Halmich-Abschied: Quicky und die Quoten-Queen - DER SPIEGEL
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Halmich-Abschied Quicky und die Quoten-Queen

Sie ist die Alice Schwarzer des Frauenboxens: Regina Halmich hat in den vergangenen 13 Jahren für Emanzipation im Ring gesorgt - und einige männliche Gegner bezwungen. Heute beendet die erfolgreichste Kämpferin der Welt ihre Karriere.
Von Martin Krauß
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Regina Halmich will da bleiben, wo sie sich hingearbeitet hat. Im Fernsehen möchte die 31-jährige Boxweltmeisterin künftig tätig sein, freilich will sie als Moderatorin austeilen. Heute Abend in Karlsruhe beendet sie mit ihrem 56. Kampf ihre einzigartige Karriere. In diesem harten Geschäft hat Halmich sehr lange gebraucht, bis sie ins Fernsehen kam, bis die Boxpromoter und TV-Anstalten diese Frau, die seit 1995 ununterbrochen Weltmeisterin ist, endlich als Hauptkämpferin wahrnahmen. "Wenn ich 1994 zu jemandem gesagt hätte: He, ich werde die Hauptkämpferin im ZDF", sagt Halmich, "hätten wahrscheinlich viele geantwortet: Mädel, geh mal unter die kalte Dusche."

Die Zeiten haben sich geändert. Das ZDF lässt es heute krachen. Wenn sie gegen die Israelin Hagar Shmoulefeld Finer gewinnt (22.10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), wird Halmich als ungeschlagene Weltmeisterin abtreten. Und als diejenige, die das Frauenboxen in Deutschland aus dem Schmuddelmilieu herausgeholt hat, ihm "seine Berechtigung gegeben" hat, wie sie sagt.

"Anfangs hatte ich ein Gehalt von 3500 Mark brutto", erinnert sich Halmich. "Aber das war nicht schlimm, weil ich das Boxen geliebt habe." Heute Abend allein wird sie geschätzt eine Million Euro kassieren. Das ist der finanzielle Ausdruck des Respekts, den sich Halmich erboxt hat. 1994, da war sie 18 Jahre alt, fing die ehemalige Kickboxerin mit dem Profiboxen an. Drei Jahre Amateurzeit hatte sie hinter sich, aber der Amateurboxverband erlaubte damals kein professionelles Frauenboxen. Die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin fand jedoch in ihrer Heimatstadt Karlsruhe mit dem Trainer Jürgen Lutz einen Förderer, der nicht nur ihr Talent erkannte, sondern auch daran glaubte, dass aus dem Frauenboxen wirklich etwas werden könnte.

Ihr Profidebüt gab Halmich am 4. März 1994 gegen die Niederländerin Fienie Klee, sie gewann nach Punkten. Ihren ersten Titel holte sie in ihrem sechsten Kampf: Im November 1994 wurde Halmich Fliegengewichts-Europameisterin gegen die Britin Cheryl Robertson. Doch selbst dieser EM-Kampf fand im Rahmenprogramm des Männerboxens statt. Der Saal war noch leer, die Sprüche aus dem Publikum derb, und das Fernsehen wie selbstverständlich nicht auf Sendung. "In den ersten Jahren war ich Luft", sagt Halmich. "Ich war ein Experiment, eine Frau als Boxprofi."

Geld gab es im Frauenboxen damals nur in den USA zu verdienen. Im Gefolge von Axel Schulz' Versuch, 1995 in Las Vegas gegen George Foreman Schwergewichtsweltmeister zu werden, reiste Halmich auch ins Land der höheren Kampfbörsen. Aber gegen Yvonne Tremino, genannt "The Terminator", verlor sie deutlich. In den USA, so lernte sie, war das Frauenboxen doch weiter entwickelt.

In Europa schaffte Halmich, die später nie wieder verlor, sportlich ihren Durchbruch. Am 10. Juni 1995 boxte sie in Karlsruhe gegen die US-Amerikanerin Kim Messer um den vakanten Weltmeistertitel des Verbandes WIBF im Fliegengewicht. Sie gewann nach Punkten. Doch wie wenig Bedeutung das Profiboxen der Frauen damals hatte, erkennt man daran, dass der WM-Kampf das Profidebüt ihrer Gegnerin war.

Halmich störte das nicht. Sie bekam einen Vertrag bei der Hamburger Universum Boxpromotion, trainierte dort mit Kämpfern wie Dariusz Michalczewski und verbesserte sich ständig. "Ich schlief im Gym in Hamburg in einem winzigen Zimmer", erinnert sie sich. In den ersten Jahren gab es nicht mal eine Frauendusche. "Aber ich war stolz, in diesem Gym trainieren zu dürfen." Dennoch blieb Halmich im Vorprogramm, der "Karte", wie man im Boxen sagt. Dort bemühte sie sich um den Nachweis, dass Frauenboxen keine Abart des Schlammcatchens ist. Doch dieses Bemühen zahlte sich lange Zeit nicht aus.

Sechs Jahre lang war sie schon Weltmeisterin, bis ihr endlich auch der mediale Durchbruch gelang: Stefan Raab forderte sie 2001 heraus. Halmich nahm an, verprügelte den 90-Kilogramm-Entertainer und brach der "Killerplauze" sogar die Nase. Diese Rückkehr des Frauenboxens auf Kirmesniveau sorgte dafür, dass Halmich in Deutschland bekannt wurde. Auf diese Art hatte sie es nicht gewollt, aber "ich habe gelernt zu akzeptieren, dass die Menschen auf solche Formen der Unterhaltung stehen", so Halmich.

Erst nach dem ersten Raab-Kampf wurde Halmich Hauptkämpferin im ZDF. Die Quoten stiegen auf sechs Millionen Zuschauer: Zum einen, weil Halmich wirklich boxen kann, was man sich nun zur besten Sendezeit anschauen konnte. Zum anderen, weil die freundliche Badenerin das Profiboxen von Skandalen freihielt, die man aus dem Männerboxen kennt. Mit Halmich gab es keine geschobenen Kämpfe, keine nach einer Sauftour verprügelten Polizisten, keine Knaststrafen. Regina Halmich, ein weiblicher Henry Maske. Wie der "Gentleman" blieb Halmich Amerika und dem US-Boxmarkt fern. Wie bei Maske sorgte ihr Management dafür, dass medial neben Halmich niemand aufsteigen konnte. Das deutsche Frauenboxen hatte ein Gesicht, das von Regina Halmich. Der Körper zum Gesicht wurde in mehreren Männermagazinen gezeigt, dazu gab es lukrative Werbeverträge für Käse, Dessous und einen Likör mit dem Namen "Quicky".

In einem Alter, in dem kein Mann ans Aufhören denken würde, tritt sie nun ab. Mit 31 Jahren hat sie schon zwölf Jahre als Weltmeisterin hinter sich, und ihre letzten Kämpfe haben gezeigt, dass es langsam knapp werden könnte. Nicht, weil sie selbst schlecht boxen würde, die Konkurrenz wird besser. Darunter sind mit Ina Menzer (wie Halmich bei Universum) und Susi Kentikian (Spotlight Boxing) gleich zwei Anwärterinnen aus Deutschland.

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