Grün-Interview: "Lieber Urlaub als Beachvolleyball" - DER SPIEGEL
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Grün-Interview "Lieber Urlaub als Beachvolleyball"

Angelina Grün ist Deutschlands beste Volleyballerin. Mit dem Gewinn der Champions League im Trikot von Foppapedretti Bergamo feierte die 25-Jährige vergangene Woche den größten Erfolg ihrer Karriere. Mit SPIEGEL ONLINE spricht Grün über Volleyball in Italien, die populärere Variante am Strand und freizügige Sportbekleidung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Frau Grün, fangen wir mit einem Klischee an: Italienische Fans sind viel emotionaler als deutsche. Stimmt das?

Grün: Ja und nein. Bei den Männern ist es schon schlimm, beim Frauenvolleyball hält sich das alles in Grenzen. Es hat allerdings auch schon einen Fan gegeben, der mir nachts aufgelauert hat. Aber es ist nichts Schlimmes passiert. Das Schöne am Volleyball ist doch, dass die Fans - im Gegensatz zu anderen Sportarten - ihren Idolen noch nah sein können. Und dass man manchmal beschimpft wird oder ausgepfiffen, das ist doch normal.

SPIEGEL ONLINE: Beim Champions-League-Sieg Ihres Clubs Foppapedretti Bergamo gab es dazu ja keinen Grund...

Grün: Das war sicherlich ein sehr schöner Moment. Aber für Volleyballer in Italien bleibt leider nie viel Zeit, solche Siege auszukosten. Wieder in Bergamo angekommen, gingen gleich die Playoffs der italienischen Meisterschaft los. Da blieb nicht viel Zeit zum Feiern. Die italienische Liga gilt als die stärkste Europas. Demnach ist das Gewinnen der nationalen Meisterschaft eine ganz große Herausforderung. Hier muss man auch im Training immer das Maximale geben.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland könnten Sie sich nicht so intensiv Ihrem Sport widmen.

Grün: In Deutschland ist es nun mal leider nicht möglich, dass man alles unter einen Hut bekommt. Man kann sich nicht genügend Geld für später beiseite legen, so dass man gezwungen ist, auch an die berufliche Zukunft zu denken. Viele Spielerinnen gehen deshalb noch nebenbei zur Uni oder machen eine Ausbildung. Deshalb kann man in Deutschland nicht so zeitaufwändig trainieren. In der italienischen Liga kann man sich ganz auf den Sport konzentrieren, weil man wie ein Profi lebt und bezahlt wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie vermissen also gar nichts an Deutschland?

Grün: Ich spiele jetzt schon das vierte Jahr im Ausland. Selbst wenn ich mal zu Hause in Essen bin, habe ich meistens keinen normalen Tagesablauf. Ich spiele ja auch noch in der Nationalmannschaft und dadurch bin ich höchstens mal zwei Wochen am Stück in meiner Heimat.

SPIEGEL ONLINE: Und selbst dann denken Sie nur an Volleyball?

Grün: Nein, dann gehe ich ins Café, treffe mich mit Freunden... Doch, Sie haben Recht, das vermisse ich schon, eigentlich den ganzen deutschen Rhythmus. Vor allem beim Essen merke ich das. Hier isst man abends um neun, wesentlich später also. Das liegt mir nicht so.

SPIEGEL ONLINE: Die ehemalige deutsche Nationalspielerin Susanne Lahme hat sich nach ihrer Italien-Zeit für eine Beachvolleyball-Karriere entschieden. Ist das für Sie auch ein Thema?

Grün: Das kann ich mir schon vorstellen, weil es einfach Spaß macht. Im Moment ist es aber überhaupt kein Thema. Weil ich noch in der Nationalmannschaft spiele, fehlt die Zeit dafür. Und wenn ich am Meer Urlaub mache, spanne ich lieber aus - ohne Beachvolleyball, zumindest nicht auf Leistungsniveau.

SPIEGEL ONLINE: RTL will die Trendsportart kommerzialisieren, viele Volleyballer gehen deshalb im Sommer an den Strand. Reizt Sie die Fernsehpräsenz nicht?

Grün: Durch unsere Erfolge mit der Nationalmannschaft war auch der Hallenvolleyball in den Medien vertreten. Aber natürlich hat Beachvolleyball ein anderes Image, das sich vielleicht besser vermarkten lässt. Ingesamt freut es mich aber, dass das Fernsehen überhaupt Volleyball zeigt.

SPIEGEL ONLINE: Beachvolleyball hat sich aber als Konkurrenz für das Spiel in der Halle etabliert.

Grün: Nur die Top-Beach-Teams spielen ausschließlich im Sand. Da sich die Spielweise doch sehr unterscheidet, ist das auch notwendig, um erfolgreich zu sein. Die meisten Hallenvolleyballer können im Sommer auch Beachvolleyball spielen. Ausgenommen die Nationalspieler ...

SPIEGEL ONLINE: Wie Sie, für die dann die Vorbereitung auf die Halle Priorität hat. Was halten Sie eigentlich von den exakten Vorschriften, die es bei Olympia 2004 in Athen für die Länge der Beachvolleyball-Hosen gab? Geht es da nicht eher um Erotik als um Sport?

Grün: Man spielt nicht, um seinen Körper zur Schau zu stellen. Davon würde sich jeder Spieler distanzieren. Gut aussehen wollen wir aber schon. Dass nachgemessen wird, ob das Hemd 13 oder 11 Zentimeter lang ist, ist unwichtig für den Sport. Die Bekleidungsvorschriften sollten gewisse Grenzen nicht überschreiten: Normales Volleyballspielen sollte noch möglich sein.

SPIEGEL ONLINE: Wie klingt die Schlagzeile "Angelina Grün, Beachvolleyball-Olympiasiegerin 2008" für Sie?

Grün: Gut! Ich will das nicht kategorisch ausschließen, aber viel wahrscheinlicher ist, dass ich bei den Spielen in Peking wieder in der Halle dabei bin. Dann schon eher 2012.

Das Interview führte Anna-Katharina Stracke