Golf-Masters: Die Kathedrale wird ausgebaut - DER SPIEGEL
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Golf-Masters Die Kathedrale wird ausgebaut

In dieser Woche findet in Augusta, Georgia, der erste Höhepunkt der Golfsaison statt. Das ehrwürdige "Masters" will sich den Entwicklungen des Golfssports anpassen und präsentiert sich in neuem Gewand.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Augusta - In der vergangenen Woche klingelte das Telefon bei Hootie Johnson. Der Chairman des Augusta National Golf Clubs hatte Jack Nicklaus am Apparat, den 17fachen Major-Gewinner. Nicklaus, inzwischen 62 Jahre alt und immer noch der erfolgsreichste Golfer aller Zeiten, sagte mit Bedauern seine Teilnahme an den diesjährigen Masters ab, sein Rücken plage ihn zu sehr. Zwei Wochen zuvor hatte der sechsfache Gewinner des Masters noch in Augusta trainiert und einsehen müssen, "dass ich nicht in der Verfassung bin, um hier im Wettkampf spielen zu können".

Seit 1959 hatte Nicklaus, "The Golden Bear", jedes Masters mitgespielt und nur 1999 ausgesetzt, als er eine künstliche Hüfte eingesetzt bekam. 1963 gewann er zum ersten Mal das stets Anfang April ausgespielte erste von vier Major-Turnieren, zu dem die besten Profigolfer jede Saison neben den US Open, den British Open und der PGA Championship voller Erwartungen anreisen. 1986, als 46-Jähriger, zog Nicklaus ein letztes Mal in Augusta das grüne Jacket des Siegers über, als er sich in seiner letzten Runde einen wahren "Birdie-Rausch" spielte und der jüngeren Konkurrenz zeigte, zu was ein älterer Mann noch fähig ist. Noch 1990 überraschte Nicklaus die Fachwelt, als beim Sieg von Nick Faldo als Sechster ins Clubhaus kam.

"Man wird froh sein, mit einem Par vom Grün zu gehen"


Doch mit diesem Jahr sind die Zeiten des "goldenen Bären" vorüber, denn die "Kathedrale des Golfssports", wie das Masters auch genannt wird, hat aufgerüstet. Um genau 285 Yards (rund 260 Meter) ist der Platz verlängert worden. Dafür benötigt ein Normalspieler mindestens drei Schläge mehr. Tiger Woods schätzt zum Beispiel, dass ihn die Umbaumaßnahmen wahrscheinlich einen Schlag pro Runde kosten werden. "An manchen Löchern wird man froh sein, mit einem Par vom Grün zu gehen", so der Titelverteidiger. Mit insgesamt 7270 Yards (rund 6620 Meter) ist die 1932 gebaute Anlage mit einem Mal der fünftlängste Kurs, auf dem jemals ein Major-Turnier ausgetragen wurde.

"Wir mussten auf die Entwicklung des Materials - Schläger wie Bälle - und auf die Spielstärke der heutigen Golfpros reagieren", begründet Johnson den massiven Eingriff in die Kultstätte des Golfsports. "Die Jungs haben ja in den letzten Jahren wie Westernhelden aus der Hüfte geschossen und bei 400-Meter-Löchern die Grüns mit dem Sandwedge angegriffen", so Johnson weiter. "Wir wollten wieder die mittleren Eisen ins Spiel bringen, so wie das früher war." Der Chairmann besteht darauf, dass es sich bei dem Umbau nicht um "Veränderungen", sondern um "Verbesserungen" handelt. "Der Charakter des Platzes bleibt unangetastet."

