Golfer-Stress Ein Hai auf Dirty-Harry-Trip
1987 ging Norman (Spitzname: "The Shark") mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, die Spieler der European Tour schlügen die Bälle besser als die Amis. "Wenn das wahr ist", hielt Paul Azinger dagegen, "warum hat Greg dann bislang nur fünf Turniere gewonnen?" Autsch! Drei Wochen später traf man sich persönlich bei der PGA Championship. "Ich höre, du hast ein Problem mit mir", sagte Norman, der eindeutig zu viele "Dirty Harry"-Filme gesehen hatte. "Es heißt, du willst mich fertigmachen?" Azinger machte einen Rückzieher und entschuldigte sich. Sieben Jahre später zeigte Azinger Norman dann doch noch, wer der Chef im Ring ist. Er gewann die PGA Championship 1993 in einem Playoff gegen Norman.
Während der letzten Runde der World Series of Golf 1994 in Akron/Ohio schlug John Daly einen Drive, bevor die Gruppe vor ihm die Spielbahn verlassen konnte. Sein Ball landete nur ein paar Zentimeter von Jeff Roth entfernt, einem Club-Pro aus Michigan. Roths Eltern saßen auf der Tribüne und begannen Daly zu beschimpfen. "Sie erinnern mich an meine Ex-Frau", sagte Vater Roth und beließ es nicht bei diesen Komplimenten. Nach dem Turnier wurde es handgreiflich, als Papa Roth Daly auf den Rücken sprang und ihn zu Boden rang, bevor die Kombattanten getrennt werden konnten.
Die beiden können sich nicht riechen. Retief Goosen bezeichnete seinen irischen Rivalen bei der Madrid Open 2002 als "den langsamsten Spieler auf der European Tour", eine Anspielung, die ihm am nächsten Tag noch gewaltig leidtun sollte, als Goosen während seiner Eröffnungsrunde wegen langsamen Spiels verwarnt wurde. Schäumend vor Wut drohte der Südafrikaner, die European Tour hinzuschmeißen, während Padraig Harrington ein süffisantes Lächeln auf den Lippen sich vornehm aus dem Konflikt heraushielt. Nach seiner Meinung zum Pech des Gegners befragt, sagte er: "Kümmert's mich? Nein!"
Nachdem der US-Profi Tom Lehman die Invasion des 17. Greens am unrühmlichen Ende des Ryder Cups 1999 in Brookline/Massachusetts angeführt hatte, stand er voll in der Schusslinie des wütenden Sam Torrance. "Das war das Ekelhafteste, was ich je gesehen habe", sagte der Schotte, "Lehman bezeichnet sich selbst als Mann Gottes. Sein Verhalten heute war widerlich." Lehmans Reaktion war nun ja zwiespältig. "Manchmal geht man zu weit. Aber die Europäer hatten in Valderrama schon so viel zu feiern (1997 gewann Europa 14,5:13,5; die Red.). Heute waren wir eben mal dran."
Als Sergio Garcia entschied, die "Seve Trophy" 2002 nicht zu spielen, geriet Severiano Ballesteros in Rage. Er beschuldigte Garcia, exorbitante Antrittsgelder zu fordern, was dieser abstritt er habe für die fragliche Woche seine Teilnahme an einem Turnier in den USA zugesagt. "Seve hat Sachen gesagt, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wenn sich das zwischen uns wieder einrenken soll, muss er kommen und mit mir reden." Uuups, so redet man nicht mit einem Severiano. "Ich bin der Kapitän", donnerte Ballesteros. "Er weigert sich zu spielen, also ist er derjenige, der etwas zu erklären hat."
Lesen Sie morgen im zweiten Teil, weshalb es sich Tiger Woods mit seinem früheren Trainer verdarb und wie Colin Montgomerie einen Dänen zur Weißglut brachte.