Golf Tiger Woods zeigt Nerven
Louisville - Bei der Jagd nach dem dritten Major-Titel in diesem Jahr hat sich Tiger Woods selbst ein Bein gestellt und bei seinen Verfolgern plötzliche Triumphgefühle genährt. Just in dem Moment, da Woods am dritten Tag der US-PGA-Championship in Louisville/Kentucky die Konkurrenz mit dem einzigen deutschen Teilnehmer, Bernhard Langer, wieder zu deklasieren begann, leistete er sich einen Doppel-Bogey und bescherte dem Finale am Sonntag unerwartete Spannung.
Der Titelverteidiger behauptete bei der erneuten Hitzeschlacht zwar trotz des Missgeschicks als Tages-25. nach einer 70er-Runde mit 203 Schlägen die Führung, doch sicher fühlen kann er sich keinesfalls. Scott Dunlap und Bob May folgten mit 204, ihr amerikanischer Landsmann J.P. Hayes mit 205, der Australier Greg Chalmers mit 206. Selbst das Trio mit 207 Schlägen, von dem Jose Maria Olazabal (Spanien) mit einer 63er-Runde den Championship-Tagesrekord egalisierte, rechnet sich noch Siegchancen aus. Davon ist Bernhard Langer auf dem Par-72-Kurs des Valhalla Golf Clubs weit entfernt. Nach seinem Vorstoß am Freitag auf den 32. Platz durch eine 69er-Runde fiel der Anhausener 24 Stunden später nach einer 73er mit 217 Schlägen auf den 52. Platz zurück.
"Alle fühlen auf einmal, der Tiger ist zu schlagen. Er steht mehr unter Druck als wir alle. Denn von ihm erwartet man den Sieg, von uns nicht", betonte May, der mit Woods auf die Schlussrunde gehen wird. Der 31-Jährige aus Las Vegas, der wie der ebenso überraschend auftrumpfende Dunlap noch kein PGA-Turnier gewann, debütiert bei den mit fünf Millionen Dollar dotierten Championships. "Das wird eine dramatische Schlacht geben", kündigte der zweimalige US-Masters-Sieger Olazabal an.
"Das war ein guter Tag", übte sich Woods nach seinem Einbruch in Sarkasmus. "Ich führe immer noch mit einem Schlag, was doch großartig ist. Dass viele Spieler so eng zusammenliegen, ist eine größere Herausforderung und bringt mehr Spaß", meinte er mit einem smarten Lächeln, das ihm in den Stunden zuvor vergangen war. Dabei begann die dritte Runde für den Weltranglisten-Ersten programmgemäß. Mit vier Birdies hatte er bis zum zwölften Loch seinen Vorsprung auf drei Schläge ausgebaut, als er an dem Par-4-Loch einen Blackout bekam. Erst schlug er den Ball zwischen die Bäume und ins hohe Gras, ehe er auch noch den zweiten Putt aus 60 Zentimetern verfehlte und damit seinen ersten Doppel-Bogey in einem Major-Turnier nach 153 Löchern quittieren musste.
"Ich machte einen starken dritten Putt. Ich habe ihn richtig reingehauen", scherzte Woods, der nervlich angekratzt am 15. Loch noch einen Bogey folgen ließ. Den turbulenten Samstag beendete der 24-Jährige mit einem Birdie, womit der British-Open- und US-Open-Gewinner weiter Kurs auf seinen dritten diesjährigen Grand-Slam-Turniersieg hält. Als letztem Profi war dem legendären Ben Hogan 1953 das historische Triple in einem Kalenderjahr gelungen.
Von Gunnar Meinhardt, dpa
82. PGA-Championship, Stand nach der dritten Runde (Par 72 Kurs/5 Millionen Dollar):
1. Tiger Woods 203 Schläge (66+67+70), 2. Scott Dunlap 204 (66+68+70) und Bob May 204 (72+66+66), 4. J.P. Hayes (alle USA) 205 (69+68+68), 5. Greg Chalmers (Australien) 206 (71+69+66), 6. Jose Maria Olazabel (Spanien) 207 (76+68+63), Thomas Bjorn (Dänemark) 207 (72+68+67) und Stuart Appleby (Australien) 207 (70+69+68), 9. Notah Begay III 208 (72+66+70) und Franklin Langham 208 (72+71+65)... 52. Bernhard Langer (Anhausen) 217 (75+69+73)