Golf Start-Ziel-Sieg für Tobias Dier
Hilversum - Nach dem letzten Putt winkte Tobias Dier jubelnd in die Zuschauermenge, dann fiel er seiner Freundin vor Glück um den Hals: Mit seinem Sensationssieg bei den mit 1,8 Millionen Euro dotierten "TNT Dutch Open" feierte der Nürnberger am Sonntag den größten Erfolg seiner jungen Karriere. Der 25-Jährige düpierte mit einem starken Auftritt in Hilversum die europäische Elite und gewann sein zweites Turnier auf der Europa-Tour nach den North-West-Irland Open im Vorjahr. Mit 263 (60+67+67+69) Schlägen (17 unter Par) verwies Dier den Engländer Jamie Spence (264-66+64+69+65) sowie den Australier Peter Lonard (265-67+63+68+67) und Padraig Harrington aus Irland (265-66+67+64+68) auf die Plätze. Für seinen Erfolg kassierte er 300.000 Euro und strich damit auf einen Schlag mehr Geld ein als in seiner gesamten bisherigen Laufbahn. Zudem erhielt er die Spielberechtigung für die nächsten zwei Jahre auf der European Tour.
Bei seinem Start-Ziel-Sieg musste Dier am Ende noch einmal zittern, als er seinen letzten Drive etwas nach rechts verzog und keine frei Sicht mehr zum Grün hatte. Mit einem Chip, einer guten Annährung aus 100 Metern und zwei Putts rettete er das Par am 18. Loch und damit den Turniersieg. "Ich bin sehr froh, dass damit das Turnier beendet war", seufzte Dier anschließend erleichtert. "Wenn ich zwei oder drei weitere Löcher hätte spielen müssen, wäre ich vielleicht noch zusammen gebrochen. Ich war sehr nervös auf den letzten Löchern."
Platzrekord am Donnerstag
Die Leistungsexplosion des Franken kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. In diesem Jahr hatte Dier bei bisher 18 Starts 12 Mal den Cut verpasst. Doch nach einer Umstellung im Training, zu der ihm Profi-Kollege Sven Strüver geraten hatte, spielte der deutsche Meister der Amateure von 1998 in Hilversum groß auf. Gleich zum Auftakt hatte er mit einer 60er-Runde den Platzrekord um drei Schläge verbessert und sich
einen Platz in den Annalen gesichert. Dier ist erst der zehnte Profi, dem auf der European Tour eine Runde von 60 Schlägen gelang.
Sein Talent hatte er bereits im Jahr 2000 erkennen lassen. Damals qualifizierte sich Dier als erster europäischer Spieler in der Golf-Historie über die Challenge Tour für die Europa-Tour der Profis. Ohne einen Turniererfolg ebnete er sich als Sechster der Rangliste den Weg in die erste Liga des Golfsports.
Dabei wollte der Franke eigentlich Fußball-Profi werden. Eine Achillessehnenverletzung zerstörte diesen Traum bereits im Jugendalter. Der ehrgeizige und selbstbewusste Abiturient, der sein Studium der Biochemie zu Gunsten der Golf-Karriere auf Eis gelegt hat, wechselte das Metier und verlegte sich auf die kleinen Bälle.
Zunächst spielte er Tischtennis, dann verschrieb er sich dem Golf. 1994 wurde er deutscher Jugend-Meister, 1999 wechselte er ins Profilager über.
Langer enttäuschte
Keine Rolle spielte der dreimalige Turnier-Gewinner Bernhard Langer (Anhausen). Deutschlands bester Golf-Profi, der 1984, 1992 und 2001 in Hilversum gewonnen hatte, landete mit 278 (71+69+69+69) Schlägen nur auf dem geteilten 53. Rang. Noch schlechter erging es dem 97er Sieger Sven Strüver. Der Hamburger hatte am Freitag als 90. mit 142 Schlägen (70+72) den Cut der besten 76 Profis verpasst und sich vorzeitig auf die Heimreise begeben müssen. Tour-Neuling Marcel Siem aus Düsseldorf spielte auf der Schlussrunde am Sonntag 2 über Par und erreichte mit 276 (71+67+66+72) den geteilten 42. Platz.