gewöhnlich das Turnier, auf das Bernhard Langer am ehesten verzichten könnte. Wie ein Zentnersack lastet ein Fluch der Erfolglosigkeit über den Auftritten des 43-Jährige bei den "PGA Meisterschaften", wie das vierte und letzte Major im Jahr genannt wird. Vierzehn Mal ist Langer im Laufe seiner Karriere bei diesem Turnier angetreten, nie schaffte er einen Platz unter den ersten 20. Auch dieses Jahr gilt Langer nicht gerade als Favorit, obwohl ihn einige Insider durchaus zu den Herausforderern von Tiger Woods zählen.
"Ich traue mir etwas zu"
"Ich möchte meine gute Form der letzten Wochen bestätigen. Wenn mir das gelingt, traue ich mir durchaus etwas zu", schätzt Deutschland Ausnahmegolfer die Lage vor der Veranstaltung auf dem Atlanta Athletic Club (Par 70) im US-Bundesstaat Georgia ein. Der Optimismus kommt nicht von ungefähr, denn Langer spielt dieses Jahr eine ausgezeichnete Saison. Ein Sieg letzten Monat im holländischen Noordwijk beendete eine fast vier Jahre währende Zeit ohne Turniererfolg. Dazu fünf Top-Sechs-Platzierungen seit März, wovon der dritte Platz bei den British Open herausragt. Allein auf der amerikanischen PGA-Tour hat Langer in diesem Jahr 1,54 Millionen Dollar verdient, in Europa beträgt sein Preisgeldanteil knapp 900.000 Euro.
Die Entscheidung, in diesem Jahr bevorzugt in den USA zu spielen, wo auch seine Familie lebt, hat sich für Langer auf jeden Fall bezahlt gemacht. Besonders sein Selbstvertrauen, das auf Grund der Durststrecke in der Siegerkategorie in den letzten Jahren zu leiden hatte und von vielen genutzt wurden, den gewissenhaften Schwaben vorzeitig abzuschreiben, erlebt eine ungeahnte Blüte. "Die Plätze und vor allem die Grüns in den USA liegen mir. Ich war stets ein Spieler der auf den schnellen, treuen Grüns bestens zurecht kommt", nennt der derzeit 26. der Weltrangliste einen möglichen Grund für seine momentan tolle Form.
Der beste seiner Generation
Lob bekommt Langer nicht nur von seinen Mitspielern, auch die internationale Presse verbeugt sich vor der Leistung des zweimaligen Masters-Siegers. "Kein Spieler seiner Generation, zu der auch Größen wie Nick Faldo und Severiano Ballesteros gehören, kann derzeit Bernhard Langer das Wasser reichen", schrieb neulich der "Daily Telegraph".
Nach dem Sieg in den Niederlanden hat ihm der europäische Ryder-Cup-Kapitän Sam Torrance die Teilnahme am Prestigeduell der besten zwölf Europäer gegen das beste Dutzend US-Golfer im englischen The Belfry versprochen. Für Langer, den Senior der Mannschaft, wäre dies bereits die zehnte Teilnahme seit 1981. Die besten Zehn der Ryder-Cup-Rangliste qualifizieren sich automatisch, zwei wild cards hat Torrance zusätzlich. Langer liegt derzeit auf Rang neun der Qualifikations-Wertung mit weiten Vorsprung vor Platz elf. Offiziell wird das europäische Team Anfang September nach den BMW Open in München nominiert.
Ob Langer allerdings in Atlanta ebenso auftrumpfen kann wie zuletzt bei den British Open, darf nicht so ohne weiteres erwartet werden. Denn traditionell sind PGA Championships kein gutes Pflaster für die europäischen Spitzengolfer. Noch nie hat jemand vom alten Kontinent das Turnier für sich entscheiden können. 23 Spieler aus Europa gehören dieses Jahr zum 150-köpfigen Spielerfeld. Zudem wurde der 6564 Meter lange Platz, der eigentlich ein Par-72-Kurs ist, auf Par 70 heruntergestuft, was zweifellos Spielern mit langen Abschlägen (Woods, Phil Mickelson, Vijay Singh, Sergio Garcia, Davis Love III) eher liegt als Langer.
In einem Flight mit Appleby und Durant
Deshalb wird Tiger Woods, obwohl er bei den letzten beiden Major-Turnieren nicht so überzeugen konnte wie sonst, erneut das Maß aller Dinge sein. Pikanterweise spielt Woods die ersten beiden Runden auf Anregung der Turnierleitung in einem Flight mit den anderen beiden Major-Gewinnern des Jahres: US-Open-Sieger Retief Goosen aus Südafrika und British-Open-Gewinner David Duval (USA). Ein absoluter Leckerbissen für die Zuschauer in aller Welt. Bernhard Langer wird die ersten 36 Löcher mit dem sympathischen Australier Start Appleby und dem Shootingstar der US-Tour, Joe Durant (USA), unterwegs sein.