Golf-Masters: Der Tiger brüllt wieder - DER SPIEGEL
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Golf-Masters Der Tiger brüllt wieder

Tiger Woods ist wieder die Nummer eins in der Golfwelt. Der US-Amerikaner holte sich beim Masters in Augusta die begehrteste Trophäe des Jahres: das Grüne Jackett. Erst im Stechen hatte sich Woods gegen seinen Landsmann Chris DiMarco durchgesetzt.
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Augusta - Zum vierten Mal nach 1997, 2001 und 2002 durfte Woods beim US Masters in Augusta am Ende das grüne Sieger-Jackett überstreifen. Der 29-Jährige behielt nach einem spannenden Zweikampf im Stechen mit einem Birdie am ersten Extra-Loch gegen Chris DiMarco (USA) die Nerven und kassierte für seinen insgesamt neunten Major-Triumph einen Scheck über 1,2 Millionen Dollar. Woods (74+66+65+71) hatte wie DiMarco nach vier Runden 276 Schläge (67+67+74+68) auf seiner Scorecard.

Retief Goosen (283-71+75+70+67/Südafrika) und Luke Donald (283-68+77+69+69/England) belegten mit sieben Schlägen Rückstand Rang drei. Mit dem Sieg hat Woods auch die Spitzenposition in der Weltrangliste von Vijay Singh zurückerobert.

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Golf-Masters: Der Tiger brüllt wieder

Foto: AP

"Die ist die Belohnung von zwei Jahre harter Arbeit", sagte Woods, nachdem ihm Vorjahressieger Phil Mickelson das Grüne Jackett überreichte, "so gut zu spielen wie ich die gesamte Woche, macht wirklich Spaß." Woods musste sich in den letzten zwei Jahren immer wieder Kritik gefallen lassen, weil er Änderungen an seinen Schwung vollzogen hat und die Majorerfolge ausblieben.

Woods verdrückte bei seiner Siegerrede einige Tränen und widmete den Sieg seinem Vater, der wegen einer Prostatakrebs-Behandlung vorzeitig abreisen musste: "Dad, dieser Sieg ist für dich. Du hast mir heute zugeflüstert, wie ich die Bälle zu platzieren habe."

Der zweimalige Champion Bernhard Langer aus Anhausen (1985 und 1993) landete mit 289 (74+74+70+71) Schlägen auf dem 20. Rang und erhielt 84.840 Dollar. Zum elften Mal bei 23 Teilnahmen schaffte Langer den Sprung in die Top 20 in Augusta. "Ich bin wie in den Vorwochen am Putten gescheitert. Es lag an mir, und nicht am Material. Im Großen und Ganzen bin ich aber mit meinem Turnier zufrieden", so der einzige deutscher Starter.

Woods hatte die Führung nach der dritten Runde erobert, als ihm in seiner 65er-Runde sieben Birdies in Folge gelangen (Master-Rekord eingestellt) und DiMarco am Sonntagmorgen, als die am Tag zuvor wegen Dunkelheit abgebrochene Runde zu Ende gespielt wurde, noch rostig wirkte. Während Woods das Publikum mit seiner Aufholjagd begeisterte, blieb DiMarco mit 41 Schlägen (fünf über Par) auf den zweiten Neun deutlich unter den Erwartungen.

Drei Schläge betrug der Vorsprung von Woods vor der letzten Runde, die er gleich mit zwei Birdies in Folge begann. Doch DiMarco ließ sich davon nicht beeindrucken und begeisterte die Zuschauer mit großartigen Schlägen zum Grün.

Spektakel am 16. Grün

Die Entscheidung fiel am 16. Grün. Bis auf einen Schlag war DiMarco an Woods herangekommen und lag auch auf dem Par-3 aussichtsreich zum Birdie. Woods' Abschlag verfehlte dagegen das Grün. Doch Woods befreite sich aus der schwierigen Lage mit einem Schlag, der in die Geschichte des Turniers eingehen wird: In einem 90-Grad-Winkel chipte er den Ball vom Loch weg, und danach bearbeitete die Erdanziehung den Ball auf dem hängenden Grün. Wie von Geisterhand geführt, rollte der Ball Zentimeter für Zentimeter Richtung Loch, ehe er genau an der Lochkante zum Liegen kam. Eine Ewigkeit verging - die Stoppuhr des amerikanischen Fernsehens registrierte später 2,4 Sekunden -, dann fiel die weiße Kugel unter einem Jubelschrei doch noch ins Loch.

"Das war mit Sicherheit einer der spektakulärsten und wichtigsten Bälle, die ich je gespielt habe", so Woods, der auf dem Grün anschließend einen Veitstanz mit seinem Caddie aufführte.

Doch DiMarco wollte sich nicht mit der ihm zugedachten Rolle des Statisten abgeben. Unbeeindruckt spielte er weiter. Woods zeigte Nerven und brachte seinen Gegner mit zwei Bogeys an den Löchern 17 und 18 wieder ins Spiel. Pech hatte DiMarco, als sein Chip am 18. Grün um die Kante des Lochs rollte.

"Ich konnte es nicht fassen"

Erst im anschließenden Stechen, dem 13. in der Geschichte des Turniers, konnte Woods die Verhältnisse wieder zurechtrücken. DiMarco rettete nach einem zu kurzen zweiten Schlag zwar ein Par, Woods lochte jedoch aus fünf Metern zum Birdie und neunten Majortitel seiner Karriere ein.

DiMarco konnte sich trösten, allen einen großartigen Kampf geliefert zu haben. "Ich denke, ich habe zeigen können, was ich kann", sagte der amerikanische Ryder-Cup-Spieler, auch wenn er dabei mehrfach schlucken musste. "Der Unterschied war, dass sein Chip am 16. Loch gefallen ist und meiner an der 18 ausgelippt ist", so DiMarco. "Ich konnte es nicht fassen, als der Ball nicht rein ging. Der Chip hätte es wirklich verdient gehabt."