Hamburger Boxstall: Universum droht der K.o. - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Kentikians WM-Fight: Kopfstoß, Platzwunde, Kampfende

Foto: ddp

Hamburger Boxstall Universum droht der K.o.

Der Erfolgstrainer hat aufgehört, die besten Boxer sind weg und der TV-Vertrag läuft aus: Die Lage für den Hamburger Boxstall Universum ist bedrohlich, der Geschäftsführer wirkt ratlos. Eine Veranstaltung mit zwei WM-Kämpfen sollte Werbung in eigener Sache machen - sie wurde ein Desaster.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Klaus-Peter Kohl

Hamburg - Noch eine Runde, dann könnte es vorbei sein. Die Hamburger Universum Box-Promotion taumelt wie ein schwer angeschlagener Boxer, der K.o. droht. Mit WM-Kämpfen von Jürgen Brähmer, Susi Kentikian und einem Ausscheidungsfight von Alexander Alexejev wollte das Unternehmen von am Samstag in Schwerin noch einmal Werbung in eigener Sache machen - doch daraus wurde nichts.

Lokalmatador Brähmer sagte wegen einer Rückenverletzung schon am Freitag ab. Fliegengewichtlerin Kentikian behielt zwar ihre WM-Gürtel der Verbände WBA, WIBF und WBO, ihr Kampf gegen die Mexikanerin Arely Mucino musste aber schon nach 23 Sekunden der dritten Runde wegen einer stark blutenden Wunde ohne Wertung abgebrochen werden - vorausgegangen war ein als unabsichtlich gewerteter Kopfstoß der Mexikanerin. Und Hoffnungsträger Alexejew wurde bereits in der zweiten Runde vom Russen Denis Lebedev schwer ausgeknockt.

Kentikian hatte nach dem Zusammenprall offenbar starke Schmerzen am Kopf, das Blut war kaum zu stoppen. "Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich stark blute. Ich bin sehr traurig, denn ich war gerade richtig warm, und dann war alles schon wieder vorbei. Ich bin sehr unzufrieden", sagte die 22-Jährige, die auch bei ihrer letzten Titelverteidigung im April gegen Nadia Raoui nicht überzeugen konnte.

"Ich weiß nicht, wie es weitergeht"

Universums Geschäftsführer Dietmar Poszwa, Schwiegersohn von Kohl, war bleich und sichtlich schockiert von den Ereignissen in der Schweriner Sport- und Kongresshalle. Dort verloren sich nach Brähmers Rückzug nur rund 2500 Zuschauer. "Es war ein verkorkster Abend, ich bitte die Zuschauer um Entschuldigung", sagte er und räumte mit einem Schulterzucken ein: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht."

Am 31. Juli in Hamburg tritt Universum nochmals als Veranstalter einer Kampfnacht auf. Mittelgewichtler Sebastian Zbik verteidigt dann seinen Interims-WM-Titel gegen den Argentinier Jorge Sebastian Heiland. Danach endet der Vertrag mit dem ZDF, der Universum rund 20 Millionen Euro pro Jahr gebracht haben soll und damit die wirtschaftliche Basis für das Unternehmen war. Den 15 Mitarbeitern in der Verwaltung wurde deshalb bereits im Mai zu Ende Juli gekündigt. Ein neuer TV-Partner ist augenscheinlich nicht in Sicht.

Felix Sturm

Noch im im vergangenen Jahr feierte Kohl groß das 25-jährige Jubiläum seines Stalls, der sich jahrelang ein Duell mit dem Berliner Wilfried Sauerland um die Vormachtstellung in Deutschland lieferte. In den Klitschko-Brüdern, Dariusz Michalczewski, Regina Halmich und hatte Universum echte Stars und Quotenbringer unter Vertrag. Sie alle sind nicht mehr da. Cheftrainer Fritz Sdunek hat sich zurückgezogen. Hoffnungsträger wie Luan Krasniqi und Alexander Dimitrenko haben die Erwartungen nicht erfüllt, Brähmer saß zwischenzeitlich im Gefängnis und ist gerade wieder (noch nicht rechtskräftig) wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Sollte Universum den Betrieb als Veranstalter einstellen, hätte das auch unabsehbare Folgen für den Bund Deutscher Berufsboxer (BDB). "Ohne Universum in unserer Mitte dürfte es für den Verband sehr, sehr schwer werden zu überleben", sagt BDB-Chef Thomas Pütz. Sauerland nämlich lässt seine Kampfabende beim österreichischen Verband lizensieren. Pütz will deshalb das drohende Universum-Aus nicht akzeptieren: "Ich glaube immer noch daran, dass Kohl einen Joker aus der Tasche zieht."

wit/sid