Abschläge wurden nach hinten gelegt


Neun Löcher - Nummer 1, 7, 8, 9, 10, 11, 13, 14 und 18 - haben sich einem landschaftsarchitektonischen Lifting unterziehen müssen. Bei jedem dieser neun Bahnen wurden die Abschlagzonen (Tees) nach hinten versetzt, bei einigen noch die Sandhindernisse neugeformt und teilweise mit Bäumen neu bepflanzt. Besonders die 18. Bahn, genannt "Holly", hat massive Eingriffe erfahren. Von 405 auf 465 Yards verlängert, wurde nicht nur der bedrohliche Fairwaybunker um zehn Prozent vergrößert, sondern auch die linke Seite mit Neubepflanzungen aus dem Spiel genommen. In den letzten Jahren war es nicht unüblich seinen Drive weit nach links zu dreschen, um dann aus dem von den Zuschauern niedergetrampelten Rough einen relativ unbeschwerten Schlag zum letzten Grün zu haben. Die Zeiten sind nun vorbei, und Tiger Woods prophezeite bereits, "wer in dieser Woche am 18. Loch viermal ein Par vier spielt, wird ein glücklicher Mensch sein".

Die Nummer eins der Weltrangliste weist entschieden den Vorwurf zurück, der Kurs von Augusta National wäre mit dem Umbau nun einzig auf ihn zugeschnitten. In der Tat könnte man meinen, der Platz wäre für die heutige Generation vom Schlage Woods' viel zu einfach. Nach dem Rekordergebnis von 18 Schlägen unter Par bekam der inzwischen 25-Jährige im April 1997 sein erstes grünes Jackett überreicht, das nur die Sieger des Turniers tragen dürfen. Der Architekt der 18 Löcher des exklusiven Golfclubs, Bobby Jones, hätte sich bei seinen ursprünglichen Planungen sicher nie träumen lassen, dass sein Layout eines Tages von der Golfelite auseinandergenommen würde.

Egal, was die Weitschläger anstellen


Doch schon 1965, als ein 25-jähriger Junge aus Ohio namens Jack Nicklaus den Platz mit 17 Schlägen unter Par stürmte, antworte Jones auf die Frage der Turnierleitung, was man nun machen sollte, gelassen: "Unser Golfkurs wurde angelegt, um unseren Mitgliedern ein Freude zu bereiten. Das sind Spieler, die keinen Spaß daran haben, den ganzen Tag aus dem Sand oder hohem Gras zu spielen. Deshalb sollten wir den Kurs - in Konzeption und Design - so lassen, wie er ist, egal was die Weitschläger noch alles anstellen."

Bis zum Jahr 2002 hat dieser Grundsatz gehalten, doch nun wurde er der rasanten Entwicklung in Sachen Technik, Ausrüstung und Athletik des modernen Profigolfers angepasst. "Auch wenn ich mit Mr. Johnson über die Veränderung gesprochen habe", erzählt Woods, "das Ganze hat nichts mit mir zu tun. Die Jungs aus den High Schools schlagen inzwischen den Ball weiter als ich. Sie alle werden größer und stärker, und das neue Equipment trägt seinen Teil dazu bei. Die Umbau soll es den zukünftigen Spieler erschweren, hier eine Rekordrunde nach der anderen zu erzielen."

Der schwarze Ritter will kämpfen


Es wird also ein wenig wie in den alten Tagen sein, als man mit den mittleren Eisen seine Birdies vorbereiten musste. Und im Gegensatz zu Jack Nicklaus lassen sich nicht alle Altmeister von den neuen Maßnahmen in Augusta abschrecken. Gary Player, der Gewinner des Grünen Jacketts von 1961,1974 und 1978, hat schon angekündigt, auch in diesem Jahr voller Angriffslust anzureisen. Der kleine Südafrikaner, inzwischen 66 Jahre alt, wird wegen seiner immer noch erstaunlichen Physis ("Ich schaffe 1000 Sit-ups mit 35 Kilo Gewicht über der Brust") ehrfurchtsvoll "der schwarze Ritter" genannt. Im Gegensatz zu Nicklaus hat sich Player auch für das diesjährige Masters einiges vorgenommen. "Ich will der Jugend der Welt zeigen, dass ich mit 66 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehöre", so der rüstige Champion. "Ich habe den Cut in Augusta mit 62 Jahren geschafft, und das wird auch dieses Jahr wieder mein Ziel sein."