Großmaul Sanders "Ich haue Klitschko weg"
Los Angeles - "Es wird schnell gehen. Der Kampf dauert keine zwölf Runden. Ich haue ihn weg", tönte Sanders vor dem Titelkampf am Samstagabend im Staples Center von Los Angeles. Das ZDF überträgt das Duell um die vakante Schwergewichtskrone der WBC ab 4 Uhr MESZ live. "Ich bin bereit, körperlich wie mental. Mein Bruder hat Sanders vor einem Jahr unterschätzt. Das wird mir nicht passieren", konterte Witalij Klitschko. Sanders hatte den jüngeren Klitschko, der damals WBO-Weltmeister war, Anfang März vergangenen Jahres in Hannover k.o. geschlagen.
Außenseiter Sanders hat die bessere Bilanz. Der 38 Jahre alte Südafrikaner gewann bislang 39 Kämpfe, diesen stehen zwei Niederlagen gegenüber. Ebenso häufig hat Witalij Klitschko verloren, 33 Siege konnte der Ukrainer bislang verbuchen. Beim offiziellen Wiegen setzte sich der acht Zentimeter größere Klitschko mit 111,1 Kilogramm erwartungsgemäß gegen seinen Kontrahenten durch. Sanders wog 106,6 Kilogramm.
Um den bislang schleppenden Vorverkauf anzukurbeln, stiegen Klitschko und Sanders zur Mittagszeit an der belebten Figuroa Street in Downtown L.A. werbewirksam auf die Waage. Bis Freitag waren nur knapp die Hälfte der 18.000 Tickets abgesetzt. Es ist anzunehmen, dass trotz der für US-Verhältnisse bescheidenen Eintrittspreise von 50 bis 350 Dollar die Halle nicht ausverkauft sein wird. Beim Kampf selbst wird Kaliforniens Gouverneur und Ex-"Terminator" Arnold Schwarzenegger am Ring erwartet, Oscar-Preisträgerin Charlize Theron ("Monster") drückt ihrem Landsmann Sanders die Daumen.
Klitschkos Promoter Klaus-Peter Kohl warnte seinen Schützling vor einer allzu offensiven Gangart. "Ich hoffe, Witalij lässt sich vor allem in der Anfangsphase des Kampfes nicht auf einen offenen Schlagabtausch ein. Allerdings ist er sehr erfahren und hat ein starkes Nervenkostüm", sagte der Universum-Chef. Nach der Niederlage Wladimir Klitschkos gegen Lamon Brewster hat er nur noch ein Eisen im Feuer. Witalij Klitschko, der vor zehn Monaten im Staples Center unglücklich gegen Lennox Lewis verloren hatte, glaubt noch immer daran, einmal gleichzeitig mit seinem Bruder Weltmeister zu sein: "Der Weg dorthin ist länger geworden, doch der Traum ist noch da."
Für die Königsklasse des Profiboxens hätte eine Klitschko-Niederlage dramatische Folgen. Sanders taugt aufgrund seines Alters nicht mehr zum Star, der zur Wiederbelebung der trostlosen Schwergewichtsszene seit dem Lewis-Rücktritt sehnsüchtig gesucht wird. Der Brite, der Sanders promotet, war der letzte so genannte lineare Weltmeister, da er jeden namhaften Gegner seiner Ära geschlagen hat. Sein am 6. Februar niedergelegter WBC-Gürtel gilt als der prestigeträchtigste unter den vier anerkannten Weltverbänden WBC, WBA, WBO und IBF.