Golf Tiger Woods vor einem weiteren Meilenstein
Valderrama - Wenn Tiger Woods, 24, am Donnerstag seinen Ball auf das kleine Holztee am ersten Abschlag im spanischen Valderrama legt und zu einem seiner berüchtigten Monsterdrives ausholt, wird er ein klares Ziel vor Augen haben. Der Kalifornier, der inzwischen Orlando/Florida seine Heimat nennt, könnte der erste Athlet der Geschichte werden, der in einer Saison mehr als zehn Millionen Dollar an Preisgeldern einheimst. Damit könnte der derzeit beste Golfer der Welt einen weiteren Superlativ verzeichnen. "Das war eines der Ziele der Saison", sagte Woods mit seinem charmanten Lächeln und fügte hinzu. "In den meisten Turnieren in diesem Jahr hatte ich die Chance zu gewinnen. Darauf bin ich sehr stolz."
In 21 Turnieren, zu denen Woods dieses Jahr antrat, siegte er neunmal (darunter drei Major-Siege) und landete siebenmal unter den ersten Fünf. Sein schlechtestes Ergebnis war ein 23. Platz bei der Westen Open im Juli, für den er immerhin noch mit 26.700 Dollar belohnt wurde. Zwei Wochen später siegte er in beeindruckender Manier bei der British Open, als er den Old Course von St. Andrews nach Belieben auseinander nahm und die Kollegen ob seiner Klasse völlig bloßstellte. Mit 24 Jahren ist er zugleich der jüngste Spieler, der den Grand Slam im Golf (Sieg bei allen vier Major-Turnieren) erreichte. Insgesamt hat Woods in dieser Saison bislang 9.156.232 Dollar an Preisgeldern einspielen können.
Deshalb ist es auch wenig überraschend, dass Woods bei der World Golf Championship in Valderrama, die zugleich der Saisonabschluss der Profigolfer ist und für den Sieger die stolze Summe von 1.160.901 Euro ausgezahlt wird, als absoluter Favorit ins Rennen geht. Den Schotten Colin Montgomerie beispielsweise, über die letzten sieben Jahre der dominierende Spieler in Europa, verließen zu Beginn dieser Woche die Herrschaft über die eigenen Worte, als er einen Satz sagte, in dem er sich widersprach: "Tiger zu schlagen ist derzeit unmöglich. Aber im Golf ist alles möglich." In Spanien fehlen zudem mit den Amerikanern Phil Mickelson, augenblickliche Nummer drei der Weltrangliste, und David Duval (Nummer vier), zwei der schärfsten Rivalen der amerikanischen PGA-Tour.
Um die Absage vieler amerikanischer Spitzenspieler gab es im Vorfeld mächtig Ärger. Neben Mickelson und Duval haben unter anderen Größen wie Davis Love III, Jim Furyk, Tom Lehman, Hal Sutton oder Fred Couples auf die Reise nach Europa verzichtet. Gemeinsamer Nenner der Absagen: Allgemeine Erschöpfung nach einer zugegebenermaßen anstrengenden Saison. Während einige europäische Spitzenspieler die Abwesenheit der amerikanischen Kollegen als Affront interpretierten, gab sich Woods gewohnt diplomatisch: "Es ist eine lange Saison gewesen und einige der Jungs haben in diesem Jahr viel gespielt." Der Nordire Darren Clarke, derzeit die Nummer eins der europäischen Geldrangliste, hingegen witterte bei den Absagen pure Arroganz der US-Spieler: "Das ist schon irgendwie enttäuschend. Die ganze Idee einer World Golf Championship ist, dass die besten Golfer dazu zusammenkommen. Aber eine Millionen Euro für den Sieger ist für die Amerikaner eben nicht mehr viel. Für jeden anderen wäre das viel Geld, aber so... vielleicht wären zwei Millionen ein Grund, sie umzustimmen."
Für Woods indes stand eine Absage aber nie zur Debatte: "Wenn man der Beste in der Welt sein will, muss man auch auf der ganzen Welt spielen." Ein Spaziergang wird die Veranstaltung für den Weltranglistenersten, der in Valderrama zum zweiten Mal in diesem Jahr in Europa antreten wird, sowieso nicht. Mit dem Südafrikaner Ernie Els (der augenblicklichen Nummer zwei) und Masters-Sieger Vijay Singh aus Fidschi stehen internationale Hochkaräter im Feld und auch die europäische Elite wird sich nicht kampflos ergeben. Zumal zwischen Clarke, derzeit mit 2.652.664 Euro Nummer eins der europäischen Geldrangliste, und Lee Westwood (2.544.695 Euro) schon die gesamte Saison ein heißer Zweikampf um Platz eins der europäischen Geldrangliste besteht. Selbst Els (1.987.064 Euro), der mit Woods in der ersten Runde gepaarte Däne Thomas Björn (1.888.444 Euro) und der Neuseeländer Michael Campbell (1.860.046 Euro) haben noch theoretische Chancen auf den Spitzenplatz der europäischen Order of Merit.
Als einziger Deutscher wird Bernhard Langer an den Start gehen. Der Anhausener, der seit knapp drei Jahren einem Turniersieg hinterher hechelt, geht mit minderen Chancen an den Start. Dennoch hat er an den Par 72-Kurs gute Erinnerungen. Mit der 62-Runde, die er 1994 bei den Volvo Masters spielte, hält er immer noch den Platzrekord. Eine Tatsache, die den 41-Jährigen heute immer noch verwundert. "Diese 62 ist ganz bestimmt eine meiner drei besten Runden, die ich bisher in meinem Leben gespielt habe. Als ich den Platz später wieder spielte, habe ich mich wirklich gewundert, wie das möglich war. 1994 muss ich wohl einige Löcher ausgelassen haben."