Golf: Tiger Woods und das neunte Comeback - DER SPIEGEL
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Golfstar Tiger Woods Das neunte Comeback

Tiger Woods kehrt zurück auf den Golfplatz - mit 41. Es ist wohl die letzte Chance auf einen würdigen Abschluss seiner großen Karriere. Eines ist tatsächlich anders als zuletzt: Woods hat wieder Spaß.
Golf-Superstar Tiger Woods
Golf-Superstar Tiger Woods

Golf-Superstar Tiger Woods

Foto: Lynne Sladky/ AP
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Natürlich ist es irreführend zu schreiben, Tiger Woods sei zurück. Er war ja nie weg. Auch dem größten Golfer der Geschichte ist es nicht möglich, einfach zu verschwinden, selbst wenn er lange Jahre Golf wie von einem anderen Stern spielte. Außerdem ist dieser 41-Jährige ja immer präsent. Der erste Sportmilliardär der Welt ist die Bezugsgröße für golferische Heldentaten, für Rekorde und die Zeitrechnung: vor Tiger Woods und nach Tiger Woods.

Zuletzt war diese Rechnung nicht mehr ganz so einfach. Sind wir schon nach Woods oder noch mittendrin? Seit 2014 ist Woods viermal am Rücken operiert worden, zuletzt in diesem April. Im Mai diesen Jahres fand ihn die Polizei in Jupiter, Florida, unweit seiner Wohnung nachts am Straßenrand schlafend hinter dem Steuer seines Autos. Als sie ihn weckte, war er der Meinung, gerade vom Golfplatz in Los Angeles zu kommen. Richtigerweise jedoch kam er aus seinem Restaurant um die Ecke. Woods soll einen Mix an Schmerzmitteln im Körper gehabt haben, der Rücken. Wenig später ließ er sich in eine Entzugsklinik einweisen, zum dritten Mal seit 2010. An Golf war zu dieser Zeit nicht zu denken. Wegen des Rückens. Aber auch wegen all der anderen Dinge.

An diesem Donnerstag, ein halbes Jahr später, kehrt Tiger Woods zurück auf den Golfplatz. Es ist sein neuntes Comeback nach einer Verletzung seit 2002. Zum zweiten Mal nach 2016 kehrt er bei der Hero Challenge auf den Bahamas zurück; ein Einladungsturnier abseits des offiziellen Turnierplans. 17 Top-Spieler sind auf die Insel gereist, der schlechteste ist die Nummer 32 der Welt. Der 18. Spieler ist der Gastgeber, Woods selbst, in der Weltrangliste derzeit auf Rang 1199 geführt.

Man könnte meinen, Woods verdirbt den guten Schnitt. Doch vielmehr macht er dieses Turnier, das am Sonntag endet, zum mit Abstand meistbeachteten Event der noch jungen Saison im US-Golf. Dabei geht es für Woods nur um das Eine: den ersten Schritt auf dem langen Weg zurück. "Über Jahre war es ein harter Kampf", sagt er über die Zeit seit 2014. "Jetzt habe ich keine Schmerzen mehr." Alles anders also?

Botschaften wie von Gott

In den vergangenen Wochen hat Woods viel Golf gespielt, einmal sogar mit der Nummer eins der Golfer, Dustin Johnson, und der Nummer eins der USA, Donald Trump. Er hat kleine Videos seines Schwungs ins Netz gestellt, die die Golfgemeinde wie Gottesbotschaften aufsog. Golfer, die mit ihm auf dem Platz waren, schwärmten von der wiedergewonnenen Power des Mannes, der das Golfplatz-Design einst allein durch seine Schlaglänge reformierte. Sogenannte Experten analysierten den Schwung bis ins kleinste Detail und konstatierten eine offensichtlich beachtliche Transformation. Der Mann, der die Golfwelt in der Summe für 13 Jahre anführte, dabei aber seinen Körper ähnlich drangsalierte wie die Konkurrenz, scheint einen schonenden Weg gefunden zu haben, den Ball so weit zu schlagen wie früher. "Das Leben ist jetzt so viel besser", sagt Woods.

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Tiger Woods: Quälende Jahre

Foto: Donald Miralle / AFP

In den vergangenen Jahren hat er sich unter Schmerzen morgens aus dem Bett gewunden, er hat die golflose Zeit mit unzähligen Stunden an der Videokonsole gefüllt - wenn er denn sitzen konnte. Dazwischen kümmerte er sich um seine beiden Kinder, die er wenige Tage in der Woche betreut und die ihn nur als "YouTube-Golfer" kennen. Seine Firma entwarf Golfkurse, einen baut er zusammen mit Trump in Dubai. Doch vor allem wusste er nicht wohin mit sich. Ein Sportler ohne Körper. Das Loch bekämpfte er mit Medikamenten.

Nun hat er beides nicht mehr, Schmerzen und Medikamente. Ihm gehe es "fantastisch". In den historischen Jahren zwischen 1997 und 2009, als Woods 14 Majors gewann, war er der unnahbare Dominator, der sportlich und mental der Konkurrenz überlegen war. Dann kamen seine Sexeskapaden ans Licht, Woods machte die erste Entziehungskur. Und plötzlich spielte er im Kopf nicht mehr in der eigenen Liga. Immer noch mischte er bei Majors vorne mit, nun aber gewannen andere. Gleichzeitig war er plötzlich nahbarer, freundlicher. Er kam wieder nach oben - doch ohne Major-Sieg war es nicht dasselbe. Schließlich streikte der Körper.

"Ich will keine Rückschläge"

Nun, mit fast 42, bekommt er die wohl letzte Chance, die Karriere nach den eigenen Bedingungen zu beenden. Woods hatte nie viele gute Freunde, einer davon ist ein früherer Profi aus der zweiten Reihe - Notah Begay. Der sagt: "Tiger hat die meisten seiner neun Katzenleben verbraucht." Er selbst wolle, so Woods, den jungen Spielern den Typen zeigen, mit dem seine Gegner damals zu tun hatten. Sein Spielpartner auf den Bahamas ist einer dieser Jungen, Justin Thomas, 24, die Nummer drei der Welt. Er sagt: "Ich bin so aufgeregt wie ihr alle. Ich habe den besten Platz." Die Ehrfurcht ist da. Aber auch eine früher nie für möglich gehaltene Chuzpe. Denn Thomas sagt auch: "Natürlich will ich ihm den A… versohlen."

Woods geht es besser, wenn er Golf spielen kann. Vor allem aber geht es dem Golfsport besser, wenn Woods Golf spielen kann. Die "Global Golf Post" verglich Woods kürzlich mit der Schauspielerin Meryl Streep. "He made us watch", er holte uns vor die Bildschirme.

Auch deswegen sah er sich wohl gezwungen, meist frühzeitig zurückzukehren. Diesmal ließ er sich Zeit. "Ich will keine Rückschläge", sagt er. "Ich habe es so vermisst, einfach aus Spaß Golf zu spielen." Nun kehrt er zurück - der Spaß. Woods war ja nie weg.

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